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Empathie von Lehrpersonen im Kontext von Professionalität aus Schüler:innenperspektive

Eine retrospektive Studie am Ende der Grundschulzeit

von Susanne Karwath (Autor:in)
©2026 Dissertation XVIII, 258 Seiten

Zusammenfassung

Empathie ist mehr als eine soziale Tugend – sie ist eine Schlüsselkompetenz für Lehrpersonen. Durch ihr Verhalten und ihre Interaktion prägen Lehrer:innen entscheidend, wie sich Empathie bei Schüler:innen entwickelt. Doch trotz ihrer zentralen Bedeutung zeigen Studien, dass Lehrkräfte oft nicht ausreichend empathisch agieren.
Die Autorin geht der spannenden Frage nach, ob das kindliche Reflexionsvermögen genutzt werden kann, um Lehrpersonen neue Perspektiven auf ihr eigenes empathisches Verhalten zu eröffnen.
Mithilfe episodischer Interviews, die persönliche Erinnerungen und Erzählungen in den Mittelpunkt stellen, zeigt die Studie: Kinder verfügen über ein bemerkenswertes Reflexionsvermögen – und gerade darin liegt ein bislang unerschlossener, aber hoch relevanter Ansatz für die Förderung professioneller Empathie im Lehrer:innenberuf.

