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Texte – Textsorten – Phänomene im Text

von Zofia Berdychowska (Band-Herausgeber) Joanna Janicka (Band-Herausgeber) Agnieszka Vogelsang-Doncer (Band-Herausgeber)
Sammelband 265 Seiten

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhaltsverzeichnis
  • Vorwort: Zofia Berdychowska, Joanna Janicka, Agnieszka Vogelgesang-Doncer (Kraków)
  • Indirekte Referenz als Abbild mentaler Räume. Probleme der Übersetzung: Magdalena Filar (Kraków)
  • 1. Die Kognitive Linguistik in der Diskursanalyse
  • 2. Die funktionale Analyse der Diskursstruktur in der Theorie der Mentalräume
  • 2.1. Das Netzwerk der Mentalräume auf der Diskursebene
  • 2.1.1. Das Identifikations-/Zugangsprinzip
  • 2.1.2. Das Optimalisierungsprinzip
  • 2.2. Die direkte und indirekte Referenz
  • 3. Die Referenzbeziehungen im poetischen Diskurs
  • 3.1. Das Gedicht „Pożegnanie widoku“ aus der Sicht der Theorie der Mentalräume
  • 3.2. Die Konstruktion „jacyś nie my“ aus der Sicht der kognitiven Grammatik
  • 4. Die Referenzbeziehungen im deutschen Translat
  • 5. Fazit
  • Quellen
  • Literatur
  • Verallgemeinernde Äußerungen als Indizien von Dialogizität: Anne-Laure Daux-Combaudon (Paris)
  • 1. Einführung
  • 2. Definition des Forschungsgegenstandes
  • 2.1. Monologisches Korpus und Dialogizität
  • 2.2. Verallgemeinernde Äußerungen
  • 2.3. Intersubjektivität in der erzählten und in der erzählenden Zeit
  • 3. Zur textuellen Funktion der verallgemeinernden Äußerungen
  • 3.1. Die Organisation von Texten
  • 3.2. Die Sicherung des Textverstehens
  • 3.3. Vermeidung von Themen, die zu Unstimmigkeiten und Face-Verletzungen führen können
  • 4. Zur Identifikation des Adressaten der Autobiographien junger Ostdeutscher nach 1989
  • 5. Fazit und Ausblick
  • Literatur
  • Quellen
  • Überschriften in der deutschen und französischen Presse: Zur Perspektivierung der Information im Text: Anne Larrory-Wunder (Paris)
  • 1. Einleitung
  • 2. Überschriften als Texteinheiten
  • 2.1. Korpus
  • 2.2. Struktur der Leads
  • 2.3. Perspektive
  • 3. Mittel der Perspektivierung in deutschen Presseüberschriften
  • 3.1. Rede- und Einstellungsverben
  • 3.2. Textkonnektoren
  • 3.3. Temporaladverbien jetzt / nun
  • 3.4. Gedankenstrich
  • 3.5. Doppelpunkt
  • 3.6. Fragen und Antworten
  • 4. Fazit
  • Literatur
  • Wie viel Wissen wird einem Leser zugemutet? – einige Bemerkungen zu Wissensanforderungen im Kontext intertextueller Beziehungen in Pressetexten: Anna Hanus (Rzeszów)
  • 1. Vorbemerkungen
  • 2. Intertextualität in ihrer Begriffsvielfalt
  • 3. Wissen, Wissensbestand, Wissensminimum?
  • 4. Intertextualität? in Überschriften zur Domosławski-Frage – eine Analyse
  • 5. Fazit
  • Literatur
  • Textsorten als kommunikative Strukturen teilsystemischer Orientierungshorizonte am Beispiel des Rechts: Helge Missal (Halle)
  • 1. Einführung
  • 2. Systemische Differenzierung nach Abstraktionsniveaus und Strukturen
