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‚Gotische‘ Architektur in der russischen Literatur

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Edited By Tatjana Kantsavenka

Die vorliegende Untersuchung basiert auf der Relation zwischen Architektur und Literatur. Im Mittelpunkt der Betrachtung befindet sich das Syntagma ‚gotische Architektur‘ und deren Rezeption in der russischen Literatur. Der begriffsgeschichtlichen Herangehensweise annähernd stütz sich der Diskurs auf einen Textkorpus, dessen Bestandteile zwischen 1700 und dem Anfang des 20. Jh. entstanden. Die literarischen Werke wurden nach dem semantischen Wandel und der Funktion der ‚gotischen‘ Bauten befragt. Mithilfe kunsthistorischer Aspekte und eines vielschichtigen Ideen- bzw. Metaphergehalts zeigte sich, dass Begriffe komplexe Inhalte und weitreichende Interpretation in sich tragen können.

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8 Fazit

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Den Beginn der vorliegenden Untersuchung markiert die Frage nach der historischen Entwicklung des Syntagmas ‚gotische Architektur‘ auf der Basis der russischen Literatur. Die hier aufgeführten Werke wurden bislang nicht unter diesem Aspekt zusammengeführt und nach der Wahrnehmung der ‚gotischen‘ Baukunst im russischen Kontext befragt. Der Inhalt der Arbeit beruht darauf, dass aus einer rückblickenden Perspektive, anhand literarischer Beispiele, die historische Entwicklung des Begriffes ‚gotisch‘ innerhalb von zwei Jahrhunderten der russischen Geistesgeschichte skizziert werden sollte. In Kürze werden wesentliche Aspekte zusammengefasst.

Die fehlende mittelalterliche Tradition der ‚gotischen‘ Baukunst in Russland verhinderte die dortige Reflektion der ‚gotischen‘ Formensprache und die Entwicklung des Terminus ‚gotisch‘ nicht. Bis zum Ende des Zarenreiches entstanden immer wieder Bauwerke mit ‚gotischen‘ Formen. Ein Paradebeispiel befindet sich bis heute im Petersburger Winterpalast. Die Bibliothek von Nikolaus II. (russ. Nikolaj II.) weist zahlreiche ‚gotische‘ Motive in ihrer Ausstattung auf (Abb. 7).



Abb. 7: Bibliothek von Nikolaj II. Winterpalast. St. Petersburg. 1894–1895. Aleksandr F. Krasovskij.836

Dennoch bot vor allem die Literatur ein geeignetes Instrument, um sich mit diesem architektonischen Aspekt auseinanderzusetzen. So waren es zunächst die Reiseaufzeichnungen des 18. Jahrhunderts, die die Eindrücke über die ‚gotischen‘ Bauwerke des Mittelalters festhalten konnten. Im heutigen kunsthistorischen Sinne geschah dies nicht immer korrekt, aber auf diesem Wege konnte der Begriff ‚gotisch‘ im Gebrauch der russischen Literaten übernommen werden und sich zunehmend im architektonischen Kontext festigen. Die neutrale Position gegenüber dem Terminus ‚gotisch‘ entfaltete sich in...

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