Inhaltsverzeichnis

  • Abdeckung
  • Titelblatt
  • Copyright-Seite
  • Inhaltsverzeichnis
  • Abbildungsverzeichnis
  • Tabellenverzeichnis
  • Vorwort
  • Danksagung
  • Kapitel 1 Einleitung
  • 1.1 Problemaufriss, Fragestellung und Zielsetzung
  • 1.2 Aufbau der Arbeit
  • Teil I Theorie
  • Kapitel 2 Interdisziplinäres: Empathie und …
  • 2.1 Etymologie: Herkunft und Sprachgebrauch
  • 2.1.1 Exkurs Paläanthropologisches: Zur Phylogenese der Empathie
  • 2.2 Nachahmung aus neurobiologischer Perspektive
  • 2.3 Verstehen aus psychologischer Perspektive
  • 2.4 Resonanz aus soziologischer Perspektive
  • 2.5 Moral aus philosophischer Perspektive
  • 2.6 Zusammenfassung: Die Lehrperson
  • Kapitel 3 Kindliches Urteilsvermögen nach Jean Piaget
  • 3.1 Jean Piaget
  • 3.2 Das Murmelspiel
  • 3.3 Moralisches Urteil
  • 3.3.1 Das Regelanwendung
  • 3.3.2 Heteronomie und Autonomie
  • 3.3.3 Das Regelbewusstsein
  • 3.4 Gerechtigkeitssinn
  • 3.4.1 Die Entwicklung der Gerechtigkeit
  • 3.4.2 Die distributive und die retributive Gerechtigkeit
  • 3.5 Zusammenfassung
  • Kapitel 4 Professionelle Facetten der empathischen Lehrperson
  • 4.1 Professionelle Haltung
  • 4.1.1 Beziehung zwischen Lehrenden und Lernenden
  • 4.1.1.1 Vertrauen – Glaubwürdigkeit
  • 4.1.1.2 Sensitive Responsivität – Einfühlendes Verstehen
  • 4.1.1.3 Wertschätzung – Loben
  • 4.1.1.4 Respekt – Gerechtigkeit
  • 4.1.1.5 Humor – Lachen
  • 4.1.2 Zum Wohlfühlen der Schüler:innen
  • 4.2 Pädagogische (kommunikative) Handlungen
  • 4.2.1 Nonverbales: Zur Embodied Communication
  • 4.2.1.1 Mimik
  • 4.2.1.2 Gestik
  • 4.2.2 Verbales: Zum Dialog
  • 4.2.2.1 Sprache
  • 4.2.2.2 Stimme
  • 4.2.3 Zwischenmenschliches: Zum dialogischen Prinzip
  • 4.2.3.1 Authentizität
  • 4.2.3.2 Legitimation des anderen
  • 4.3 Professionelles Selbst
  • 4.3.1 (Wahrnehmungs-)Modell
  • 4.3.2 Emotionale (An-)Führung
  • 4.4 Zusammenführende Überlegungen
  • Kapitel 5 Schulentwicklung als Scharnier: Zwischen kollegialem Konsens und empathischer Persönlichkeit
  • Teil II Forschungsdesign, Aufbereitung der Daten & Methodenkritik
  • Kapitel 6 Forschungsdesign
  • 6.1 Methodologische Rahmung
  • 6.1.1 Zugang I: Die neue Kindheitsforschung
  • 6.1.2 Zugang II: Konstruktivismus
  • 6.1.3 Zugang III: Authentizität als Konstrukt
  • 6.1.4 Zugang IV: Symbolischer Interaktionismus
  • 6.1.5 Zugang V: Rahmenanalyse
  • 6.2 Methodisches Vorgehen
  • 6.2.1 Zum kindlichen Vermögen der Reflexion
  • 6.2.2 Mixed-Methods-Fragebogen: Auswahl von Proband:innen
  • 6.2.3 Episodische Interview – Zur Rekonstruktion der kindlichen Sicht
  • 6.2.4 Vorstellung der Proband:innen
  • Probandin I: Julia
  • Proband II: Kevin
  • Probandin III: Emma
  • Proband IV: Junus
  • Proband V: Ludwig
  • Probandin VI: Pauline
  • Kapitel 7 Aufbereitung der Daten
  • 7.1 Qualitative Inhaltsanalyse
  • 7.2 Ablauf der Analyse
  • Teil III Ergebnisse der Untersuchung
  • Kapitel 8 Darstellung der Forschungsergebnisse
  • 8.1 Zur Haltung der Lehrperson aus Schüler:innenperspektive
  • 8.1.1 Zur Bedeutsamkeit der Beziehung zwischen Lehrenden und Lernenden
  • 8.1.1.1 Gegenseitige Achtung
  • 8.1.1.2 Freundlichkeit
  • 8.1.2 Vertrauen
  • 8.1.2.1 Vertrauenswürdigkeit
  • 8.1.2.2 Autorität
  • 8.1.2.3 Glaubwürdigkeit
  • 8.1.2.4 Ehrenwürdigkeit
  • 8.1.3 Einfühlendes Verstehen
  • 8.1.3.1 Emotionale Stabilität
  • 8.1.3.2 Offenheit für Erfahrungen
  • 8.1.3.3 Resonanz
  • 8.1.3.4 Unterstützende Hilfe
  • 8.1.3.5 Verstandenwerden
  • 8.1.4 Wertschätzung
  • 8.1.4.1 Lob
  • 8.1.4.2 Ermutigung
  • 8.1.5 Respekt
  • 8.1.5.1 Gegenseitigkeit
  • 8.1.5.2 Gerechtigkeit
  • 8.1.6 Humor
  • 8.1.6.1 Fröhlichkeit
  • 8.1.6.2 Verbundenheit
  • 8.1.7 Wohlfühlen
  • 8.1.7.1 Gutes Wohlbefinden
  • 8.1.7.2 Gemeinsames Wohlgefühl
  • 8.2 Zur Handlung der Lehrperson aus Schüler:innenperspektive
  • 8.2.1 Zur Bedeutsamkeit der Mimik
  • 8.2.1.1 Gefühlsausdruck
  • 8.2.1.2 Strahlende Augen
  • 8.2.2 Zur Bedeutsamkeit der Gestik
  • 8.2.2.1 Zurückhaltung
  • 8.2.2.2 Keine Barrieren
  • 8.2.3 Zur Bedeutsamkeit der Sprache
  • 8.2.3.1 Höflich
  • 8.2.3.2 Ruhig
  • 8.2.4 Zur Bedeutsamkeit der Stimme
  • 8.2.4.1 Sanftheit
  • 8.2.4.2 Offenbarung der Gefühlslage
  • 8.3 Zur Bedeutsamkeit der Person
  • 8.3.1 Zur Bedeutsamkeit der Legitimation des anderen
  • 8.3.1.1 Authentizität
  • 8.3.1.2 Personale Vergegenwärtigung
  • 8.3.2 Emotionale Anführung
  • 8.3.2.1 Emotionale Ansteckung
  • 8.3.2.2 Gelassenheit
  • 8.4 Zusammenfassung
  • Kapitel 9 Fallorientierte Auswertung
  • 9.1 Fall I: Kevin
  • 9.2 Fall II: Emma
  • 9.3 Fall III: Junus
  • 9.4 Fall IV: Ludwig
  • 9.5 Fall V: Pauline
  • 9.6 Fall VI: Julia
  • 9.7 Zusammenfassung
  • Teil IV Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse und Ausblick
  • Kapitel 10 Konklusion
  • Kapitel 11 Fazit und Ausblick
  • Literatur
  • Sekundärliteratur
  • Internetquellen

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Schaubild der Entwicklung des moralischen Urteils beim Kinde (in Anlehnung an Piaget 1932/2015; eigene Darstellung)

Abbildung 2: Die Entwicklung der Gerechtigkeit nach Piaget (in Anlehnung an Piaget 1932/2015; eigene Darstellung)

