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Poetische Vereinnahmung gelehrten Wissens bei Konrad von Würzburg, Frauenlob und Heinrich von Mügeln

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Florian Führen

Der Band widmet sich der dichterischen Weiterverarbeitung von Fachvokabular und wissenschaftlichen Modellen. Hierzu vergleicht der Autor drei Dichter des Spätmittelalters, die zunehmend ihre Texte mit Fachwissen anreichern und als Blümer oder Meister nicht hinreichend erfasst sind. Um die Ergebnisse der interdisziplinären Analysen nicht einem neuen Fachbegriff unterordnen zu müssen, wendet er Ansätze aus der Motiv- und Überlieferungsanalyse mit Wissenschaftsgeschichte und Rhetorik überschneidend an, ohne die Ergebnisse anschließend künstlich zu synthetisieren. Das Buch soll somit helfen, die Autoren vor dem Hintergrund ihrer fachwissenschaftlichen Vorbildung zu betrachten und auf Probleme der Gattungstheorie hinzuweisen, die diese Grauzone bislang nicht begrifflich fassen kann.

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5. Resümee

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5.  Resümee

Welche dichterischen Mittel verdanken wir nun der zunehmenden Reflexion über fachwissenschaftliche Modelle und deren Übertragung auf Inhalte poetischer Diskurse? Lassen sich überhaupt Phänomene ausmachen, die mit den Thesen zur meisterschaft und zum blüemen nicht bereits hinreichend erfasst sind? Inwiefern lassen sich übergreifende Klassifizierungen wie diejenigen Boeschs und Sowinskis konkretisieren, wenn Gattungen in den Blick rücken, die mit Begriffen wie „lehrhaft“ und „Merkvers“ nicht abschließend erklärbar sind?

Auch wenn die betrachteten Dichter in Abstufung zu beurteilen sind, so konnte die Analyse sicher zeigen, dass diese Fragen nicht pauschal zu beantworten sind. Vielmehr muss man eine Entwicklung in der reflektierenden Auseinandersetzung mit Wissenschaft und Rhetorik konstatieren.

Stellt es für Konrad noch die Ausnahme dar, dass er Vorwissen vom Rezipienten erwartet, um überhaupt Zugang zum Inhalt zu erhalten, so verlangt er doch seinem Publikum die Übertragungsleistung ab, die Kombination aus naturkundlichem und rhetorischem Wissen zu entschlüsseln. Auch eine grammatische Aufmerksamkeit wird gefordert, sodass Konrads Rezipienten zwar meist in einem semantischen Schwebezustand verbleiben können, in dem die Begriffe vorbeirauschen; jedoch wird dieser punktuell unterbrochen. Somit ist der Rezipient trotz des vergleichsweise geringen fachwissenschaftlichen Einschlags an der Sinngebung zumindest in Kompilationen aus Bekanntem beteiligt. Für Konrad lässt sich indes noch kein poetisches Verfahren ausmachen, das sich in seiner Methode einer ars verdankt. Die eigentlich wahrgenommene Materialfülle und die hierarchische Ausrichtung der als Fremdkörper wahrnehmbaren Inhalte auf moraldidaktische oder mariologische Aussagen...

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