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Kriegstaumel und Pazifismus

Jüdische Intellektuelle im Ersten Weltkrieg

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Hans Richard Brittnacher and Irmela von der Lühe

Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde von der überwiegenden Zahl der deutschen Intellektuellen und Schriftsteller emphatisch begrüßt – auch von den deutschen Juden, die im Kampf fürs Vaterland eine Möglichkeit sahen, ihren Patriotismus und ihre gelungene Assimilation unter Beweis zu stellen. Diese Ansicht hat lange die Forschung dominiert. Die im vorliegenden Band versammelten Beiträge überprüfen aus interdisziplinärer Sicht diese These und gelangen bei der Lektüre und Analyse von Schriften, Briefen, Dichtungen und Dokumenten tonangebender jüdischer Intellektueller zu einem komplexeren Befund, der zwischen Kriegsbegeisterung und -skepsis, Duldung und Protest oszilliert.
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Alexander Honold (Basel) - Propaganda, Aberglaube, Schlangentanz – magische Kriegspraktiken bei Aby Warburg

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Alexander Honold (Basel)

Propaganda, Aberglaube, Schlangentanz – magische Kriegspraktiken bei Aby Warburg

Nach dem Zusammenbruch

Der Zusammenbruch kam unerwartet. Die während der Kriegsjahre bewahrte Haltung fiel Ende 1918, angesichts der restlosen Vernichtung der mit den ‚Ideen von 1914‘ mobilisierten Energien und Ziele, ganz ohne innere Gegenwehr in sich zusammen. Diejenigen, welche die jahrelangen Abnutzungsschlachten des Stellungskrieges mitgemacht hatten, waren an Leib und Seele zerstört, auch wenn sie die Salven des Trommelfeuers, die Einschläge von schwerer Artillerie, die ätzenden Wolken der Gasangriffe überlebt hatten. Traumatisiert durch heftige Detonationen oder durch das Lebendig-Begrabensein in den Schützengräben, trugen sie den Krieg in sich, als unaufhörliche und tief in sie eingekapselte Gewalterfahrung. Die Menschen in der Heimat hatte man bis zuletzt im Glauben an einen deutschen Sieg gelassen. In den Städten und auf dem Lande war der Krieg nur indirekt zu spüren gewesen – an den alltäglichen wirtschaftlichen Entbehrungen und auch an der Militarisierung des politischen und kulturellen Lebens; doch blieb die Aufrechterhaltung des gesellschaftlichen Betriebes von den Kampfhandlungen weitgehend unbeeinträchtigt. Im Unterschied zum Zweiten Weltkrieg, der mit den Luftbombardierungen deutscher Städte der Zivilbevölkerung unmissverständlich zeigte, dass die verbrecherische NS-Diktatur und die Kriegsführung des Aggressors Deutschland nicht ohne existenzgefährdende Folgen für die gesamte Nation und für jeden Einzelnen bleiben würden, konnte während der Kriegsjahre 1914 bis 1918 die deutschnational eingestellte Bevölkerung hartnäckig und bis zum Ende...

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