Abbildung 3: Empathische Facetten einer professionellen Haltung (eigene Darstellung)

Abbildung 4: Emotionale Intelligenz nach Goleman (in Anlehnung an Goleman et al. 2002; eigene Darstellung)

Abbildung 5: Persönlichkeitsmodell der empathisch-professionellen Lehrperson (eigene Darstellung)

Abbildung 6: Der Mixed-Method-Fragebogen – Teil 1 (Aufgabe 1 und 2) und Teil 2 (Aufgabe 3)

Abbildung 7: Teilstandardisierter Leitfaden mit schwacher Standardisierungsstärke

Abbildung 8: Ablaufmodell qualitative Inhaltsanalyse (in Anlehnung an Kuckartz/Rädiker 2022)

Abbildung 9: Übersicht der Korrelationen zwischen empathischen und nicht empathischen Haltungen und Handlungen der Lehrperson und Proband:in

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Merkmale der Empathie und subversive Strömungen (in Anlehnung an Buber 2017; eigene Darstellung)

Tabelle 2: Übersicht der Gesamtheit aller Ergebnisse – Fragebogen I Aufgabe 1: Es gibt freundliche Lehrerinnen und Lehrer und unfreundliche Lehrerinnen und Lehrer. Meine Lehrerin/Mein Lehrer ist

Tabelle 3: Übersicht der Gesamtheit aller Ergebnisse – Fragebogen I Aufgabe 2: Ich kann 1, 2, 3, 4 Geschichten über meine Lehrerin/meinen Lehrer erzählen

Tabelle 4: Übersicht der Auswahl der Proband:innen – Fragebogen Teil 1

Tabelle 5: Übersicht Kategoriensystem: Professionelle Facetten der empathischen Lehrperson – Professionelle Haltung

Tabelle 6: Übersicht Kategoriensystem: Professionelle Facetten der empathischen Lehrperson – Pädagogische Handlungen

Tabelle 7: Übersicht Kategoriensystem: Professionelle Facetten der empathischen Lehrperson – Professionelles Selbst

Tabelle 8: Übersicht über moralische Urteilsfähigkeit und Reflexionsvermögen der Proband:innen – in Bezug zur Haltung der Lehrperson

Tabelle 9: Übersicht über moralische Urteilsfähigkeit und Reflexionsvermögen der Proband:innen – in Bezug zur Handlung der Lehrperson

Tabelle 10: Übersicht über moralische Urteilsfähigkeit und Reflexionsvermögen der Proband:innen – in Bezug zum professionellen Selbst

Tabelle 11: Fallanalyse I – Klassenlehrer versus Kevin

Tabelle 12: Fallanalyse II – Klassenlehrer versus Emma

Tabelle 13: Fallanalyse III – Klassenlehrer versus Junus

Tabelle 14: Fallanalyse IV – Klassenlehrer versus Ludwig

Tabelle 15: Fallanalyse V – Klassenlehrer versus Pauline

Tabelle 16: Fallanalyse VI – Klassenlehrer versus Julia

Vorwort

Empathie ist eine zentrale Schlüsselkompetenz im Lehrer:innenberuf. Sie bildet die Grundlage für eine positive Lernumgebung und trägt wesentlich zur emotionalen und kognitiven Entwicklung von Schüler:innen bei. Empathische Lehrpersonen können die Perspektiven und Gefühle ihrer Schüler:innen besser verstehen, auf ihre Bedürfnisse eingehen und unterstützende Beziehungen gestalten.

Forschungsergebnisse aus der Neurobiologie zeigen, dass Lehrkräfte durch ihr Verhalten und ihre Interaktion die Empathiefähigkeit von Schüler:innen maßgeblich fördern – oder auch hemmen – können. Trotz dieser großen Bedeutung weisen empirische Studien darauf hin, dass Lehrpersonen im pädagogischen Alltag häufig nicht ausreichend empathisch handeln.

Die vorliegende Studie greift dieses Spannungsfeld auf und untersucht, inwiefern das kindliche Reflexionsvermögen genutzt werden kann, um Lehrpersonen Rückmeldungen über ihre empathische Kompetenz zu geben. Ziel ist es, zu verstehen, ob Schüler:innen durch ihre Wahrnehmungen und Einschätzungen wertvolle Hinweise zur Weiterentwicklung professioneller Empathie liefern können.

Als methodisches Vorgehen wurde das episodische Interview gewählt. Es ermöglicht den Zugang zu erzählten Erfahrungen und Erinnerungen und eignet sich daher besonders gut, um empathische Situationen aus der Perspektive der Befragten zu erschließen.

