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Gefallenengedenken der Nachkriegszeit zwischen Erinnerung und Verdrängung

Die Gedenktafeln in der Kieler Polizeidienststelle Blumenstraße

von Oliver Auge (Band-Herausgeber:in)
©2026 Sammelband 178 Seiten
Reihe: Kieler Werkstücke, Band 64

Zusammenfassung

Die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit in Schleswig-Holstein begann spät – und bleibt bis heute unvollständig. Eine Leerstelle ist weiterhin die Rolle der Polizei. Ausgehend von den bisherigen Fortschritten der Auseinandersetzung beleuchtet der Band die Geschichte der drei Gedenktafeln für die im Zweiten Weltkrieg gefallenen Kieler Polizisten im Dienstgebäude Blumenstraße – und damit auch die ambivalente Vergangenheit der Geehrten zwischen Opfermythos und Täterschaft. Mit Beiträgen namhafter Historikerinnen und Historiker leistet das Buch einen wichtigen Beitrag zur kritischen Reflexion polizeilicher Vergangenheit und zur Stärkung demokratischer Werte in der Gegenwart.

Inhaltsverzeichnis

  • Abdeckung
  • Titelblatt
  • Copyright-Seite
  • Inhaltsverzeichnis
  • Abbildungsverzeichnis
  • Vorwort des Herausgebers (Oliver Auge)
  • Verdrängte Geschichte: Forschung zum Nationalsozialismus in Schleswig-Holstein (Sven Hamann)
  • Entschuldungsnarrative, Rechtfertigungsschriften und kritische Bestandsaufnahmen. Zum Wandel der Polizeigeschichtsschreibung in der Bundesrepublik Deutschland (Martin Göllnitz)
  • 1. Einführung
  • 2. Die Entschuldung der Täter und das Verschweigen der NS-Vergangenheit
  • 3. Geschichtswissenschaft und Polizeigeschichte: Erste Annäherungen
  • 4. Paradigmenwechsel in der Polizeigeschichtsforschung ab den 1990er Jahren
  • 5. Abschließende Bemerkungen
  • Die Kieler Polizei in der Blumenstraße, der Zweite Weltkrieg und das Denkmal von 1954/1966 (Ulrich Erdmann)
  • 1. Das Dienstgebäude ab 1908, das Forschungsprojekt und die Materiallage
  • 2. Im Umbruchjahr 1933
  • 3. Während der Friedensjahre im Nationalsozialismus
  • 4. Kieler Polizeibeschäftigte und Polizeipräsidium im Zweiten Weltkrieg
  • 5. Neuaufbau der Kieler Polizei in den Nachkriegsjahren
  • 6. Das Denkmalprojekt für die Weltkriegstoten und die Einweihung 1954
  • 7. Etablierung des Gedenkens in der „Blume“ und die Ergänzungstafel 1966
  • 8. Das Polizeidenkmal in der Blumenstraße – auf dem Weg in die Vergessenheit?
  • „[…] daß von einem Beamten aktive politische Mitarbeit verlangt werden muß“. Biografische Skizzen zu den Kieler Polizeiangehörigen der drei Gedenktafeln (Laura Potzuweit)
  • 1. Einleitung
  • 2. Biografische Skizzen in Auswahl
  • 2.1. Beispielbiografie
  • 2.2. Zugehörigkeiten und Mitgliedschaften
  • 2.2.1. Aufnahme und Weg in die Polizeiarbeit
  • 2.2.2. Zugehörigkeit zur NSDAP sowie Mitgliedschaften in NS-Organisationen
  • 2.2.3. Mitgliedschaften in der SA und SS
  • 2.3. Beteiligungen vor und im Krieg
  • 2.3.1. Annexion Österreichs (1938)
  • 2.3.2. Polizeibataillone
  • 2.4. Todesumstände
  • 2.4.1. An der Front
  • 2.4.2. „Opfer“ des Luftkrieges
  • 2.4.3. Krankheit
  • 2.5. Biografische Auffälligkeiten
  • 2.5.1. Der Autor
  • 2.5.2. Die SPD-Mitglieder
  • 2.5.3. Der „Kommunist“
  • 2.5.4. Der „Begnadigte“
  • 2.5.5. Der „Täter“
  • 3. Schlussbetrachtung
  • Biogramme weiterer Polizeiangehöriger der Kieler Gedenktafeln
  • AutorInnenverzeichnis
  • Orts- und Personenregister
  • Orte
  • Personen

