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Das Gymnasium der Migrationsgesellschaft

Deutschförderung für mehrsprachige Schüler zwischen Zweit- und Bildungssprache

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Gerald Fischer

Spätestens seit der Jahrtausendwende befindet sich das Gymnasium in einer krisenhaften Umbruchphase. Gerald Fischer beleuchtet eine bislang vernachlässigte Facette jenes Wandlungsprozesses, nämlich den wachsenden Anteil an Schülern mit Migrationshintergrund. Welche Auswirkungen hat diese Entwicklung auf den Schulalltag des Gymnasiums? Welche Besonderheiten gymnasialen Unterrichts erklären den geringeren Bildungserfolg mehrsprachiger Schüler mit nichtdeutscher Erstsprache? Wie muss ein Förderkonzept aussehen, das die Erwerbsbedingungen von Deutsch als Zweitsprache berücksichtigt? Auf diese Fragen gibt das Buch u. a. anhand von Sonderauswertungen amtlicher Statistiken und Jahrgangsstufenarbeiten, sowie eigener Sprachstandserhebungen und Expertenbefragungen Antworten.
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5. Gymnasien „mit Migrationshintergrund“: Paria- oder Pionierschulen?

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Spätestens seit Beginn dieses Jahrtausends befindet sich das Gymnasium in einem tiefgreifenden Umbruch, der durch sich verändernde demographische Rahmenbedingungen sowie aktuelle gesellschafts- und bildungspolitische Diskussionen verursacht worden ist. Die vorliegende Arbeit hat sich mit einer bislang kaum wahrgenommenen Facette dieses krisenhaften Wandlungsprozesses beschäftigt, nämlich der wachsenden Bedeutung mehrsprachiger Schüler im gymnasialen Schul- und Unterrichtsalltag. In Anbetracht der allenthalben feststellbaren Bildungsbenachteiligung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund stellt sich dabei notwendigerweise auch die Frage, wie ihre Erfolgsaussichten im gymnasialen Bildungsgang erhöht werden können. Inwiefern kann das Gymnasium also stärker als bisher einen Beitrag zu ihrer Integration in die deutsche Migrationsgesellschaft leisten?

Obwohl mehrsprachige Schüler mit Migrationshintergrund an deutschen Gymnasien nach wie vor deutlich unterrepräsentiert sind, lässt sich gleichwohl anhand einer exemplarischen Analyse amtlicher Statistiken in Bayern belegen, dass sie an einigen großstädtischen Schulen bereits einen beachtlichen Anteil erreicht haben. An den fünf Münchener Gymnasien, an denen eigene Erhebungen durchgeführt wurden, sprechen im Durchschnitt sogar bereits etwa 40% ausschließlich oder zusätzlich eine nichtdeutsche Familiensprache.

Es wäre meines Erachtens Schönfärberei, davon auszugehen, diese Schüler seien durchweg ohne weitere Unterstützung dem gymnasialen Niveau gewachsen. Ihnen wird durch die Übertrittsempfehlung kein „bildungspolitischer Zaubertrank“ verabreicht, mit dessen Hilfe sie sich bis zum Abitur durchschlagen können. Für eine nennenswerte Teilgruppe unter ihnen besteht vielmehr – zumindest vorübergehend – ein Förderbedarf in Deutsch als Zweitsprache (DaZ). Gerade für...

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