Die Ergebnisse zeigen, dass Schüler:innen bereits im Grundschulalter in der Lage sind, empathisches Verhalten ihrer Lehrpersonen differenziert wahrzunehmen und zu reflektieren. Darüber hinaus lassen sich Zusammenhänge zwischen dem Verhalten von Lehrenden und Lernenden erkennen – sowohl in empathischer als auch in weniger empathischer Hinsicht.

Insgesamt verdeutlicht die Studie, dass das kindliche Reflexionsvermögen ein bislang wenig beachteter, aber äußerst wertvoller Ansatz für die Förderung von Empathie im Lehrberuf ist. Kinder können durch ihre Sichtweisen und Bewertungen wichtige Impulse für die Professionalisierung empathischer Kompetenzen geben. Ihre Einbindung in pädagogische Reflexionsprozesse erscheint daher nicht nur sinnvoll, sondern notwendig, um die Qualität der Beziehung zwischen Lehrenden und Lernenden und des Unterrichts langfristig zu stärken.

Danksagung

Es gibt vielen Menschen, denen ich danken möchte, da sie auf unterschiedliche Art und Weise die Entstehung dieser Arbeit begleitet und die Vollendung unterstützt haben. Beginnen werde ich mit den zentralen Personen aus meinem Arbeitskontext:

Mein besonderer Dank gilt Prof. Dr. Claudia Osburg und Prof. Dr. em. Thomas Trautmann, allein dafür, dass ihr nie an der Fertigstellung gezweifelt habt.

Liebe Claudia, besten Dank! Du hast meine immer länger werdenden Texte gelesen und dich regelmäßig mit mir getroffen. Es waren deine erstaunlich abstrahierenden Überlegungen, die besonders wegweisend waren. Zudem ist es dir gelungen in besonders trüben Zeiten, für Aufmunterung zu sorgen. Dankeschön!

Besten Dank, Thomas, dass du mir animierend und motivierend zur Seite gestanden bist und mich geleitet hast, mich für die Komplexität der Wissenschaft zu begeistern.

Mein bester Dank gilt auch Prof. Dr. Claus Krieger. Claus, du hast dich sofort bereit erklärt, die Arbeit als weiterer Gutachter zu betreuen.

Auch danke ich meinen Eltern und Andreas Achterholt. Zudem danke ich meiner Familie, meinen Freunden und meinen Bekannten, die den Entstehungs- und Gelingensprozess dieser Arbeit interessiert begleitet haben.

Und weil sich auch nicht immer alles um das Schreiben einer Promotionsschrift drehen kann, bin ich den Mitgliedern der Stiftung Dialogstark! und Frau Dr. Mirriam Prieß besonders verbunden.

Dem Verlag und dem Lektorat danke ich herzlich für die engagierte Begleitung und die sorgfältige Betreuung des Buchprojektes.

Nicht zuletzt gilt ein besonders herzlicher Dank den Schüler:innen dafür, sich mir so bereitwillig zu öffnen und über ihre Erfahrungen mit mehr oder weniger empathischen Verhaltensweisen von Lehrpersonen zu berichten.

KAPITEL 1 Einleitung

Empathie ist eine Schlüsselkompetenz innerhalb der Beziehung zwischen Lehrenden und Lernenden. Sie beeinflusst nicht nur das pädagogische Handeln maßgeblich, sondern spielt auch eine entscheidende Rolle für den Lernerfolg sowie die emotionale und soziale Entwicklung der Schüler:innen.

Details

Seiten
XVIII, 258
Erscheinungsjahr
2026
ISBN (PDF)
9783631946589
ISBN (ePUB)
9783631946596
ISBN (Hardcover)
9783631946572
DOI
10.3726/b23406
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2026 (August)
Schlagworte
Empathie im Unterricht Lehrer-Schüler-Interaktion Reflexionsvermögen von Kindern Professionalisierung von Lehrkräften emotionale Kompetenz Lehrerbildung Grundschule pädagogische Beziehung Bildung Kommunikation Unterrichtsqualität
Erschienen
Berlin, Bruxelles, Chennai, Lausanne, New York, Oxford, 2026. xviii, 258 S., 3 farb. Abb., 7 s/w Abb., 17 Tab.
Produktsicherheit
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Biographische Angaben

Susanne Karwath (Autor:in)

Susanne Karwath ist Grundschullehrerin und Lehrbeauftragte an der Universität Hamburg. 2025 wurde sie ebenda mit der vorliegenden Arbeit promoviert. Darüber hinaus engagiert sie sich in der Stiftung Dialogstark!, die sich für einen respektvollen und dialogorientierten Austausch in unserer Gesellschaft einsetzt.

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Titel: Empathie von Lehrpersonen im Kontext von Professionalität aus Schüler:innenperspektive