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«Ein Ereignis von weltgeschichtlicher Bedeutung»

Die Balfour-Deklaration in der veröffentlichten Meinung

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Monika Brockhaus

Die Balfour-Deklaration ist unzweifelhaft ein Ereignis von weltgeschichtlicher Bedeutung. Sie prägte die zionistische Bewegung, das israelische Geschichtsnarrativ und die internationale Staatenwelt entscheidend. Aus Darstellungen des Nahostkonfliktes ist sie nicht wegzudenken. Die Studie untersucht mittels internationaler zeitgenössischer Zeitungen, wie sich die Bedeutsamkeit der Erklärung im Laufe des Ersten Weltkrieges und der Nachkriegszeit bis 1922 generierte und entwickelte. Erst durch die Presse konnte die Deklaration ihre nachhaltige politische Bedeutung erfahren. In der Kriegsperiode beeinflussten sich Erklärung und Kriegspropaganda wechselseitig. Nach Kriegsende lässt sich eine Debattenverschiebung konstatieren: Die arabische Bevölkerung Palästinas gerät nun stärker in den Blick.

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2 DIE DEBATTE WÄHREND DES KRIEGES 15

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2 Die Debatte während des Krieges Im Folgenden werden zunächst kurz die Hintergründe der Veröffentlichung der Balfour Deklaration beleuchtet (2.1), um die folgende Analyse der Berichterstattung zu kontextuieren. Danach werden die jeweils ersten über die britische Sympathieer- klärung berichtenden Artikel in den untersuchten Zeitungen analysiert, um so auf empirischer Basis begründet systematische Foki für die weitere Presseanalyse her- leiten zu können (2.2). Im weiteren Verlauf der Arbeit wird die weitere Pressebe- richterstattung mit Hilfe dieser Foki untersucht werden (2.3). 2.1 Hintergründe der Veröffentlichung Am 2. November 1917 richtete der britische Außenminister Arthur James Balfour die später als Balfour Deklaration bezeichnete Sympathieerklärung in Form eines Briefes an Lord Lionel Walter Rothschild, M.P., Befürworter des Zionismus, später auch Ehrenfunktionär der englischen zionistischen Organisation92. Nach Meyers Enzyklopädischem Lexikon ist eine Deklaration völkerrechtlich verstanden eine mit Publizitätswirkung versehene Rechtshandlung eines Völkerrechtssubjekts, die dazu dient, der Völkerrechtsgemeinschaft eine bestimmte Tatsache oder eine be- stimmte Haltung zur Kenntnis zu bringen. Die Publizitätswirkung äußert sich da- rin, dass späterhin ein drittes Völkerrechtssubjekt sich nicht mehr darauf berufen kann, von der bekanntgemachten Deklaration nichts gewusst zu haben (z.B. Kriegserklärungen, Neutralitätserklärungen). Verfassungsgeschichtlich stellen De- klarationen (in der Regel feierliche) Proklamationen allgemeiner politischer Forde- rungen oder von Grundrechten dar. Als prototypische Beispiele werden die Declaration of Rights oder Menschenrechtsdeklaration 1948 genannt.93 Die im Original nur neun Zeilen umfassende Sympathieerklärung der britischen...

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