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Deutschsprachige Zionismen

Verfechter, Kritiker und Gegner, Organisationen und Medien (1890–1938)

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Edited By Lisa Sophie Gebhard and David Hamann

Der moderne Zionismus bildete nie eine politische Einheit, sondern vielmehr eine heterogene Bewegung. Wie ihre ZeitgenossInnen waren auch die ZionistInnen in ihrer ideologisch-politischen Entwicklung von gängigen Wissens- und Ideenbeständen beeinflusst und verhandelten in dieser Zeitgebundenheit ihre Vision(en) von einer künftigen jüdischen Heimstätte. Die Beiträge dieses Bandes analysieren AkteurInnen, Agitationsmittel und Diskurse innerhalb der vielseitigen zionistischen Bewegung, die als ‚Zionismen‘ apostrophiert werden. Die AutorInnen hinterfragen herkömmliche Narrative im Hinblick auf individuelle und kollektive Strategien der Identitätsbildung. Sie beleuchten zudem das spannungsreiche Verhältnis der ZionistInnen untereinander sowie ihre ambivalenten Beziehungen zu nichtzionistischen Gruppen.

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Lisa Sophie Gebhard: ‚Judenstaatler‘ und ,Kleinkolonisatoren‘. Zionistische Selbstverortungen in der publizistischen Debatte von 1903 bis 1914

‚Judenstaatler‘ und ‚Kleinkolonisatoren‘.

Zionistische Selbstverortungen in der

publizistischen Debatte von 1903 bis 1914

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Lisa Sophie Gebhard

This paper analyzes debates on ‘political’ and ‘practical’ Zionism by interpreting them as a result of discursive negotiations. The German-language Zionist press offers highly promising source material as it can be demonstrated that the problematic traditional division into ‘political’ and ‘practical’ Zionists had been already criticized by contemporaries.

Der österreichische Zionist Berthold Feiwel (1875–1937) stellte seinem Aufsatz „Strömungen im Zionismus“, der 1902 in der jüdischen Monatsschrift Ost und West erschien, die Bemerkung voran: „So sehr viele glauben oder glauben möchten, dass der Zionismus ein einheitliches Gebilde sei, so wenig richtig ist es. Wer die Dinge nur etwas gründlicher betrachtet, der wird mit Staunen ein förmliches Mosaik von zionistischen Anschauungen und Bethätigungsformen erblicken.“1 Ausgehend von dieser zeitgenössischen Charakterisierung, die die Heterogenität der zionistischen Bewegung betonte, sollen im Folgenden zwei der wichtigsten Strömungen im frühen Zionismus in den Blick genommen werden: der sogenannte politische und der praktische Zionismus.2

Die sich um das Jahr 1898 im zionistischen Diskurs etablierenden Kollektivmodelle der ‚politischen‘ und ‚praktischen‘ Zionisten3, die insbesondere im Zuge interner Richtungskämpfe florierten, wurden von der Forschung zumeist unkritisch als solche übernommen. Der Kontext ihrer Verwendung innerhalb ←25 | 26→der öffentlichen Debatte und damit die Prozesse kommunikativer Vergemeinschaftung fanden in der Analyse keine Berücksichtigung.4

In Fortführung des Ansatzes der Historikerin Ivonne Meybohm, die diese Lücke erstmals thematisierte, möchte ich die Einteilung in ‚Politische‘ und ‚Praktische‘ als...

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