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Kriegstaumel und Pazifismus

Jüdische Intellektuelle im Ersten Weltkrieg

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Hans Richard Brittnacher and Irmela von der Lühe

Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde von der überwiegenden Zahl der deutschen Intellektuellen und Schriftsteller emphatisch begrüßt – auch von den deutschen Juden, die im Kampf fürs Vaterland eine Möglichkeit sahen, ihren Patriotismus und ihre gelungene Assimilation unter Beweis zu stellen. Diese Ansicht hat lange die Forschung dominiert. Die im vorliegenden Band versammelten Beiträge überprüfen aus interdisziplinärer Sicht diese These und gelangen bei der Lektüre und Analyse von Schriften, Briefen, Dichtungen und Dokumenten tonangebender jüdischer Intellektueller zu einem komplexeren Befund, der zwischen Kriegsbegeisterung und -skepsis, Duldung und Protest oszilliert.
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Chana Schütz (Berlin) - Manifest einer Schicksalsgemeinschaft. Das Ehrenfeld für die Gefallenen des Weltkrieges auf dem Friedhof der Berliner Jüdischen Gemeinde in Berlin-Weißensee

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Chana Schütz (Berlin)

Manifest einer Schicksalsgemeinschaft.Das Ehrenfeld für die Gefallenen des Weltkrieges auf dem Friedhof der Berliner Jüdischen Gemeinde in Berlin-Weißensee

Kriegstaumel und Pazifismus, das sind die beiden Extreme, zwischen denen auch die Berliner Juden standen. Allerdings nicht im August 1914, als der Kaiser den sogenannten Burgfrieden verkündete, keine Parteien mehr kannte, sondern nur noch Deutsche. Auch innerhalb der Berliner Jüdischen Gemeinde sollten Flügelkämpfe und Streitigkeiten ruhen, alle hielten sich daran, auch die Zionisten. Am 3. Februar 1915 schrieb die Jüdische Rundschau, Organ der zionistischen Vereinigung für Deutschland: „Wir zogen in den Krieg nicht obgleich wir Juden, sondern weil wir Zionisten waren“. Junge Juden, Nationaldeutsche und Zionisten, in Friedenszeiten, eilten nun gemeinsam zu den Waffen. Nur einige wenige Berliner Juden standen in bewusster Opposition dazu, darunter die Scholem-Brüder Werner und Gerhard1 und auch Walter Benjamin, sie waren die Ausnahme, die große Ausnahme.

Die Euphorie von 1914 war jedoch schnell verflogen, insbesondere nachdem die Zahl der Opfer ein nie vorgestelltes Ausmaß annahm. Nun tauchten in Deutschland wieder die alten Vorurteile auf und nach Schuldigen und Sündenböcken wurde gesucht. Scheinheilig wurde die Frage gestellt, ob und wie die Juden eigentlich dem Vaterlande dienten. Unnötig zu sagen, dass schon die Befragung an sich – durchgeführt von staatlicher Seite am 1. November 1916 – und nur ausgerichtet auf die Juden, ein antisemitischer Akt war. Bei den deutschen Juden hinterließ die „Judenz...

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