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Poetische Vereinnahmung gelehrten Wissens bei Konrad von Würzburg, Frauenlob und Heinrich von Mügeln

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Florian Führen

Der Band widmet sich der dichterischen Weiterverarbeitung von Fachvokabular und wissenschaftlichen Modellen. Hierzu vergleicht der Autor drei Dichter des Spätmittelalters, die zunehmend ihre Texte mit Fachwissen anreichern und als Blümer oder Meister nicht hinreichend erfasst sind. Um die Ergebnisse der interdisziplinären Analysen nicht einem neuen Fachbegriff unterordnen zu müssen, wendet er Ansätze aus der Motiv- und Überlieferungsanalyse mit Wissenschaftsgeschichte und Rhetorik überschneidend an, ohne die Ergebnisse anschließend künstlich zu synthetisieren. Das Buch soll somit helfen, die Autoren vor dem Hintergrund ihrer fachwissenschaftlichen Vorbildung zu betrachten und auf Probleme der Gattungstheorie hinzuweisen, die diese Grauzone bislang nicht begrifflich fassen kann.

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1. Einleitende Überlegungen und Zielsetzungen

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1.  Einleitende Überlegungen und Zielsetzungen

Die Feststellung, dass Fachwissen und Literatur – ganz gleich, welcher Epoche – sich im ständigen Austausch befinden, wird niemanden überraschen. Schon in der klassischen Literatur findet man Beispiele für die Thematisierung fachwissenschaftlicher Inhalte, für Lehr- oder Kataloggedichte, Merkverse – häufig gekoppelt an einen didaktischen Gestus – sowie weitere Kategorien, die über die Jahre in der Forschung eröffnet worden sind. Selbst für die lateinischen Autoren, an welchen sich das Mittelalter maßgeblich orientiert, sind aber Fragen nach der Gattungszugehörigkeit oder der hinter dem Thema stehenden Intention selten abschließend zu klären. So zeichnet sich schon im Übergang von Lukrez’ De rerum natura zu Vergils Georgica ein Gefälle ab, das trotz der ersten Konstatierung lehrhafter Züge schwer qualifizierbar bleibt. Die Unterschiede in didaktischer Haltung und Fiktionalität scheinen mit der bloßen Bestimmung als Lehrgedicht nicht abschließend erfasst zu sein.1 Daraus geht hervor, dass die Interdependenz von Dichtung und Wissen abhängig vom Einzelfall zu reevaluieren ist. Eindrucksvoll hat die bisherige Forschung gezeigt, dass dieser Gestus sich meist nur in Komposita erfassen lässt. So soll auch hier der Begriff der ‚Wissenschaftsdichter‘ eine gattungstheoretische und rhetorische Grauzone bezeichnen, die in Konrads von Würzburg kupfernem Willen erstmals aufglimmt und anschließend in Frauenlobs kosmologischer mische sowie in Heinrichs von Mügeln literarischer Position zwischen Alchemist und Dichter vertieft wird. Dieser in der Forschungsgeschichte schon mehrfach gebrauchte Terminus soll also hier diejenigen Literaten bezeichnen, die...

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