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Die Rückkehr der literarischen Teufelsfigur und des Teufelspaktmotivs in der Romantik

by Markéta Buršová (Author)
©2026 Thesis 254 Pages
Series: Maß und Wert, Volume 10

Summary

Welche Rolle spielt der Teufel in der Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts? Soll er lediglich Grauen erwecken oder kann er dem Menschen, der mit ihm den Pakt abschließt, auch etwas Positives geben? Das Buch befasst sich mit der Geschichte des literarischen Teufels und des Teufelspaktmotivs von seinen frühesten Anfängen bis zur deutschen Romantik. Schwerpunkt sind dabei die Veränderungen im Zugang zur Teufelsfigur im 18. Jahrhundert. Der Teufel findet nämlich seinen Weg zurück in die Literatur, er wird säkularisiert, psychologisiert und vermenschlicht, und somit gewinnt er eine ganz besondere Funktion. Seine Aufgabe besteht nun nicht mehr darin, dem Menschen zu schaden und ihn auf Abwege zu führen, sondern ihn auch vor Gefahren zu warnen, sei es vor den Fallen des eigenen Ichs, sei es vor der modernen, am Geld orientierten Gesellschaft.

Table Of Contents

  • Umschlag
  • Titelseite
  • Copyright-Seite
  • Widmung
  • Inhalt
  • Danksagung
  • 1. Einleitung
  • 2. Umgang mit den ausgewählten Texten; der Teufelspakt in der Forschung
  • 3. Der Teufelspakt: Eine allgemeine Definition
  • Exkurs: Der Ablasshandel als Impuls zur Verbreitung der Teufelspaktgeschichten?
  • 4. Entwicklungsgeschichte des Motivs und seiner Funktion
  • 4.1. Die Uranfänge des Motivs: Bibel und Legenden
  • 4.2. Hexenverfolgungen, Teufelsvorstellungen und Teufelspakte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit
  • 4.3. Entstehung des faustischen Mythos und seine Entwicklung bis zur Version Goethes
  • 4.3.1. Pakt oder Wette? Neue Charakteristika des Teufelsbundes und des Bündners
  • Faust als Skeptiker und die Erfüllung seiner Bedingungen im Rahmen der Wette
  • 4.3.2. Goethes Mephisto als Wegbereiter des neuen Teufels- und Teufelspaktbildes?
  • 4.3.3. Mephisto und die Ambivalenz der Teufelsfigur
  • Mephisto als Trickster
  • 4.4. Übergangsphase: Der Teufel verschwindet aus dem Fokus
  • 5. Die romantische Epoche
  • 5.1. Exkurs: Der Teufel und der Teufelspakt in Sagen und Märchen
  • 5.2. Die Strömung der ‚schwarzen‘ Romantik
  • 5.3. Die Spezifika der deutschen Romantik und ihre Phasen
  • 5.4. Philosophische und religiöse Grundlagen der Hoch- und Spätromantik im Vergleich zur aufklärerischen Weltansicht
  • 5.4.1. Individualisierung des Geisteslebens (Schlegel, Schleiermacher, Schubert)
  • 5.4.2. Das Unheimliche und die Gefahr des Rationalismus
  • 5.5. Der Teufel in der Romantik als Repräsentant und/oder Symbol des Bösen im Menschen
  • 5.6. Teufelspaktgeschichten im Kontext des Zeitgeistes
  • 5.6.1. Kritik am frühen Kapitalismus
  • 5.6.2. Teufelspaktvarianten: Bund mit dem Teufel als eine negative Lebensphase?
  • Der Teufelsbund als Übergangsphase und seine Akteure als Schwellenwesen
  • 6. An der Schwelle zur Romantik: Christian Heinrich Spieß: Das Petermännchen
  • 6.1. Der Bündner und der Pakt
  • 6.2. Die Teufelsfigur
  • 7. Heinrich Zschokke: Die Walpurgisnacht
  • 7.1. Die Teufelsfigur
  • 7.2. Der Bündner und der Pakt
  • 8. Friedrich de la Motte Fouqué: Eine Geschichte vom Galgenmännlein
  • 8.1. Die Teufelsfigur
  • 8.2. Der Bündner und der Pakt
  • 9. Karl Wilhelm Salice Contessa: Magister Rößlein
  • 9.1. Die Teufelsfigur
  • 9.2. Exkurs: Der Belfagor-Stoff
  • 9.3. Der Bündner und der Pakt
  • 10. Adelbert von Chamisso: Peter Schlemihls wundersame Geschichte
  • 10.1. Die Teufelsfigur
  • 10.2. Der Bündner: Peter Schlemihl vs. Thomas John
  • 10.3. Der Pakt
  • 10.3.1. Der erste Schritt: Das Entnehmen des Schattens
  • 10.3.2. Der zweite Schritt: Der Versuch des Seelenraubes
  • 10.3.3. Neue Horizonte
  • 11. E.T.A. Hoffmann: Die Elixiere des Teufels
  • 12. Komparative Analyse und Schlussfolgerungen
  • 12.1. Ambivalenz der Teufelsfigur
  • 12.2. „Schwächling, werde Mann!“: Die Symbolik des Paktabschlusses und dessen Bedeutung für die Figur des Bündners
  • 13. Zusammenfassung
  • Literaturverzeichnis
  • Primärliteratur
  • Korpus-Texte
  • Andere literarische Texte und philosophische Schriften
  • Forschungsliteratur