Abbildungsverzeichnis

Oliver Auge:

Abb. 1–5: Gedenktafeln für die im Zweiten Weltkrieg verstorbenen Polizeiangehörigen in der Kriminalbezirksinspektion Kiel (Blumenstraße) (Fotos: Laura Potzuweit)

Ulrich Erdmann:

Abb. 1: Polizeipräsidium in der Blumenstraße 2–4, circa 1910, Fotografie von Wilhelm Jacobsen (Stadtarchiv Kiel [StAK], 70349)

Abb. 2: „Polizeiwandlung zum Verfolgungsinstrument, dargestellt am Beispiel Kiel und neuer Weltanschauung“ als Teil der Polizeichronik von Dietrich Schipper (Eutin) aus dem Jahr 2011

Abb. 3: Das 1935 für Polizeibeamte obligatorische Leistungsbuch für den Erwerb des SA-Sportabzeichens, Inhaber: Reserveoberwachtmeister der Schutzpolizei Alexander Tolkmitt (Privatnachlass Uwe Tolkmitt)

Abb. 4: Die Karteikarte des 1944 in Warschau gefallenen Kieler Polizeisekretärs Otto Kohl im Ehrenbuch der Polizei

Abb. 5: Das Kieler Polizeipräsidium in der Blumenstraße 1945, Wiederaufbau an der Ecke zur Wilhelminenstraße. Rest des Luftschutzbunkers am Bildrand links unten sichtbar (Polizei-Inspektion Kiel, Chronik 2, S. 7)

Abb. 6: Entwurf eines Leumundszeugnisses vom 11. August 1948 für den Kieler Polizeibeamten Alexander Tolkmitt vorgefertigt und von diesem zur Tatsache seiner NSDAP-Mitgliedschaft handschriftlich korrigiert (Privatnachlass Uwe Tolkmitt)

Abb. 7: Polizeidirektor Walter Wiencke am 20. November 1955 bei der Gedenkrede vor dem Ehrenmal im Polizeidienstgebäude Blumenstraße und den beiden Gedenktafeln (ein Jahr nach der Einweihung am 14. November 1954) (Polizei-Inspektion Kiel, Chronik 3, S. 43)

Abb. 8: Das Buntglasfenster von Theodor Riebicke für das Gefallenendenkmal in der Polizeidirektion Blumenstraße, mit der Silhouette von Uwe Tolkmitt, Sohn des Gedenktafelschnitzers Alexander Tolkmitt (2024). (Foto: Ulrich Erdmann)

Abb. 9: „‚Belastete Polizeiführer‘? Beispielhaft: Polizeidirektor Güdler“ (Schipper, 1920 bis 2010)

Abb. 10: Kriminaldirektor Walter Heyn 1976 vor dem komplettierten Denkmal für die gefallenen Polizeiangehörigen in der Blumenstraße. Bildvariante des Pressefotos von Friedrich Magnussen in den Kieler Nachrichten vom 13. November 1976 (StAK, 68480)

Laura Potzuweit:

Abb. 1: Die Kieler Hundertschaft im Jahr 1938 in Wien (Polizei-Gruppe Kiel, Chronik 1, Fotoseiten nach S. 83)

Abb. 2: In Ostösterreich (Polizei-Gruppe Kiel, Chronik 1, Fotoseiten nach S. 83)