  • 2.1. Das Recht als teilsystemischer Orientierungshorizont und Deutungsstruktur
  • 2.2. Institutionelle Ordnungen als Erwartungsstrukturen
  • 2.3. Akteurkonstellationen und Konstellationsstrukturen
  • 2.4. Der Mehrebenenbezug von Kommunikationsstrukturen
  • 3. Textsorten als kommunikative Strukturen am Beispiel des Rechtswesens
  • 3.1. Kerntextsorten
  • 3.2. Textsorten der Anschlusskommunikation
  • 3.3. Textsorten der strukturellen Kopplung
  • 4. Zusammenfassung
  • Literatur
  • Harte und weiche Nachrichten in der deutschen überregionalen Tagespresse: Monika Lenkiewicz (Tarnów)
  • 1. Nachrichtenbegriff
  • 2. Nachrichten in der Publizistik
  • 3. Nachricht und andere informationsbetonte Darstellungsformen
  • 3.1. Meldung
  • 3.2. Bericht
  • 4. Untersuchungsmethoden und Korpus
  • 4.1. Untersuchungsmethoden
  • 4.2. Korpus
  • 5. Ergebnisse der Analyse und Schlussfolgerungen
  • 5.1. Die interaktionale Gesamtkonstellation
  • 5.2. Inhaltliche und formale Aspekte der Textstruktur
  • 5.2.1. Textfunktion
  • 5.2.2. Textstrukturierung und Texteinheiten
  • 5.2.3. Text-Thema-Entfaltung und oberflächenstrukturelle Merkmale in harten Nachrichten
  • 5.2.4. Text-Thema-Entfaltung und oberflächenstrukturelle Merkmale in weichen Nachrichten
  • 6. Zusammenfassung und Ausblick
  • Literatur
  • Vom Sorgenkind zum Musterknaben oder wie Polen im EU-Diskurs der Wochenzeitschrift DER SPIEGEL nominiert wird: Dorota Miller (Rzeszów)
  • 1. Einleitung und Fragestellung
  • 2. Diskurs und Nomination
  • 3. Analyseergebnisse
  • 6. Schlussbemerkungen und Fazit
  • Literatur
  • Kontrastive Textsortenanalyse: Formen des Adressatenbezugs in polnischen und österreichischen Reiseprospekten: Marta Smykała (Rzeszów)
  • 1. Reiseprospekt als Textsorte
  • 2. Phatische Funktion und ihre sprachliche Realisierung im untersuchten Korpus
  • 2.1. Adressatenbezug
  • 2.2. Direkte Anrede des Adressaten mit Hilfe von informellen Anredepronomen
  • 2.3. Direkte Anrede des Adressaten mit Hilfe der formellen Anredepronomen
  • 2.4. Indirekte Anrede des Adressaten
  • 2.5. Sonderfall 1: wir/my
  • 2.6. Sonderfall 2: Testimonialwerbung
  • 3. Fazit
  • Literatur
  • Quellen
  • Zu Funktionen verbloser Prädikationen im Lateinischen außerhalb der „klassischen“ Satzsyntax am Beispiel von Sentenzen und Parenthesen: Sabine Häusler (Halle)
  • 1. Einleitung – Der Nominalsatz in der indogermanistischen Forschungsgeschichte
  • 2. Der Nominalsatz im Lateinischen
  • 3. Analyse: Verblose Sentenzen und Parenthesen im Lateinischen
  • 3.1. Verblose Sentenzen bei Tacitus
  • 3.2. Verblose Parenthesen bei Plinius d.J. und Cicero
  • 4. Schlussfolgerung
  • Quellen
  • Literatur
  • Die Externe Prädikation im Vergleich Deutsch-Kabylisch (Berberisch): Saïd Bouzidi (Paris)
  • 1. Einleitung
  • 2. Hypothesen in Bezug auf Topologie und Morphologie
  • 3. Theoretische Grundlagen
  • 4. Typen von externen prädikativen Äußerungseinheiten
  • 4.1. Die VLÄE bezieht sich auf ein linguistisches Element
  • 4.2. Das Thema ist in der Situation vorhanden
