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Kriegstaumel und Pazifismus

Jüdische Intellektuelle im Ersten Weltkrieg

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Edited By Hans Richard Brittnacher and Irmela von der Lühe

Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde von der überwiegenden Zahl der deutschen Intellektuellen und Schriftsteller emphatisch begrüßt – auch von den deutschen Juden, die im Kampf fürs Vaterland eine Möglichkeit sahen, ihren Patriotismus und ihre gelungene Assimilation unter Beweis zu stellen. Diese Ansicht hat lange die Forschung dominiert. Die im vorliegenden Band versammelten Beiträge überprüfen aus interdisziplinärer Sicht diese These und gelangen bei der Lektüre und Analyse von Schriften, Briefen, Dichtungen und Dokumenten tonangebender jüdischer Intellektueller zu einem komplexeren Befund, der zwischen Kriegsbegeisterung und -skepsis, Duldung und Protest oszilliert.
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Bastian Schlüter (Berlin) - „Besserung des Loses der Menschheit“. Zu Magnus Hirschfelds und Kurt Hillers Schriften während des Ersten Weltkrieges

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Bastian Schlüter (Berlin)

„Besserung des Loses der Menschheit“. Zu Magnus Hirschfelds und Kurt Hillers Schriften während des Ersten Weltkrieges

Zu denjenigen, die nach kurzer oder kürzester Phase auch publizistisch ausagierter Kriegsbegeisterung sehr schnell zu Kritikern des sich fortsetzenden Kriegsgeschehens und seiner Folgen wurden, zählen auch Magnus Hirschfeld und Kurt Hiller. Der Arzt Magnus Hirschfeld (1868–1935) und der Jurist und Schriftsteller Kurt Hiller (1885–1972) gehörten zu den wichtigen Protagonisten der Sexualreform- und Homosexuellenbewegung des deutschen Kaiserreichs und der Weimarer Jahre. Hirschfeld darf gar als ihr Begründer gelten, im Mai 1897 hatte er mit Mitstreitern in seiner Charlottenburger Wohnung das Wissenschaftlich-humanitäre Komitee ins Leben gerufen, das sich bis zu seiner zwangsweisen Auflösung 1933 dem Kampf gegen die Abschaffung des Paragrafen 175 des Reichsstrafgesetzbuches und der Aufklärung über die Homosexualität verschrieben hatte.1 Kurt Hiller war 1908 zum Wissenschaftlich-humanitären Komitee gestoßen; es war das Jahr, in dem er seine juristische Dissertation veröffentlicht hatte, eine strafrechtsphilosophische Abhandlung unter dem Titel Das Recht über sich selbst, die als nachdrückliches Plädoyer für das individuelle Recht über das eigene Leben und den eigenen Körper zu lesen war. Hiller sprach sich in seiner Schrift gegen die Paragrafen 175 und 218 aus und forderte überdies das Recht auf Selbsttötung ein.2 Nur kurze Zeit später gehörte er außerdem zu den Initiatoren des literarischen Expressionismus, er war 1909 an der Gründung...

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