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Unbegrenzt

Literatur und interkulturelle Erfahrung

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Edited By Michael Hofmann

Interkulturalität ist ein Paradigma, das in den letzten Jahren immer mehr an Aktualität gewonnen hat. Rüdiger Sareika hat während seiner Arbeit an der Evangelischen Akademie Schwerte-Villigst dieses Thema in innovativer und engagierter Weise in die Diskussion gebracht und unzählige Anregungen vermittelt – und dies vor vielen anderen. Dieser Band verdeutlicht mit vielen Beiträgen namhafter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die Partnerinnen und Partner der Arbeit Rüdiger Sareikas waren, den Stellenwert interkultureller Erfahrung für die deutsche Literatur und für die aktuelle literatur- und kulturwissenschaftliche und auch kulturpolitische Diskussion.

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Interkulturelle Grenzüberschreitungen im Werk Alfred Döblins: Gabriele Sander

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Interkulturelle Grenzüberschreitungen im Werk Alfred Döblins Gabriele Sander Bevor Döblin am 28. Februar 1933 seine „Schicksalsreise“1 ins Exil antrat, hatte er relativ wenige und meist nur kurze Auslandsreisen unternommen und war nur selten mit Vertretern fremder Kulturen in Berührung gekommen. Sein Lebens- und Erfahrungsraum war die Metropole Berlin, die er als „Mutterboden [...] aller meiner Gedanken“ bezeichnete: „Diese Mietskasernen und Fabriken sind durch Jahrzehnte mein Anschauungs- und Denkmaterial gewesen, und ob ich von Chi- na, Indien und Grönland sprach, ich habe immer von Berlin gesprochen, von diesem großen starken und nüchternen Berlin.“2 Die Stadt war bekanntlich in den zwanziger Jahren zu einem Schmelztiegel unterschiedlicher Kulturen und ethnischer Minderheiten geworden und da Döb- lin in unterschiedlichsten Wissenschafts-, Kunst- und Intellektuellenkreisen ver- kehrte, pflegte er sowohl zahlreiche interdisziplinäre als auch internationale Kontakte, etwa zu Osteuropäern.3 Fremde Kulturen aus eigener Anschauung und vor Ort kennenzulernen, war Döblin nur begrenzt möglich und auch gar nicht gewollt, da er Berlin eher ungern verließ und selbst Urlaubsreisen fast widerwil- lig unternahm. Hinzu kam seine Fremdsprachen-‚Blindheit‘4, die den Austausch erschwerte. Nur selten überschritt er vor dem Exil die Grenzen benachbarter Länder und kokettierte mit seiner tourismuskritischen „Skepsis gegen das Rei- sen“: „Mir leuchtet [...] nicht ein, was es einem helfen soll, neue Städte, Länder, Bauten, Naturen zu sehen. Meine nächste Nachbarschaft beschäftigt mich dau- ernd intensiv.“5 Seine Eindrücke einer Ferienreise nach Frankreich im Sommer 1 Mit...

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