  • 5. Zusammenfassende Merkmale zur triadischen Artikulation
  • 6. Vergleich und Erläuterung der Ergebnisse
  • 6.1. Statistischer Vergleich der (externen prädikativen )VLÄE
  • 6.2. Einige Anmerkungen zum Sprachvergleich
  • 5. Funktion im Text
  • 6. Schlussfolgerung
  • 7. Abkürzungen
  • Literatur
  • Quellen
  • Deverbale Nomina als Vertextungsmittel: Jarosław Aptacy (Poznań)
  • 1. Einleitung
  • 2. Valenz der Deverbativa mit einwertiger Basis
  • 3. Valenz der Deverbativa mit zweiwertiger Basis
  • 4. Resümee
  • Literatur
  • Definitionen in den Rechtstexten mit besonderer Berücksichtigung des Arbeitsrechts: Robert Kołodziej (Kraków)
  • 1. Merkmale und Rolle der Definition nach den Erkenntnissen der Terminologielehre
  • 1.1. Nominal- und Realdefinitionen
  • 1.2. Analytische und synthetische Definitionen
  • 1.3. Inhalts- und Umfangsdefinitionen
  • 1.4. Weitere Arten der Definitionen
  • 2. Juristische Definitionen
  • 2.1. Gliederung der Definitionen im Recht
  • 2.2. Aufbau der Definitionen im Recht
  • 2.3. Polnische und deutsche Definitionen des Arbeitnehmers
  • 2.4. Weitere Arten der Legaldefinitionen
  • 2.5. Unterschiedliche Definitionen für einen Terminus in verschiedenen Gesetzen am Beispiel des Jugendlichen im polnischen und deutschen Recht
  • 2.6. Platzierung der Definitionen in Gesetzestexten
  • 2.7. Inhalts- und Umfangdefinitionen in den Gesetzestexten
  • 3. Intertextualität in den juristischen Definitionen
  • 4. Schlussbemerkungen
  • Literatur
  • Quellen
  • Redewiedergabe in erzählenden Teilen von Interviews mit deutschsprachigen jüdischen Emigrant/inn/en: Ricarda Schneider (Paris)
  • 1. Einleitung
  • 2. Forschungshintergrund
  • 3. Datenkorpus
  • 4. Formen der Redewiedergabe
  • 4.1. Direkte Rede mit verbum dicendi
  • 4.2. Direkte Rede ohne verbum dicendi
  • 4.3. Innerer Monolog und direkte Gedankenwiedergabe
  • 4.4. Indirekte Rede mit Indikativ
  • 4.5. Indirekte Rede mit Konjunktiv
  • 4.6. Indirekte Fragesätze (im Indikativ oder Konjunktiv)
  • 5. Funktionen von Redewiedergabe
  • 6. Schlussbemerkung
  • Literatur
  • Der Text als Grundlage für das „Korpus des kontemporären Jiddisch“. Ein Forschungsbericht: Małgorzata Kozyra (Kraków)
  • 1. Zur Einführung: vom Buchstaben über Text bis zur Dokumentation des Ostjiddischen
  • 1.1. Jiddisch als eine „heritage language“
  • 1.2. Modernes und kontemporäres Jiddisch
  • 2. Das Textkorpus des kontemporären Jiddisch
  • 2.1. Über die Differenzierung und Art der Texte
  • 2.2. Datenstrukturierung und Aufarbeitung
  • 3. Resümee
  • 3.1. Ausblick: Neue Dimension vom Text als Grundlage eines Korpus
  • Literatur
  • Zur Anwendbarkeit der deutschen und deutsch-polnischen Wörterbücher bei der Textanalyse: Elżbieta Pawlikowska-Asendrych (Częstochowa)
  • 1. Zielsetzung
  • 2. Zur Fragestellung
  • 3. Wörterbuchbedeutung versus Äußerungsbedeutung
  • 4. Zur Wahl der polnischen Äquivalente in Bezug auf den Text und die Wörterbucheinträge
  • 5. Fazit
  • Literatur
  • Quellen