Danksagung

An dieser Stelle möchte ich vor allem meinem Betreuer Mgr. Milan Horňáček, Ph.D. für seine unaufhörliche Hilfsbereitschaft und Unterstützung, sowie für alle seine wertvollen Hinweise und Kommentare danken, die mir bei der Verfassung der Dissertation sehr geholfen haben.

Für die präzise und schnelle sprachliche Korrektur möchte ich mich bei Jan-Peter Abraham, M.A. bedanken.

Einen herzlichen Dank möchte ich auch meinen lieben Doktorandenkollegen aussprechen, die mich in jeder Situation unterstützt und das Studium zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht haben.

KAPITEL 1 Einleitung

Im Jahre 1791 wurde ein Roman des einst sehr populären, heute jedoch weitgehend vergessenen Dichters Christian Heinrich Spieß mit dem Titel Das Petermännchen, Geistergeschichte aus dem 13. Jahrhundert veröffentlicht. Das Teufelspaktmotiv, das in diesem Schauerroman enthalten ist, ist der Präromantik verpflichtet. Spieß’ Text steht an der Schwelle zur romantischen Epoche, in der die Teufelsfigur und der Teufelspakt in der Literatur nach der Epoche der Vernunft wieder an Bedeutung gewinnen.

Die zweiteilige Geschichte erzählt von einem jungen Ritter, den vor seinem vierundzwanzigsten Geburtstag ein Spiritus familiaris (das ‚Petermännchen‘) besucht. Obwohl es zuerst als ein gutmütiger Geist wirkt, erweckt es in dem Ritter Rudolph eine unkontrollierbare Sehnsucht nach Frauen und treibt ihn unauffällig dazu an, viele schreckliche Taten zu begehen. Der Geist steht immer zur Hilfe, indem er Rudolfs Forderungen erfüllt und ihm manche magischen Gegenstände zur Verfügung stellt. Da das Petermännchen zu seinen Lebzeiten einen Pakt mit Beelzebub abgeschlossen hat, muss es nun dem Herrn der Finsternis dienen: Es geht nämlich um einen Familienfluch, der Peter dazu verpflichtet, seine männlichen Nachkommen zur Sünde zu verführen. Dies führt bei Rudolph dazu, dass er selbst einen Teufelspakt abschließt, was für ihn im Endeffekt jedoch einen großen moralischen Niedergang bedeutet (er begeht Morde, vergewaltigt, führt eine inzestuöse Beziehung mit seiner eigenen Tochter usw.). Dieser (erste) Pakt wird noch durch die göttliche Macht (bzw. durch einen Eingriff eines Priesters) aufgelöst. Es scheint, dass Rudolph gerettet und von dem Fluch befreit wird. Er ist jedoch kein Held mit starkem Willen und nach kurzer Zeit schließt er einen zweiten Pakt ab. Nun führt er zwar ein relativ stilles und zufriedenes Leben, sein Glück dauert jedoch nicht lange, denn Beelzebub sucht ihn auf seiner Burg auf, gemeinsam mit einer ‚Armee‘ der Rächer-Teufel, die Rudolph auf gruselige Weise töten.

