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Deutschsprachige Zionismen

Verfechter, Kritiker und Gegner, Organisationen und Medien (1890–1938)

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Edited By Lisa Sophie Gebhard and David Hamann

Der moderne Zionismus bildete nie eine politische Einheit, sondern vielmehr eine heterogene Bewegung. Wie ihre ZeitgenossInnen waren auch die ZionistInnen in ihrer ideologisch-politischen Entwicklung von gängigen Wissens- und Ideenbeständen beeinflusst und verhandelten in dieser Zeitgebundenheit ihre Vision(en) von einer künftigen jüdischen Heimstätte. Die Beiträge dieses Bandes analysieren AkteurInnen, Agitationsmittel und Diskurse innerhalb der vielseitigen zionistischen Bewegung, die als ‚Zionismen‘ apostrophiert werden. Die AutorInnen hinterfragen herkömmliche Narrative im Hinblick auf individuelle und kollektive Strategien der Identitätsbildung. Sie beleuchten zudem das spannungsreiche Verhältnis der ZionistInnen untereinander sowie ihre ambivalenten Beziehungen zu nichtzionistischen Gruppen.

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Einleitung

Einleitung

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„Es gibt verschiedene Zionismen und verschiedene Wege zum Zionismus.“1

Martin Buber

Der moderne Zionismus, der sich nach dem ersten Zionistenkongress im Jahr 1897 politisch formierte, stellte zu keiner Zeit eine einheitliche Bewegung dar. Seine internationale Ausrichtung und die verschiedenen ideologischen Zielsetzungen, die seine AkteurInnen auf Palästina projizierten, verliehen ihm von Beginn an eine spannungsreiche Vielschichtigkeit. Der Sammelbegriff ‚Zionismus‘ umschreibt somit eine heterogene Bewegung, in der viele Gruppen strategische Aushandlungsprozesse um die Vision und Umsetzung einer ‚jüdischen Heimstätte‘ miteinander führten.

Die teilweise nur schwer voneinander abzugrenzenden Strömungen innerhalb des Zionismus sowie die unterschiedlichen Motivationen zionistischer AkteurInnen wurden bereits von den ZeitgenossInnen erkannt. So hob etwa der junge Martin Buber (1878–1965) anlässlich der Eröffnung des fünften Zionistenkongresses in Basel 1901 hervor, die Bewegung bestünde aus mehreren „Zionismen“. Die gängige Einteilung etwa in ‚politische‘ und ‚praktische‘ ZionistInnen entspringt somit einer zeitgenössischen Wahrnehmung, welche die Heterogenität des zionistischen Projekts frühzeitig registrierte und begrifflich fixierte. Von der älteren Forschung wurden diese Zuordnungen zumeist unhinterfragt übernommen.2

Vor dem Hintergrund interner Rivalitäten und Machtkämpfe sowie dem weithin angespannten Verhältnis zu anderen jüdischen AkteurInnen, die dem ←11 | 12→Zionismus skeptisch bis feindlich gegenüberstanden, unterstrichen die ZionistInnen aber auch ihre programmatischen Gemeinsamkeiten. Für eine einheitliche Bewegung unter Vermeidung „verschiedener Zionismen“ argumentierte unter anderem der in Weißrussland geborene Schemarjahu Levin (1867–1935) im Vorfeld des achten Zionistenkongresses 1907. Die Betonung...

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