Vorwort

Mit dem Band Texte – Textsorten – Phänomene im Text halten Sie eine Auswahl von überarbeiteten Beiträgen junger Linguisten in der Hand, die Ende Oktober 2012 in Krakau zusammengekommen waren, um über Forschungsparadigmen und Anwendungsbereiche der Textlinguistik zu diskutieren. An dem internationalen Treffen haben junge Sprachwissenschaftler aus Polen, Deutschland und Frankreich teilgenommen, die die einmalige Gelegenheit hatten, textlinguistisch orientierte Teile ihrer Forschungsvorhaben (zum Teil laufende Dissertations- und Habilitationsprojekte) vor Mentoren zu präsentieren. Zahlreich repräsentiert waren die Universitäten Paris 3, Rzeszów und Kraków. Dazu gesellten sich Linguisten aus Halle, Tarnów, Częstochowa und Poznań. Wie weit und vielschichtig das Aufgabenfeld der Textlinguistik selbst ist, so breit war auch das Spektrum der präsentierten Beiträge und aufschlussreich die geführten Diskussionen.

Der Band enthält Beiträge, deren Autoren verschiedene Aspekte von Text und Textsorten wie das Auftreten und die Funktionen bestimmter sprachlicher Phänomene in Texten aus unterschiedlichen Blickwinkeln untersuchen. Mit einer übersetzungsbezogenen Analyse der indirekten Referenz in einem Gedicht von Wisława Szymborska und dessen deutschem Translat plädiert Magdalena Filar für die Nützlichkeit Gilles Fauconniers Theorie der mentalen Räume bei der Lösung translatorischer Probleme. Anne-Laure Daux-Combaudon stellt die Frage nach den Hauptfunktionen verallgemeinernder Äußerungen in literarischen Texten, um zur Schlussfolgerung zu kommen, dass sie unter die übergeordnete Funktion der Verständnissicherung subsumierbar sind und verallgemeinernde Äußerungen selbst als Indizien der Dialogizität angesehen werden können.

In einigen Beiträgen stehen Textsorten im Fokus. Anne Larrory-Wunder untersucht an deutschen und französischen Presseüberschriften, wie und mit welchen Mitteln die Information im Text in Abhängigkeit von der vom Textproduzenten beabsichtigten Wirkung perspektiviert wird und weist nach, dass die Perspektivierung der Information einen wesentlichen Beitrag zur textuellen Organisation leistet. Überschriften in Pressetexten, jedoch im Hinblick auf die Voraussetzungen ihrer Rezeption, analysiert ebenfalls Anna Hanus, die damit den Textempfänger ins Licht ihrer Untersuchungen rückt. An der Schnittstelle zwischen Textlinguistik und Soziologie anzusiedeln ist der Beitrag von Helge Missal, in dem die Bedeutung von Textsorten, die als kommunikative Strukturen gefasst werden, für die Organisation der Kommunikation zwischen den Akteuren sowie für die Bestimmung ihrer Beziehungen nach außen hin entscheidend ist. Monika Lenkiewicz unterzieht textexterne und textinterne Merkmale harter ← 7 | 8 → und weicher Nachrichten einer eingehenden vergleichenden Analyse nach dem Modell von Heinemann/Heinemann (2002). Dagegen versucht Dorota Miller mit der Zusammenstellung und Analyse der im SPIEGEL im Laufe des medialen EU-Erweiterungsdiskurses auftauchenden Bezeichnungen für Polen nachzuweisen, dass mit der Nomination nicht nur benannt, sondern automatisch auch bewertet wird und diskutiert die Beziehung zwischen Nomination und Bewertung. Marta Smykała widmet ihren Beitrag der Textsorte Reiseprospekt und vergleicht Anredeformen in polnischen und österreichischen Reiseprospekten.