Der Teufel bzw. Beelzebub ist bei Spieß bereits durch ‚moderne‘ Züge gekennzeichnet. Sein teuflischer ‚Kern‘ wird durch prachtvolle Kleidung und höfliches Benehmen maskiert – es sind keine Hörner, kein Schwanz, kein Huf zu sehen. Diese Darstellung der Figur weist bereits auf die zukünftige goethesche und (spät)romantische Darstellungsweise hin, bei der der Teufel meistens als ein vornehmer Mann auftritt, was ihn zu einer ambivalenten Figur macht (siehe auch Kapitel 5.5.). Spieß’ Beelzebub ist demnach im Grunde genommen einerseits ein Vorläufer Mephistos in Goethes Faust I und Faust II, andererseits sein ‚Zeitgenosse‘ im Urfaust, welcher in einer vollständigen Fassung im Jahre 1790 veröffentlicht wurde, in seinen einzelnen Teilen jedoch bereits früher bekannt war (beispielsweise durch Goethes öffentliche Vorlesung). In der Geschichte vom Petermännchen ist jedenfalls der moderne Teufel hervorzuheben: Als ‚zivilisierte‘, an sich ehrliche, gerechte, jedoch irgendwie neutrale Figur kontrastiert er mit dem wilden und triebhaften Menschen, der sich ständig entscheidet, um für sich selbst das momentan Beste (d. h. die Befriedigung der Begierde) in der jeweiligen Situation zu gewinnen.

Der Pakt wird jedoch immer noch auf die prototypische Weise abgeschlossen: Der Mensch unterzeichnet mit eigenem Blut ein Pergamentblatt, es wird eine Frist festgelegt, wobei eigentlich zwei Pakte abgeschlossen werden. Der Verlauf des Paktabschlusses wirkt durchaus undramatisch – es kommt zu einem Tauschhandel, der von dem Protagonisten ohne größeres Zögern angenommen wird. Erst am Ende des Romans erfolgt eine Erklärung des ganzen Geschehens, nämlich des bereits kurz erwähnten, durch Peters Versündigung verursachten Familienfluches, der zu dem Teufelspakt geführt hat. Rudolph ist vom Anfang an zu seinem persönlichen Scheitern prädestiniert, er trägt einen Keim des Bösen in sich und es gelingt ihm nicht, sich von seinem Fatum zu befreien. Nachdem er alle Gräuel begangen hat, ist er reif, den Pakt mit Beelzebub zu schließen. Als Rudolph eine Frist von vierzig Jahren vorschlägt, lacht ihn Beelzebub aus:

In vierzig Jahren? Solch einen Termin gibt der Elendeste meiner Teufel nicht, geschweige denn ihr Oberster! Guter Freund, die Waare ist nicht mehr so theuer; man kann sie wohlfeiler haben. Vor tausend Jahren hätte ich dir den Preis zugestanden, aber jetzt nicht. Die Wollust und der Luxus sind gute Kunden; sie versehen mich hinlänglich. Krieg und Faustrecht schleppt mir auch genug zu, und in Zukunft wird es noch besser werden. Ehe noch fünf hundert Jahre vergehen, wird man Seelen umsonst haben, und nicht zu kaufen brauchen; da werden die Leute keinen Gott mehr glauben, und meinen Teufeln selbst in die Klauen laufen.1

