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Arme und ihre Lebensperspektiven in der Frühen Neuzeit

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Sebastian Schmidt

In diesem Band werden Lebensläufe von Armen sowie ihre Strategien und Möglichkeiten im Umgang mit Armut in verschiedenen Lebensphasen in den Blick genommen. Es geht darum, die sie betreffenden In- und Exklusionsprozesse auf verschiedenen Ebenen sowie in verschiedenen Teilsystemen der Gesellschaft zu beschreiben und ihre Ursachen und Folgen deutlich zu machen, um somit die Kenntnis über die Lebenssituation Armer in der Vormoderne zu erweitern. Wie wurde Armut wahrgenommen, wie reagierten die Armen auf die angebotenen Hilfsleistungen in den verschiedenen Lebenslagen und welche alternativen Überlebensstrategien entwickelten sie? Zur Beantwortung dieser Fragen befassen sich zehn Beiträge mit zwei miteinander verwobenen Aspekten: zum einen mit Armut und Deutungen von Armut im Lebenslauf, zum anderen mit den territorialen sowie institutionellen rechtlichen Rahmenbedingungen und ihren Auswirkungen auf Armutskarrieren im frühneuzeitlichen Mitteleuropa.
Aus dem Inhalt: Sebastian Schmidt: Einleitung – Helmut Bräuer: Weggelegte Kinder während der frühen Neuzeit in Obersachsen – Sebastian Schmidt: Kinderarmut, Fürsorgemaßnahmen und Lebenslaufperspektiven in den geistlichen Kurfürstentümern – Thomas Sokoll: Verhandelte Armut: Mobilität, Kontrolle und Selbstbehauptung im englischen Armenrecht, 1780-1840 – Norbert Franz: Die Anfänge städtischer Armenfürsorge in den südlichen Niederlanden am Beispiel der Stadt Luxemburg: von der spanisch-habsburgischen Herrschaft bis zum Ende des Grand Empire – Martin Scheutz: Supplikationen an den ‘ersamen’ Rat um Aufnahme ins Bürgerspital. Inklusions- und Exklusionsprozesse am Beispiel der Spitäler von Zwettl und Scheibbs – Franz Dorn: «Not kennt kein Gebot». Der Notdiebstahl (‘Stehlen in rechter Hungersnot’) in der frühneuzeitlichen Strafrechtsdogmatik – Rita Voltmer: Von den Kindern des Saturn und dem Kampf mit dem Schicksal - Lebenswege und Überlebensstrategien kleiner Leute im Spiegel von Strafgerichtsakten – Helga Schnabel-Schüle: Arme Frauen. Bedürftigkeit im Rahmen des Kindstötungsdiskurses – Gerhard Ammerer: «durch Strafen […] zu neuen Lastern gereizt». Schandstrafe, Brandmarkung und Landesverweisung - Überlegungen zur Korrelation und Kritik von kriminalisierenden Sanktionen und Armutskarrieren im späten 18. Jahrhundert.