In zwei Beiträgen werden verblose Äußerungseinheiten behandelt. Aufgrund der Analyse von lateinischen Sentenzen und Parenthesen zeigt Sabine Häusler die Funktionen satzwertiger verbloser Konstruktionen im Lateinischen im Vergleich zu Sätzen mit finitem Verb und kommt zum Schluss, dass der Verzicht auf das finite Verb möglich ist, während komplette Verblosigkeit eher die Ausnahme darstellt. Saïd Bouzidi vergleicht externe Prädikationen in verschiedenen Typen verbloser Äußerungseinheiten in deutschen und kabylischen Texten. Anhand von polnischen und deutschen Zeitungsartikeln aus dem Wirtschaftsteil analysiert Jarosław Aptacy satzübergreifende Realisierungen der Valenz deverbaler Nomina als Vertextungsmittel und ermittelt ihre Strukturtypen. Robert Kołodziej untersucht in seiner Abhandlung die Merkmale und die Rolle von Definitionen in Rechtstexten, v.a. im Bereich des Arbeitsrechts.

Im Beitrag von Ricarda Schneider, der sich auf das sog. „Israel-Korpus“ stützt, gilt besonderes Augenmerk denjenigen Passagen in autobiographischen Interviews mit deutschsprachigen jüdischen Emigranten, in denen Redewiedergabe eine Rolle für die Gesamtstruktur des Textes spielt. Unter Heranziehung des selbständig erstellten Korpus des kontemporären Jiddisch schildert Małgorzata Kozyra, wie Texte als Grundlage für die Erstellung eines repräsentativen Korpus genutzt werden können und welche Probleme dabei im Falle einer bedrohten heritage language gelöst werden müssen, um dann über die Methode der Analyse des Verbalsystems im Jiddischen zu berichten. Elżbieta Pawlikowska-Asendrych unterzieht am Beispiel des deutschen Lexems Erinnerung die Wörterbucheinträge und die Anwendbarkeit der deutschen und der deutsch-polnischen Wörterbücher bei der Textanalyse einer kritischen Betrachtung.

Das sehr weit angeschnittene Rahmenthema der Tagung wie die Komplexität und Vielschichtigkeit des Phänomens Text selbst haben es möglich gemacht, diverse Fragen aufzugreifen.

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Unser Dank gilt allen MitstreiterInnen und TeilnehmerInnen an der Konferenz für ihre Bereitschaft zum wissenschaftlichen Austausch und ihre Diskussionsfreude. Unseren ganz besonderen Dank möchten wir Irmtraud Behr für ihre konstruktive und gewissenhafte Gegenlektüre aussprechen. Die Jagellonen-Universität in Kraków hat die Publikation großzügig unterstützt.

Kraków, im Juni 2014

Zofia Berdychowska

Joanna Janicka

Agnieszka Vogelgesang-Doncer

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Indirekte Referenz als Abbild mentaler Räume. Probleme der Übersetzung

Magdalena Filar

Abstract

Der Beitrag hat zum Ziel, die Nützlichkeit der kognitiven Sprachtheorie für die Erklärung des Phänomens der indirekten Referenz auf der Satz- und auf der Diskursebene zu überprüfen. Es wird davon ausgegangen, dass die Referenz auf der mentalen Ebene stattfindet und in der Einsetzung der Objekte in bestimmte Mentalräume bzw. in der Sicherung des Zugangs zu den in Mentalräumen schon vorhandenen Objekten besteht.

Das Phänomen der indirekten Referenz wird sowohl in der Theorie der Mentalräume als auch in der kognitiven Grammatik von Langacker erklärt. Es entsteht dabei die Frage, welche Typen der indirekten Referenz zu unterscheiden sind. Ist es auch möglich, mit Hilfe beider Konzeptionen weniger konventionelle Fälle des indirekten Referierens im poetischen Diskurs zu erklären? Den Gegenstand der Analyse stellt das Gedicht von Wisława Szymborska „Pożegnanie widoku“ und dessen Übersetzung ins Deutsche von Karl Dedecius „Abschied vom Ausblick“ (2007) dar.