Das angeführte Zitat kontrastiert miteinander drei Epochen: die Epoche, als man sich vor dem Teufel noch fürchtete, also tausend Jahre vor der erzählten Zeit der Petermännchen-Geschichte; diejenige, in der sich die Geschichte abspielt (13. Jahrhundert) und diejenige, in der sie von Spieß verfasst wurde (18. Jahrhundert). Es wird der moralische und religiöse Niedergang des Menschengeschlechtes geschildert, der darin gipfelt, dass die Seelen keine wertvolle ‚Ware‘ mehr sind. In fünfhundert Jahren, also am Gipfel bzw. Tiefpunkt des moralischen Niedergangs, wird die Situation für den Teufel noch günstiger sein, denn die Seelen werden sogar ‚umsonst‘ verkauft.

Mit einer solchen ‚Diagnose‘ wird der Leser in den Teufelspaktgeschichten vom Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts allerdings regelmäßig konfrontiert: Die Bündner haben keine Furcht vor dem Teufel und davor, was der Teufel eventuell symbolisiert, sei es der Mangel an Moral oder die Gefahr, die das Geld mit sich bringt.

Obwohl der Teufel alle Wünsche des Menschen ehrlich erfüllt, ist der Bündner nur für kurze Zeit zufrieden und bald bedauert er seinen Entschluss. Dies ist zwar auch bei Rudolph der Fall, trotzdem schließt er noch einen zweiten Pakt ab, der für ihn diesmal fatale Konsequenzen hat: Er führt zu seinem bereits erwähnten gruseligen Tode – in dieser Hinsicht entspricht Spieß’ Roman den alten Teufelssagen bzw. auch dem älteren Fauststoff, wo der Pakt ähnlich fatale Folgen hatte. In der Romantik kommt es dagegen zu einer radikalen Veränderung, da Geschichten mit unterschiedlichem, optimistisch angelegtem Ausgang auftauchen: Der Protagonist wird einer Probe unterzogen und falls er sie besteht und seine ‚dunkle‘ Seite überwindet, kann er sich wieder als ein besserer Mensch in die Gesellschaft integrieren. Was Rudolph betrifft, bekommt er zwar eine Chance zur Reintegration in die ‚normale‘ und fromme Lebensweise, diese Chance erreicht er jedoch nicht aus seiner eigenen Kraft2, sondern durch den Eingriff des Geistlichen bzw. durch die göttliche Macht. Als Rudolph zum zweiten Mal die göttliche Ordnung verletzt, wird er endgültig zur ewigen Verdammnis verurteilt.

Spieß’ Petermännchen lässt sich nur schwer einer literarischen Epoche zuordnen, da der Roman an der Schwelle von der Aufklärung zur Romantik entstand. Er trägt Züge beider Epochen: Er ist aufklärerisch belehrend (jedoch unter Verwendung des Übernatürlichen und Magischen), daneben enthält er auch Elemente der voraufklärerischen Zeit, in der die Teufelsgeschichten als ein reines Exemplum dienten, anhand dessen demonstriert wurde, was passieren könnte, falls man gegenüber Gott und der Kirche nicht gehorsam ist. In solchen Exempeln fehlte es an der Psychologisierung sowohl des Menschen als auch des Teufels und auch die ästhetische Qualität war nebensächlich. Dementsprechend wird auch Rudolph sehr primitiv und einseitig geschildert und es sind nur rudimentäre Ansätze der Psychologisierung zu finden. ‚Exemplarisch‘ wirkt auch die vorher erwähnte dramatische Auseinandersetzung Beelzebubs mit der göttlichen Macht – vertreten durch den Priester, der den Teufel austreibt (derartige Eingriffe durch kirchliche Autoritäten fehlen in der Romantik). Bis zu einem gewissen Grad ließe sich der Roman also als ‚präromantisch‘ bezeichnen, er erreicht nämlich noch nicht die Komplexität und Tiefe der romantischen Dichtungen. Romantisch ist Das Petermännchen vor allem, was die Wahl der Motivik betrifft (Mittelalter, Orient, Burgruinen, Elemente des Übernatürlichen usw.). Ansonsten dient Spieß’ Roman einerseits der Unterhaltung eines breiten Publikums, andererseits hat er einen unbestritten didaktischen Charakter. Davon zeugt auch die auktoriale Erzählperspektive – der Erzähler greift in das Geschehen ein, indem er es kommentiert und bewertet, und mit dem Ziel, ihn zu belehren, spricht er den Leser direkt an. Eine ähnliche Vorgehensweise kommt in den späteren Texten nicht vor und wenn doch, dann eher als ein parodistischer denn ernst gemeinter Eingriff.

