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‚Gotische‘ Architektur in der russischen Literatur

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Edited By Tatjana Kantsavenka

Die vorliegende Untersuchung basiert auf der Relation zwischen Architektur und Literatur. Im Mittelpunkt der Betrachtung befindet sich das Syntagma ‚gotische Architektur‘ und deren Rezeption in der russischen Literatur. Der begriffsgeschichtlichen Herangehensweise annähernd stütz sich der Diskurs auf einen Textkorpus, dessen Bestandteile zwischen 1700 und dem Anfang des 20. Jh. entstanden. Die literarischen Werke wurden nach dem semantischen Wandel und der Funktion der ‚gotischen‘ Bauten befragt. Mithilfe kunsthistorischer Aspekte und eines vielschichtigen Ideen- bzw. Metaphergehalts zeigte sich, dass Begriffe komplexe Inhalte und weitreichende Interpretation in sich tragen können.

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1 Einleitung

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Für viele geisteswissenschaftliche Disziplinen ist es gebräuchlich geworden, historische Kunstwerke im geschichtlichen Zusammenhang zu sehen und zu versuchen, diese anhand einzelner Zeitabschnitte und ihrer Charakteristiken zu kategorisieren. So ist es heute beinahe eine Selbstverständlichkeit über Stilepochen wie Romanik, Gotik, Renaissance, Barock usw. zu sprechen. Nicht nur die Einteilung der Stile, sondern auch deren Bezeichnung hat noch keine lange Tradition. Im Grunde ist sie im 19. Jahrhundert entstanden, obwohl die einzelnen Begriffe bereits eine lange Begriffsgeschichte vorweisen konnten. In deren Verlauf wurden die Termini nicht immer positiv konnotiert. So hatte beispielsweise der Begriff ‚Barock‘, der die Bezeichnung für die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts ist, eine recht abwertende Bedeutung.1 Eine ähnliche Problematik hatte auch der Terminus ‚gotisch‘, der den Forschungsgegenstand der vorliegenden Arbeit bildet. Im Folgenden basieren die Überlegungen auf der Relation zwischen ‚gotischer‘ Architektur und ‚russischer‘ Literatur.

Die Anregung zu dieser Untersuchung entwickelte sich während eines jahrelangen Studiums der Slavistik sowie der Kunstgeschichte. Es war keine Seltenheit, dass auf dem kunsthistorischen Gebiet eine mittel-/westeuropäische Darstellung zum Nachdenken bewegte, und sich die Frage stellte, ob sich außerhalb dieser Perspektive ähnliche Vorgänge bei den östlichen benachbarten Kulturkreisen vorfinden lassen. Deshalb verknüpften sich die beiden Fachbereiche, die Kunstgeschichte mit ‚gotischer‘ Baukunst und die Slavistik im Schwerpunkt der russischen Literatur, zu der Fragestellung, wie sich die ‚gotische‘ Architektur in der russischen Literatur wiederfindet und welcher Sinngehalt dem Begriff ‚gotisch‘ dabei zugewiesen wurde. Vor dem Hintergrund, dass es in Russland keine...

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