1. Die Kognitive Linguistik in der Diskursanalyse

Die ‚Kognitive Wende‘ bezeichnet in der modernen Linguistik eine radikale Abwendung von den Zielsetzungen des Strukturalismus und Behaviorismus und die Forderung, die Sprache in Verbindung mit den mentalen Prozessen zu betrachten. Im Rahmen der Kognitiven Linguistik lassen sich zwei Forschungsansätze unterscheiden: der modulare Ansatz, in dem die Sprache als eigenständiges Modul der Kognition gilt und in ihrer Funktionsweise von anderen Kenntnissystemen abgegrenzt wird und der holistische Ansatz, in dem die Sprache als Epiphänomen der Kognition betrachtet und die Sprachfähigkeit mit anderen kognitiven Fähigkeiten untrennbar verbunden wird (vgl. Schwarz 2008: 49–59).

Die Kognitive Linguistik, insbesondere der holistische Ansatz, ist als Disziplin sehr heterogen und umfasst mehrere semantische Theorien, deren theoretische Grundlagen auch teilweise zur Modellierung der Diskursstruktur und zur Untersuchung der Diskursbedeutung angewandt wurden. Langacker (1995, 2005, 2008) formuliert im Rahmen der Kognitiven Grammatik die Grundprinzipien der kohärenten Strukturbildung auf der Diskursebene und analysiert die semantische Leistung der Artikel und Personalpronomina im Diskurs. Van Hoek (2007) setzt Langackers Untersuchungen im Bereich der anaphorischen Pronomina fort.

Fauconnier (1994, 1997) und seine Mitarbeiter (Fauconnier/Sweetser 1996) schlagen dagegen im Rahmen der Theorie der Mentalräume eine andere Kon ← 11 | 12 → zeption der Diskursanalyse vor. Sie entwickeln das Zugangsprinzip und konzentrieren sich auf die Untersuchung des Skopus der indefiniten Quantoren, der referentiellen Mehrdeutigkeit und der referentiellen Struktur der Diskurses. Das Zugangsprinzip wird von Ariel (1990) weiterentwickelt und in den Untersuchungen der anaphorischen Ausdrücke, z.B. der definiten Deskriptionen (Epstein 2002) und der referentiellen und relationalen Kohärenz (Sanders/ Spooren 2007) angewandt.

Die genannten Theorien finden auch Anwendung in der Analyse der Bedeutung von ganzen Diskursen, darunter von Pressediskursen (Libura 2004, 2010) und von literarischen Diskursen (Libura 2006, Stockwell 2006, Kövecses 2011) sowie in der Analyse der literarischen Übersetzungen (Tabakowska 2000, 2001).

2. Die funktionale Analyse der Diskursstruktur in der Theorie der Mentalräume

Nach Langacker (2005: 129, 2008) steht der kognitive Ansatz nicht im Widerspruch zu der kommunikationsorientierten Sprachtheorie. Beide Herangehensweisen ergänzen sich wie zwei Seiten einer Medaille. Als Verbindungselement gilt hier der Begriff ‚speech event/usage event‘, mit dem ein kontextbedingtes Sprachverwendungsereignis gemeint ist. Ein Sprachverwendungsereignis ist in seiner Struktur bipolar und besteht aus der Konzeptualisierung, dem vollen kontextbedingten Verständnis einer Bedeutung, und aus ihrer Verbalisierung. Den Diskurs definiert Langacker (2008: 457f.) deshalb als eine Folge von Sprachverwendungsereignissen:

A discourse comprises a series of usage events: instances of language use in all their complexity and specificity. A usage event has no particular size; depending on our analytical purpose, we can segment discourse into words, clauses, sentences, intonation groups, conversational turns, and so on. An event is bipolar, consisting in both conceptualization and means of expression. On the expressive side, it includes the full phonetic detail of an utterance, as well as any other kinds of signals, such as gestures and body language (conceivably even pheromones). Conceptually, a usage event includes the expression’s full contextual understanding – not only what is said explicitly but also what is inferred, as well as everything evoked as the basis for its apprehension.[…] (Langacker 2008: 457f.)