Auch von der Figur des Petermännchens werden belehrende und moralisierende Gedanken ausgesprochen, in denen es auf den freien Willen Rudolphs hinweist (was gewissermaßen paradox wirken kann, berücksichtigt man die Tatsache, dass Peter dazu bestimmt wurde, Rudolph auf Abwege zu führen). Es folgen zwei Beispiele solcher Aussagen: „Lerne doch einmal einsehen, und begreifen, daß böser Vorsatz nur durch noch schlimmere Hilfsmittel zur That werden kann!“3 Und: „Frei muß der Mensch handeln, ungezwungen wählen, aber auch allein verantworten, je nachdem er handelte, nachdem er wählte.“4 Trotz dieser Belehrungen trifft Rudolph eine unglückliche Entscheidung nach der anderen und bestätigt so seine Verdorbenheit. Es gibt nur ein paar retardierende Momente, in denen der Protagonist sein Verhalten reflektiert und sich für das Gute entscheidet. Als ein Gegenpol zu dem bösen Petermännchen greift in das Geschehen nämlich der Geist seiner Frau Mathilde ein, die Rudolph im Prinzip dazu auffordert, sich dem Willen Gottes zu ergeben.

Im Hinblick auf die Prädestination der Hauptfigur ist an dieser Stelle der Vergleich mit den mehr als zwanzig Jahre nach Spieß’ Roman entstandenen Elixieren des Teufels (1815/1816) von E.T.A. Hoffmann nicht uninteressant, wo das Schicksal und der Familienfluch in Kombination mit eigenem Willen und Glauben ebenfalls eine entscheidende Rolle spielen (siehe auch Kapitel 11). Im Unterschied zum Petermännchen bieten die Elixiere eine Rettungsmöglichkeit für den Protagonisten an – am Ende kommt es zu dessen Erlösung und die menschliche Seele entschlüpft dem Teufel. Gerade dieser Konzeption sind die Teufelspaktgeschichten der späteren Romantik verpflichtet: Die Bündner werden ohne Ausnahme gerettet (in dem Sinne, dass sich der Teufel ihrer Seele nicht bemächtigt) und nach ihrer ‚Besserung‘ integrieren sie sich wieder in die Gesellschaft. Am Anfang des 19. Jahrhunderts stehen nämlich bei den Teufelspaktgeschichten folgende Themen im Vordergrund: die Gefahren der übertriebenen Subjektivität, Perfektibilitätsgedanken (und die kritische Auseinandersetzung damit), die komplexe Psychologie des Menschen und seine ‚Nachtseiten‘, Gefahren der Modernisierung etc. Obwohl die ‚postfaustischen‘ Teufelspaktgeschichten keinesfalls eine homogene Gruppe bilden, ist die Möglichkeit der Rettung ein Merkmal, das sie alle verbindet und deutlich von Texten wie dem Petermännchen unterscheidet.

Die Analyse der Texte, die für dieses Buch ausgewählt wurden, soll veranschaulichen, wie die Romantiker den Teufelspakt und die Figur des Teufels gestalten und wie sie diese ‚umfunktionieren‘. Das Buch setzt sich mit mehreren Aspekten des jeweiligen Textes auseinander. Um die hohe Komplexität des vorliegenden Themas in seiner Breite zu begreifen, war es allerdings nötig, sich auch mit den vorherigen literarischen Epochen sowie deren Bezug auf die Sphären der Theologie, Soziologie, kulturellen Anthropologie, Psychologie u. a. zu beschäftigen. Die hierfür relevanten ‚Kapitel‘ aus der Geschichte der Teufelsfigur und des Paktes sollen dem Leser einen besseren Einblick in die später bei der Analyse einzelner Texte diskutierte Problematik erlauben.

