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Kriegstaumel und Pazifismus

Jüdische Intellektuelle im Ersten Weltkrieg

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Edited By Hans Richard Brittnacher and Irmela von der Lühe

Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde von der überwiegenden Zahl der deutschen Intellektuellen und Schriftsteller emphatisch begrüßt – auch von den deutschen Juden, die im Kampf fürs Vaterland eine Möglichkeit sahen, ihren Patriotismus und ihre gelungene Assimilation unter Beweis zu stellen. Diese Ansicht hat lange die Forschung dominiert. Die im vorliegenden Band versammelten Beiträge überprüfen aus interdisziplinärer Sicht diese These und gelangen bei der Lektüre und Analyse von Schriften, Briefen, Dichtungen und Dokumenten tonangebender jüdischer Intellektueller zu einem komplexeren Befund, der zwischen Kriegsbegeisterung und -skepsis, Duldung und Protest oszilliert.
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Vorwort

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Der vorliegende Band versammelt die Beiträge einer internationalen Tagung, die im Dezember 2014 an der FU Berlin stattgefunden hat und die aus literatur-, kultur- und geschichtswissenschaftlicher Sicht Fragen nach dem Verhältnis von Kriegseuphorie und pazifistischer Ernüchterung stellte. Es mögen dies alte Fragen gewesen sein, freilich wurden sie an entweder anhand wenig beachteter Texte oder aus wenig genutzter Perspektive behandelt.

Kaum überraschend und forschungsgeschichtlich auch nicht völlig neu ist der Umstand, dass Intellektuelle, Dichter und Denker im Mittelpunkt stehen; freilich geht es vordringlich um jüdische Intellektuelle und damit um Semantik und Funktion eines Kriegstaumels, der sich aus besonderen Hoffnungen speiste und zu nicht minder heftigen Enttäuschungen führte. Hatte doch nicht nur der „Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ (CV) den Ausbruch des Krieges als Chance für die deutschen Juden begrüßt, ihren Patriotismus, ihr vorbehaltloses Deutschtum emphatisch unter Beweis stellen. Gegen das fortbestehende antisemitische Ressentiment – so die offen artikulierte Erwartung – würden sich die deutschen Juden der seit 1871 bestehenden verfassungsrechtlichen Gleichstellung damit endgültig als würdig erweisen können. Parallel zu solch patriotisch-assimilatorischen Kalkulationen aktivierte der Kriegsausbruch unter den Repräsentanten der „Jüdischen Renaissance“ die zeittypische Sehnsucht nach „Tat“ und „Erlebnis“, während im Kreise der Zionisten die kriegerische Tradition der Makkabäer aufgerufen wurde. Martin Buber hat in einem Brief vom 10. September 1914 ausgerufen: „Die Zeit ist freilich wunderschön, mit der Gewalt ihrer Wirklichkeit und mit dieser ihrer Forderung an jeden...

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