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Deutschsprachige Zionismen

Verfechter, Kritiker und Gegner, Organisationen und Medien (1890–1938)

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Edited By Lisa Sophie Gebhard and David Hamann

Der moderne Zionismus bildete nie eine politische Einheit, sondern vielmehr eine heterogene Bewegung. Wie ihre ZeitgenossInnen waren auch die ZionistInnen in ihrer ideologisch-politischen Entwicklung von gängigen Wissens- und Ideenbeständen beeinflusst und verhandelten in dieser Zeitgebundenheit ihre Vision(en) von einer künftigen jüdischen Heimstätte. Die Beiträge dieses Bandes analysieren AkteurInnen, Agitationsmittel und Diskurse innerhalb der vielseitigen zionistischen Bewegung, die als ‚Zionismen‘ apostrophiert werden. Die AutorInnen hinterfragen herkömmliche Narrative im Hinblick auf individuelle und kollektive Strategien der Identitätsbildung. Sie beleuchten zudem das spannungsreiche Verhältnis der ZionistInnen untereinander sowie ihre ambivalenten Beziehungen zu nichtzionistischen Gruppen.

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Olivier Baisez: Der Phönizier-Mythos im deutschsprachigen Zionismus

Der Phönizier-Mythos im deutschsprachigen

Zionismus

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Olivier Baisez

This paper foregrounds the way German Zionists used the enigmatic and mythicized Phoenicians of ancient times in their writings on Jewish colonization in Palestine. In the common imagination, the Phoenicians of the distant past and the Jews of modern times bore obvious resemblance. Yet, while Zionists who were enthusiastic about progress tended to see the Phoenicians as a model to emulate with up-to-date technology, those who focused on the struggle for land were loath to identify with a people of civilized merchants who apparently had dissolved away without a fight.

Der Historiker Yaakov Shavit schrieb 1984 in seinem Artikel “Hebrews and Phoenicians: An Ancient Historical Image and Its Usage” für die Zeitschrift Studies in Zionism: “It would seem that until the 1930s the Phoenicians and their history had no place in the image of the ancient past which was commonly employed in modern Jewish national consciousness.”1 Ziel des folgenden Beitrags ist es, Shavits Behauptung unter besonderer Berücksichtigung der Periodika des deutschen beziehungsweise deutschsprachigen Zionismus zu widerlegen oder zumindest einzuschränken. Der Rückgriff auf Phönizien als Ursprungsmythos (‚Phönizianismus‘) ist aus dem libanesischen Nationalismus bekannt.2 Weniger systematisch wurde auch weit über den östlichen Mittelmeerraum hinaus und lange vor dem Zeitalter der Nationalismen auf eine mögliche phönizische Abstammung verwiesen – zum Beispiel im England der Tudors.3 Den libanesischen Nationalisten war es daran gelegen, die Einzigartigkeit der phönizischen ←257 | 258→Kultur hervorzuheben, um sich von ihren Nachbarnationen abzugrenzen. Die Zionisten...

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