Folglich setzt das vorliegende Buch mit einer ersten Definition des Teufelspaktes an, die um die Ursprünge dieses Motivs (die Bibel, Sagen, Legenden) ergänzt wird, um dann im Weiteren zu zeigen, auf welcher Grundlage sich das Motiv entwickelte und inwiefern es sich im Laufe der Jahrhunderte veränderte. Eingeschoben sind zudem zwei Exkurse, die mit dem Thema des Teufelspaktes zusammenhängen, nämlich erstens zur Problematik des Ablasshandels, der in der Forschung als eines der möglichen Vorbilder des Teufelspaktes betrachtet wird, zweitens zu den Hexenverfolgungen, die das (vor allem religiöse) Teufelsbild wesentlich prägten. Das Kapitel über die Entstehung des faustischen Mythos, das als eine ‚Brücke‘ zum Kapitel über die Romantik dient, beschäftigt sich mit den älteren literarischen Darstellungen der Faust-Figur, die mit der goetheschen Version kontrastiert werden. Mephisto stellt nämlich einen neuen Typus der Teufelsfigur dar, die sich nicht zuletzt dank ihrer Psychologisierung und der daraus resultierenden Ambivalenz auszeichnet. Völlig neu ist bei Goethe auch die Auffassung des Paktes oder besser gesagt der Wette, die sich unter dem Trio von Mensch, Teufel und Gott formt und damit neue Dimensionen erhält. Hierdurch kommen wir dem eigentlichen Kern dieser Veröffentlichung, nämlich der Romantik und ihrem Teufelsbild, nahe.

Da die historisch-literarischen Epochen nicht vereinzelt und voneinander unabhängig existieren5, sondern sie immer in einer starken Wechselwirkung stehen, beschreibt das Kapitel zu der Übergangsphase und Abschwächung des teuflischen Einflusses, welche Ansichten, vor allem von den Theologen und Gelehrten, die Aufklärung bringt, in der v. a. über die (Nicht)Existenz des Teufels diskutiert wurde, was zu dessen Relativierung führte. Der Zweifel an der Existenz des Teufels ermöglichte wiederum einen freieren, kreativen Umgang mit dieser Figur. Obwohl die Aufklärung den Teufel ‚beseitigte‘ bzw. zu einer satirischen Figur ‚degradierte‘, konnte er aus der Literatur nicht komplett vertrieben werden. Die Romantik, die im Fokus dieser Studie steht, bringt in Sachen Teufel und Teufelspakt einen Umbruch und auch eine Schar von facettenreichen Teufeln sowie Menschen mit teuflischen Zügen mit sich.

Details

Pages
254
Publication Year
2026
ISBN (PDF)
9783631947036
ISBN (ePUB)
9783631947043
ISBN (Hardcover)
9783631947029
DOI
10.3726/b23495
Language
German
Publication date
2026 (May)
Keywords
Teufel Teufelspakt Teufelsbund Romantik Schauerromantik deutsche Literatur Faust Mephisto Perfektibilität des Menschen Antikapitalismus Initiationsritual Seele
Published
Berlin · Bruxelles · Chennai · Lausanne · New York · Oxford, 2026. 254 S.
Product Safety
Peter Lang Group AG

Biographical notes

Markéta Buršová (Author)

Markéta Buršová studierte Germanistik sowie Japanistik an der Palacký-Universität Olomouc und absolvierte zwei Studienaufenthalte an der Universität Wien. Sie hat an der Palacký-Universität im Bereich der deutschen Literatur promoviert. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören die deutsche Romantik und Schauerromantik, die Teufelsfigur und das Teufelspaktmotiv. Derzeit arbeitet sie auch als Gymnasiallehrerin, Sprachlehrerin und Übersetzerin.

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Title: Die Rückkehr der literarischen Teufelsfigur und des Teufelspaktmotivs in der Romantik