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Das Gymnasium der Migrationsgesellschaft

Deutschförderung für mehrsprachige Schüler zwischen Zweit- und Bildungssprache

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Gerald Fischer

Spätestens seit der Jahrtausendwende befindet sich das Gymnasium in einer krisenhaften Umbruchphase. Gerald Fischer beleuchtet eine bislang vernachlässigte Facette jenes Wandlungsprozesses, nämlich den wachsenden Anteil an Schülern mit Migrationshintergrund. Welche Auswirkungen hat diese Entwicklung auf den Schulalltag des Gymnasiums? Welche Besonderheiten gymnasialen Unterrichts erklären den geringeren Bildungserfolg mehrsprachiger Schüler mit nichtdeutscher Erstsprache? Wie muss ein Förderkonzept aussehen, das die Erwerbsbedingungen von Deutsch als Zweitsprache berücksichtigt? Auf diese Fragen gibt das Buch u. a. anhand von Sonderauswertungen amtlicher Statistiken und Jahrgangsstufenarbeiten, sowie eigener Sprachstandserhebungen und Expertenbefragungen Antworten.
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2. Migration und Gymnasium in Deutschland

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„meines vaters fremde ist meine heimat geworden / meine heimatist die fremde meines vaters geblieben / wo wir uns begegnen istniemandsland“ (Nevfel Cumart)

Der Begriff „Migrationshintergrund“ hat mittlerweile – ebenso wie andere Modewörter – aufgrund seiner ständigen Verwendung in unterschiedlichen Kontexten sehr viele Facetten. Er wird gemeinhin Personen zugewiesen, die durch eigene Migration bzw. die Migration ihrer Eltern geprägt sind und sich deshalb in einer ähnlichen transkulturellen Situation befinden, wie sie der türkischstämmige Lyriker Nevfel Cumart für sich selber beschrieben hat.9 Eine Definition des Begriffes „Migration“ sollte folgende drei Merkmale enthalten: a) geografischer Ortswechsel, b) Veränderung des sozialen Beziehungsgeflechts und c) nationalstaatliche oder soziokulturelle Grenzerfahrungen.10 Je nach Forschungsinteresse werden in den verschiedenen Fachdisziplinen darüber hinaus weitere Dimensionen des Migrationsprozesses beleuchtet, um den Wanderungsverlauf konkreter zu erfassen. Petrus Han unterscheidet z.B. eine motivationale (Gründe, Aspirationen), räumliche (Distanz, Fremdheit), zeitliche (dauerhaft, vorübergehend) und soziokulturelle Dimension (neues Lebensumfeld).11 Annette Treibel betont außerdem, dass es bedeutend ist, ob die Migration freiwillig (z.B. Arbeitsmigration) oder erzwungen (Flucht, Vertreibung) erfolgte.12

Die Übergänge zwischen verschiedenen Migrationsformen sind aber oftmals fließend. Aus diesem Grund scheint es angebracht, im weiteren Verlauf ein relativ allgemein gehaltenes Verständnis von Migration zugrunde zu legen, das sich eng an Ingrid Oswalds folgende Definition anlehnt:

← 19 | 20 → Migration wird […] verstanden als ein Prozess der räumlichen Versetzung des Lebensmittelpunkts, also einiger bis aller relevanten Lebensbereiche, an einen anderen Ort, der mit der Erfahrung sozialer,...

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