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Energiediskurs

Perspektiven auf Sprache und Kommunikation im Kontext der Energiewende

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Edited By Nicole Rosenberger and Ulla Kleinberger

Der in der Schweiz und in Deutschland beschlossene Atomausstieg hat die Debatte um Energieversorgung und -verbrauch ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt. Die Diskussion um die Energieproblematik tangiert Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gleichermassen. Für die Umsetzung der Energiewende braucht es die Zusammenarbeit verschiedenster Akteure und deren Austausch über Energiethemen. Dabei stellt sich die Frage, wie Sprache in diesen Diskursen verwendet wird und welchen Einfluss Sprache und Kommunikation auf Meinungsbildung, Akzeptanz und Verhalten haben.

Die Beiträge dieses Bandes beleuchten den Energiediskurs in der öffentlichen Kommunikation und gehen neben methodischen Fragestellungen konkreten Problemstellungen aus der Kommunikationspraxis nach: Wie können Energieunternehmen verständlich mit ihren Kundinnen und Kunden kommunizieren? Inwieweit kann die Öffentlichkeit in die Behördenkommunikation eingebunden werden? Wie beeinflussen Sprache und sprachliche Mittel die Energiedebatte? Welcher sprachlichen Einheiten bedient sich die Debatte? Allen Beiträgen gemeinsam ist der Fokus auf das Zusammenspiel von Sprache, Kommunikation und Interaktion sowie das Aufzeigen der Bedeutung angewandter Linguistik für gesellschaftliche Veränderungsprozesse.

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Energiediskurs – Einführende Überlegungen zu einem aktuellen Thema aus linguistischer Sicht (Ulla Kleinberger / Nicole Rosenberger)

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ULLA KLEINBERGER / NICOLE ROSENBERGER

Energiediskurs – Einführende Überlegungen zu einem aktuellen Thema aus linguistischer Sicht

1. Energiediskurs: Linguistisch betrachtet

Fragen rund um das Thema „Energie“ sind in der Schweiz seit einigen Jahren im Fokus von Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Bildung. Seit „Fukushima“ treibt die Atomausstiegsdebatte diese Überlegungen zusätzlich an. Am 27. November 2016 wurde in der Schweiz über die „Atomausstiegsinitiative“ abgestimmt. Die Vorlage verlangte ein rascheres Abschalten der Kernkraftwerke, als es der beschlossene Ausstiegsfahrplan vorsieht. Sie wurde jedoch klar abgelehnt. Die stimmberechtigte Schweizer Bevölkerung war nur fünf Jahre nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima und dreissig Jahre nach derjenigen von Tschernobyl nicht bereit, ganz auf Atomkraft zu verzichten. Diese Haltung ist nicht neu: 1979 wurde die erste Initiative zur Atomenergie mit dem Ziel eingereicht, dass sich die Bevölkerung zu den Bauplänen von Atomkraftwerken äussern kann. Die Initiativen „Für eine Zukunft ohne weitere Atomkraftwerke“ und „Für eine sichere, sparsame und umweltgerechte Energieversorgung“ wurden 1984 von Volk und Ständen abgelehnt. Ebenfalls verworfen wurde 1990 die Initiative „Für den Ausstieg aus der Atomenergie“. Zeitgleich mit knappem Mehr angenommen wurde hingegen ein zehnjähriges Moratorium für den Bau neuer Kernkraftwerke. Diese Entscheidung ist unter dem damals noch gegenwärtigen Eindruck der erst vier Jahre zurückliegenden Nuklearkatastrophe von Tschernobyl zu sehen. Im Jahr 2003 hingegen wurde das Moratorium („Moratorium Plus“ mit einer Laufzeitbeschränkung bestehender Atomkraftwerke) nicht mehr verlängert. Gleichzeitig wurde auch die Initiative...

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