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Bildung als Aufgabe

Zur Neuvermessung der Pädagogik

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Edited By Thomas Mikhail

Die Pädagogik als Wissenschaft steht heute vor neuen Herausforderungen. In der Zeit nach PISA wird die Vorstellung, es genüge, die Bildungslandschaft zu vermessen, zunehmend als Verfremdung ihrer eigentlichen Aufgabe erkannt. Die Frage nach dem Maß, von dem her bzw. auf das hin Messungen legitimiert und orientiert werden können, rückt wieder in das Blickfeld der Forschung. Die empirische Erziehungswissenschaft vermag dieses Maß nicht zu besorgen. Gefordert ist das, was man bildungsphilosophische Reflexion im weitesten Sinne nennen muss. Ihre Aufgabe wird es sein, über die Voraussetzungen und Grundlagen, Begriffe und Normen pädagogischen Handelns nachzudenken. Vor diesem Hintergrund will der Band zur Besinnung auf pädagogische (Grund-)Fragen beitragen.

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Konrad Fees - Der Anfang der Pädagogik – Zur Frage nach ihrem Begriff 41

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41 Konrad Fees Der Anfang der Pädagogik – Zur Frage nach ihrem Begriff Ein Prinzip ist bekanntlich ein Anfang, ein Ursprung, der innerhalb einer Ordnung ein von ihm Abhängiges ermöglicht, begründet oder bestimmt. Aristoteles be- zeichnet als allgemeines Merkmal eines Prinzips (gr. arché), „daß es ein Erstes ist, wovon her etwas ist, wird oder erkannt wird“ (Metaphysik 1013a). Logische Prinzi- pien sind z. B. der Satz der Widerspruchsfreiheit oder der Satz des zureichenden Grundes, ein physikalisches Prinzip ist dasjenige der Energie-Erhaltung, pädagogi- sche Prinzipien sind z. B. diejenigen der Anschaulichkeit oder der Aktivität. Prinzi- pien sind empirisch nicht zugänglich und bringen immer ein Allgemeines zum Ausdruck. In physikalischen Kontexten gelten sie analog den Naturgesetzen, in so- zialen Kontexten sind sie zwar logisch erweisbar, sie gelten faktisch aber nur per Konvention, etwa als Rechtsprinzipien. Überschaut man den aktuellen erziehungswissenschaftlichen Forschungsbetrieb, so fällt eine bis dato nicht dagewesene Heterogenität an Konzepten, Verfahrensweisen und Deutungsmustern auf. Pädagogik bzw. Erziehungswissenschaft wird gegen- wärtig betrieben zwischen abstrakter Grundlagenreflexion auf der einen und erfah- rungswissenschaftlicher Forschung auf der anderen Seite. Insbesondere die erfahrungswissenschaftliche Seite hat durch die rasche Vermehrung des Methoden- repertoires in jüngster Zeit noch einmal einen gewaltigen Aufschwung erlebt. Wenn die Erziehungswissenschaft aber so pluralistisch angelegt ist wie noch nie zuvor, muss es auch für sie einen Anfang geben, einen Ursprung bzw. eine Grundvorstel- lung von dem, was allem pädagogischen Handeln wie jeglicher pädagogischer Re- flexion zugrunde liegt. Wie auch...

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