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Bildung als Aufgabe

Zur Neuvermessung der Pädagogik

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Edited By Thomas Mikhail

Die Pädagogik als Wissenschaft steht heute vor neuen Herausforderungen. In der Zeit nach PISA wird die Vorstellung, es genüge, die Bildungslandschaft zu vermessen, zunehmend als Verfremdung ihrer eigentlichen Aufgabe erkannt. Die Frage nach dem Maß, von dem her bzw. auf das hin Messungen legitimiert und orientiert werden können, rückt wieder in das Blickfeld der Forschung. Die empirische Erziehungswissenschaft vermag dieses Maß nicht zu besorgen. Gefordert ist das, was man bildungsphilosophische Reflexion im weitesten Sinne nennen muss. Ihre Aufgabe wird es sein, über die Voraussetzungen und Grundlagen, Begriffe und Normen pädagogischen Handelns nachzudenken. Vor diesem Hintergrund will der Band zur Besinnung auf pädagogische (Grund-)Fragen beitragen.

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Thomas Mikhail - Beziehung oder Erziehung? Überlegungen zu einem pädagogischen Begriffsproblem 171

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171 Thomas Mikhail Beziehung oder Erziehung? Überlegungen zu einem pädagogischen Begriffsproblem Wer derzeit nach dem Lehramtsstudium eines der staatlichen Studienseminare be- sucht, um endlich seine pädagogische Berufung auch zu einem gesellschaftlich an- erkannten und pekuniär lohnenswerten Beruf zu machen, trifft dort rasch auf ein neues „Zauberwort“: den Konstruktivismus. Dass innerhalb der scientific community bereits sehr ausführlich die „Untiefen im Mainstream“ (Pongratz 2009) der konstruktivistischen Pädagogik behandelt und so- gar als „Erfindung/en“ (Nüse et al. 1991) entlarvt wurden, scheint zu den sog. Be- rufspraktikern noch nicht durchgedrungen zu sein. So lernen die Referendare neben terminologischen Neuheiten auch viel über ihr zukünftiges Berufsbild und Handlungsfeld, das sich aus Sicht des Konstruktivismus in den vergangenen Jahren grundsätzlich geändert haben soll: Sie sollten sich weniger als Lehrer begreifen, die ihre Schüler belehren könnten; vielmehr sollten sie sich als Lernbegleiter verstehen oder, wenn man sich die Zeit nehmen will, als „lernerorientierte Moderatoren der Wissens- und Handlungskonstruktion“ (Reich 2006, 26). Statt der einseitigen Ver- mittlung von Lehrinhalten werde die Begegnung mit den Lernern im Sinne eines kommunikativen Ereignisses zunehmend wichtiger, da durch die gemeinsame In- teraktion und Kommunikation eine „kulturelle, zwischenmenschliche Atmosphäre“ gebildet werde, „die für jedes Lernen einen Rahmen der Forderung und Förde- rung“ herstelle (ebd. 2006, 17). Kernstück dieser pädagogischen Sichtweise ist eine von Kersten Reich geforderte „Beziehungsdidaktik“ (vgl. 2006). Neben der traditionellen Dominanz der Unter- richtsinhalte müsse die Beziehung zwischen den pädagogisch Interagierenden stär-...

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