Fauconnier (1994, 1997) äußert sich dagegen zu dem Diskursbegriff nicht. Charakteristisch für seine Theorie ist die Konzentration auf die Satz- und Textbedeutung im Diskurs und die Hervorhebung der Bedeutungskonstruktion. Die aktuelle Bedeutung ist im Diskurs nicht im Vorhinein gegeben, sondern sie wird jeweils, wie Fauconnier es selbst bezeichnet, „online“ konstruiert. Das involviert ← 12 | 13 → zwei Typen von mentalen Prozessen: die Bildung der Mentalräume (1) und die Herstellung der konzeptuellen Verbindungen zwischen diesen Konstrukten (2).

Der Kontext wird in dieser Theorie weit verstanden und umfasst sowohl den situativen Kontext als auch das Wissen der Gesprächspartner und das Wissen über frühere Diskurse.

2.1. Das Netzwerk der Mentalräume auf der Diskursebene

Die Grundlage von Fauconniers Theorie (1994: 16) bildet die Annahme, dass im Prozess des Denkens und Sprechens die sog. Mentalräume (engl. mental spaces) entstehen. Die Mentalräume werden als Repräsentationen des gegebenen Wirklichkeitsausschnittes bzw. als Konstellationen von miteinander verbundenen Konzepten von Dingen und Relationen definiert. Ihr Inhalt wird in Bezug auf kognitive Domänen und kognitive Modelle festgelegt, die den für das richtige Verständnis der Konzeptualisierung notwendigen Kontext liefern.

Sie werden durch die so genannten Kreatoren der Mentalräume (engl. space builders) gebildet. Meistens sind das explizite sprachliche Indikatoren, z.B. temporale, lokale, epistemische und modale Ausdrücke. Als Kreatoren der Mentalräume können auch in seltenen Fällen das Weltwissen des Sprechers und explizite nonverbale Elemente dienen. Die Kreatoren helfen auch, den semantischen Status der Mentalräume zu signalisieren. Man unterscheidet unter anderem Mentalräume, die zeitliche und lokale Distanz signalisieren sowie epistemische und modale (deontische) Mentalräume (vgl. Fauconnier 1994, 1997, 2007, Libura 2004, Evans/Green 2006).

Details

Seiten
265
ISBN (PDF)
9783653039375
ISBN (ePUB)
9783653994032
ISBN (MOBI)
9783653994025
ISBN (Buch)
9783631646151
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2015 (Februar)
Erschienen
Frankfurt am Main, Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Wien, 2014. 265 S., 7 Tab., 9 Graf.

Biographische Angaben

Zofia Berdychowska (Band-Herausgeber) Joanna Janicka (Band-Herausgeber) Agnieszka Vogelsang-Doncer (Band-Herausgeber)

Zofia Berdychowska unterrichtet an der Jagiellonen-Universität Krakau (Polen) Theoretische und Angewandte Linguistik. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen auf Deixis, kontrastiver Linguistik, Übersetzungswissenschaft, Text- und Diskurslinguistik sowie Fachkommunikation. Joanna Janicka arbeitet am Institut für Germanische Philologie der Jagiellonen-Universität Krakau (Polen). Sie unterrichtet Sprachpraxis Deutsch. Ihr Forschungsinteresse gilt der Wortbildung, der Semantik und der Textlinguistik. Agnieszka Vogelgesang-Doncer arbeitet am Institut für Germanische Philologie der Jagiellonen-Universität Krakau, wo sie linguistische Fächer unterrichtet. Ihr Hauptinteresse gilt der Strukturellen Grammatik und der Textlinguistik. Besonders intensiv beschäftigt sie sich mit dem Phänomen der syntaktischen Komprimierung.

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Titel: Texte – Textsorten – Phänomene im Text