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Übersetzen und Interpretation

Die Herausbildung der Übersetzungswissenschaft als eigenständige wissenschaftliche Disziplin im deutschen Sprachraum von 1960 bis 2000

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Holger Siever

Diese Arbeit verfolgt drei miteinander eng verbundene Ziele: Zum einen soll die Entwicklung und Ausdifferenzierung der Übersetzungs wissenschaft als eigenständige Wissenschaftsdisziplin im Zeitraum von 1960 bis 2000 im deutschen Sprachraum nachgezeichnet werden. Zum anderen soll die Abfolge der verschiedenen Übersetzungstheorien in diesem Zeitraum mit der Theorieentwicklung in den übrigen Wissenschaften korreliert werden. Zu diesem Zweck werden die Übersetzungs theorien anhand ihrer grundsätzlichen Gemeinsamkeiten zu Paradigmen zusammengefasst. Diese beiden Teilziele dienen einem übergeordneten Zweck: Das Ergebnis der Untersuchung mündet in der Darlegung einer integrativen, semiotisch und interpretationstheoretisch fundierten Theorie des Übersetzens.

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3. Das linguistische Paradigma -46

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46 3. Das linguistische Paradigma 3.1 Einführung In der einschlägigen Literatur werden die hier zu behandelnden Ansätze zumeist als linguistische Übersetzungstheorie, Translationslinguistik, linguistisch orientierte oder äquivalenzorientierte Translationswissenschaft bezeichnet. Auch die auf die Kontrastive Linguistik aufbauende sprachenpaarbezogene Übersetzungswissen- schaft rechne ich zum linguistischen Paradigma. Die zentralen Begriffe dieser An- sätze sind Äquivalenz und Invarianz (vgl. Prunč 2001, 33). Für das linguistische Paradigma sind Liedtke (1994, 152f.) zufolge drei Problem- felder bezeichnend: Erstens das Inkommensurabilitätsproblem, also die Frage, ob „Sprachen in ihrer Verschiedenheit überhaupt miteinander vergleichbar sind“, und damit verbunden auch die Frage, ob Übersetzen überhaupt möglich ist (Liedtke 1994, 152); zweitens das Äquivalenzproblem, das „grundlegenden Status“ (Liedtke 1994, 152) für eine linguistische Theorie des Übersetzens hat und mit der Frage „nach dem tertium comparationis verschiedener Sprachen“ verknüpft ist (Liedtke 1994, 153); und drittens das Definitions- oder Abgrenzungsproblem, das die beiden Fragen behandelt: »Was ist Übersetzen?« und »Was ist eine Übersetzung?«. Für die Theorien des linguistischen Paradigmas ist bereits an dieser Stelle festzu- halten, dass sie „eine statische Auffassung von der »Welt«“ sowie infolgedessen der Sprache und ihrer Verwendung auszeichnet (Vermeer 2000, 39). Dieser Punkt wird im Verlauf meiner Darstellung eine Rolle spielen, da sich die »Statik« auch auf die von den Theorien verwendete Begrifflichkeit erstreckt. Statische Begriffe sind für die abendländische Wissenschaft und Philosophie seit jeher der Normalfall. Erst im Zeichen des nachmetaphysischen Denkens (Habermas) bzw. der Post- moderne (Lyotard) wurde die Dringlichkeit dynamischer Begriffe spürbar. Hans Vermeer...

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