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Unbegrenzt

Literatur und interkulturelle Erfahrung

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Edited By Michael Hofmann

Interkulturalität ist ein Paradigma, das in den letzten Jahren immer mehr an Aktualität gewonnen hat. Rüdiger Sareika hat während seiner Arbeit an der Evangelischen Akademie Schwerte-Villigst dieses Thema in innovativer und engagierter Weise in die Diskussion gebracht und unzählige Anregungen vermittelt – und dies vor vielen anderen. Dieser Band verdeutlicht mit vielen Beiträgen namhafter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die Partnerinnen und Partner der Arbeit Rüdiger Sareikas waren, den Stellenwert interkultureller Erfahrung für die deutsche Literatur und für die aktuelle literatur- und kulturwissenschaftliche und auch kulturpolitische Diskussion.

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Selbstkritik des Humanismus: Jörn Rüsen

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Selbstkritik des Humanismus Jörn Rüsen Ein zeitgenössischer Humanismus ist ohne Selbstkritik nicht plausibel. Zwar kann er auf eine stolze Tradition zurückblicken, aber diese Tradition hat schon lange ihre Selbstverständlichkeit verloren (wenn sie sie denn je gehabt hätte). In den großen intellektuellen Strömungen des 20. Jahrhunderts wurde sie – von wenigen Ausnahmen abgesehen – bewusst preisgegeben. Dafür stehen beispiel- haft die Namen Martin Heidegger und Michel Foucault. In der Tat gibt es Her- ausforderungen an die kulturelle Orientierung der Gegenwart, denen gegenüber der klassische moderne Humanismus, wie er etwa von Herder und Humboldt vertreten wurde, als unzulänglich erscheint. Zwei solcher Herausforderungen sind besonders gravierend: Einmal handelt es sich um die zeitgeschichtliche Er- fahrung einer ungeheuren Unmenschlichkeit, wie sie im Holocaust gipfelt, aber auch in anderen Kontexten bis in die Gegenwart immer wieder unser Deutungs- vermögen radikal herausfordert. Hinzu kommt eine interkulturelle Konstellation in der Erörterung tragfähiger kultureller Standards der menschlichen Lebenspra- xis im Prozess der Globalisierung. Hier stößt der westliche Humanismus auf ei- ne tiefgehende Skepsis, wenn nicht auf eine entschiedene Zurückweisung in den Ländern, die der Westen imperialistisch mit seinen kulturellen Dominanzan- sprüchen überzogen hat. Beide Herausforderungen sind aber nicht dazu angetan, die Wirkungskraft des Humanismus zu schwächen oder zu bestreiten; im Gegenteil, sie sind ohne ihn gar nicht präsentierbar. Die hohe Sensibilität, die die Unmenschlichkeitser- fahrungen der Zeitgeschichte trägt, hat selber humanistische Voraussetzungen. ‚Verbrechen gegen die Menschlichkeit‘ kann man...

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