Abb. 3: Einzug der Kieler Hundertschaft nach der Annexion Österreichs (Polizei-Gruppe Kiel, Chronik 1, Fotoseiten nach S. 83)

Abb. 4: Das Dienstgebäude der Polizei in der Tirpitzstraße 21 nach dem Luftangriff (StAK, 51.037)

Vorwort des Herausgebers

Oliver Auge

In Deutschland im Allgemeinen und in Schleswig-Holstein im Besonderen ließ die Aufarbeitung der NS-Zeit gesellschaftsbedingt lange Zeit auf sich warten.1 Erst allmählich setzte diese in den 1980er Jahren ein, um dann mit fortlaufender Dauer mehr und mehr an Fahrt zu gewinnen. Für Schleswig-Holstein sind Marksteine einer lange Zeit überfälligen Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Diktatur dabei auffallend erst jüngeren Datums. Indes sind sie darum nicht weniger wertvoll oder weiterführend, sondern eher das Gegenteil ist der Fall. Zu denken ist etwa an das von der Kieler Professur für Regionalgeschichte verantwortete Kieler Gelehrtenverzeichnis, einen Online-Katalog der Kieler Professoren vor allem von 1919 bis 1965, der seit 2015 die Verstrickungen der betreffenden Hochschulakteure so transparent wie nirgends sonst in Deutschland macht2, oder an die mustergültige Aufarbeitung der personellen und strukturellen Kontinuitäten in der schleswig-holsteinischen Legislative und Exekutive nach 1945 durch die Forschungsstelle für regionale Zeitgeschichte und Public History (ehemals IZRG) der Universität Flensburg von 2017 und 2021.3

Für die Landespolizei liegt eine entsprechend weitreichende Studie bisher nicht vor.4 Dies ist umso schmerzlicher und tut umgekehrt umso mehr not, als deutschlandweit und auch im schleswig-holsteinischen Kontext immer wieder Nachrichten in der Tagespresse von rassistischen Übergriffen und von der Verbreitung rechtsextremen Gedankenguts in der heutigen Polizei unsere demokratische Gesellschaft aufschrecken.5 Die Polizeiverantwortlichen wie die im Dienst befindlichen Polizistinnen und Polizisten sind jeweils gefordert, sich mit solchen Vorwürfen konstruktiv und transparent auseinanderzusetzen.

Bei dieser Herausforderung vermag die Geschichte als sprichwörtliche Lehrmeisterin des Lebens eine große Unterstützung zu sein. Die intensive Auseinandersetzung mit den zwölf dunkelsten Jahren der deutschen Geschichte und insbesondere mit der zweifelhaften Rolle, die viele Polizisten seinerzeit wider geltendes Recht und Moral spielten, kann eine nachhaltige Basis für die Standortbestimmung heute bilden, wie sich Polizistinnen und Polizisten gegenüber falsch verstandenem Kameradentum, Antidemokratismus und Rassismus positionieren sollen und tragende Säulen sowie Garanten unserer demokratischen Grundordnung sein können.

Details

Seiten
178
Erscheinungsjahr
2026
ISBN (PDF)
9783631920114
ISBN (ePUB)
9783631920121
ISBN (Hardcover)
9783631713341
DOI
10.3726/b21901
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2026 (Juli)
Schlagworte
Polizei Nationalsozialismus Kiel Gedenkkultur Aufarbeitung
Erschienen
Berlin, Bruxelles, Chennai, Lausanne, New York, Oxford, 2026. 178 S., 10 farb. Abb., 9 s/w Abb., 1 Tab.
Produktsicherheit
Peter Lang Group AG

Biographische Angaben

Oliver Auge (Band-Herausgeber:in)

Oliver Auge ist Inhaber der Professur für Regionalgeschichte mit Schwerpunkt zur Geschichte Schleswig-Holsteins in Mittelalter und Früher Neuzeit an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.

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Titel: Gefallenengedenken der Nachkriegszeit zwischen Erinnerung und Verdrängung