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Der ehrbare Kaufmann im deutschen Recht

Untersuchungen zu Herkunft und Bedeutung des Begriffs „ehrbarer Kaufmann“ sowie zum Einfluss der Ehre auf das Wirken des Kaufmanns bei besonderer Betrachtung der Entwicklung der Ehrenstrafe

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Marija-Jennifer Milinovic

Der Band sucht den ehrbaren Kaufmann im deutschen Recht und möchte damit die bisherigen Forschungen zu diesem Thema im Bereich Compliance und Corporate Social Responsibility (CSR) um eine rechtshistorische Betrachtung ergänzen. Beleuchtet werden nicht nur die einstigen Ehrengerichte der Industrie- und Handelskammern und der Börse, sondern auch die Entwicklung der Ehrenstrafe. Die Rechtsfolge dieser Strafe war die Ehrlosigkeit, die Einfluss auf das Wirken des Kaufmanns nehmen konnte. Die Untersuchung zeigt, dass über 2000 Jahre hinweg es hauptsächlich drei Tatbestände waren, die die Ehrenstrafe nach sich zogen, nämlich Meineid, Bankrott und Kuppelei. Die Autorin kommt unter anderem zu dem Ergebnis, dass ein Kaufmann, der log oder bankrott war, zumindest kein ehrbarer Kaufmann sein konnte.

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Kapitel 1: Einleitung

Kapitel 1: Einleitung

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Die vorliegende Arbeit widmet sich der Untersuchung des ehrbaren Kaufmanns1 im deutschen Recht. Sie geht der Frage nach, an welchen Stellen das deutsche Recht vom ehrbaren Kaufmann spricht und was unter einem ehrbaren Kaufmann aus juristischer Sicht zu verstehen ist. In das Blickfeld rücken dabei die Vorstellungen des Gesetzgebers und der Wirtschaft.

Anlass zu dieser Fragestellung gab ein im Jahr 2003 erfolgter Aufruf zur „Rückkehr zum Leitbild des ehrbaren Kaufmanns“2 und die seither geführte Diskussion um den ehrbaren Kaufmann.3 Diese Diskussion bewegt sich vornehmlich ←17 | 18→im wirtschaftlichen Bereich, dort überwiegend im Rahmen der Corporate Social Responsibility (CSR),4 und wird derzeit befördert durch die Wirtschafts- und Finanzkrise seit 2008.

Eine juristische Auseinandersetzung mit dem Thema fehlt bislang. Allerdings erfolgte bereits eine rechtswissenschaftliche Annährung an den ehrbaren Kaufmann an der Schnittstelle zur Compliance-Diskussion.5 Aus diesem Bereich stammt auch ein aktuelles Bild des ehrbaren Kaufmanns. Danach verhandelt er fair, ist anständig, ehrlich und verlässlich und trägt Verantwortung.6

Daneben näherte sich eine Projektgruppe der Industrie- und Handelskammer Berlin im Mai 2009 empirisch dem ehrbaren Kaufmann.7 Sie wandte sich mit zwei Fragen an die Wirtschaftsjunioren.8 Die eine Frage ermittelte die Bekanntheit des Begriffs eines ehrbaren Kaufmanns, mit dem Ergebnis, dass über 90 Prozent der Befragten den Begriff kannten. Die zweite Frage lautete nach den Eigenschaften eines ehrbaren Kaufmanns, wobei verschiedene Attribute den ←18 | 19→Befragten zur Auswahl gestellt wurden. Am häufigsten wurden Verlässlichkeit, Ehrlichkeit und...

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