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Deutschsprachige Zionismen

Verfechter, Kritiker und Gegner, Organisationen und Medien (1890–1938)

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Edited By Lisa Sophie Gebhard and David Hamann

Der moderne Zionismus bildete nie eine politische Einheit, sondern vielmehr eine heterogene Bewegung. Wie ihre ZeitgenossInnen waren auch die ZionistInnen in ihrer ideologisch-politischen Entwicklung von gängigen Wissens- und Ideenbeständen beeinflusst und verhandelten in dieser Zeitgebundenheit ihre Vision(en) von einer künftigen jüdischen Heimstätte. Die Beiträge dieses Bandes analysieren AkteurInnen, Agitationsmittel und Diskurse innerhalb der vielseitigen zionistischen Bewegung, die als ‚Zionismen‘ apostrophiert werden. Die AutorInnen hinterfragen herkömmliche Narrative im Hinblick auf individuelle und kollektive Strategien der Identitätsbildung. Sie beleuchten zudem das spannungsreiche Verhältnis der ZionistInnen untereinander sowie ihre ambivalenten Beziehungen zu nichtzionistischen Gruppen.

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Fabian Weber: Zwischen Orient und Okzident. Deutsche Zionisten – Pioniere des Deutschtums?

Zwischen Orient und Okzident.

Deutsche Zionisten – Pioniere des Deutschtums?

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Fabian Weber

During the First World War German Zionists successfully established a public discourse in favor of their agenda. They claimed an aggregation of interests between a Jewish national home in Palestine, German economic goals and alleged profits for the confederated Ottoman Empire. The article discusses how Zionism found support by influential non-Jewish voices, who regarded it as a productive force for the enhancement of ‘desolate’ oriental areas. This support was often accompanied by antisemitic semantics and the defamation of Jewish ‘assimilation’.

Anlässlich des Bagdad-Bahn-Projekts postulierte der zionistische Autor Adolf Friedemann (1871–1932) in einem Artikel, der 1899 in der Welt erschien, eine Interessensgemeinschaft zwischen Zionismus, dem Deutschen Reich und der „Türkei“. Den Juden käme in den Hebungsprozessen des Orients, von denen alle drei Parteien zu gleichen Teilen profitierten, eine Rolle als „Vermittlerin zwischen Orient und Occident“1 zu. Die Bagdad-Bahn stellte eines der Vehikel zur vermeintlich „friedlichen Durchdringung“ des Osmanischen Reichs dar. Mit dieser Methode suchte sich der deutsche Kolonialismus von anderen europäischen Großmächten abzugrenzen und seinen Einfluss in Vorderasien auszuweiten, gerade indem die osmanische Souveränität bewahrt wurde.2 Die Zionistische Vereinigung für Deutschland (ZVfD) besaß bis in den Ersten Weltkrieg hinein maßgeblichen Einfluss auf die Zionistische Organisation (ZO), deren Führungskomitees weitgehend identisch ←129 | 130→waren.3 Diesen Einfluss versuchten die deutschen Zionisten dahingehend zu nutzen, als dass die Gesamtbewegung Anschluss an die deutsche Politik finden sollte. Sie wurden nicht müde, auf gemeinsame politische, ökonomische...

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