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Alltagsrassismus erfahren

Prozesse der Subjektbildung – Potenziale der Transformation

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Astride Velho

Die subjektorientierte Studie befasst sich mit der psychischen Form rassistischer Macht und mit Potenzialen der Transformation. Die Autorin befragte Personen mit Rassismuserfahrungen mittels problemzentrierter biographischer Interviews. Die Analyse verdeutlicht, wie tief alltägliche Rassismuserfahrungen in Selbst- und Weltverhältnisse eingreifen und in welch komplexer Weise Prozesse der Subjektbildung wirksam werden. Sie beleuchtet die Verantwortung des sozialen Umfelds bei Bildungsprozessen, das entweder Dominanzverhältnisse aufrecht erhalten und Diskriminierung fortsetzen oder aber kritische Handlungsfähigkeit und Widerständigkeit stärken kann. Daraus ergeben sich wichtige Impulse für Soziale Arbeit, Pädagogik und Psychologie.
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7. Ausblick - psychosoziale und pädagogische Arbeit, Bildungspraxen, der Zugang zu Ressourcen und Potenziale der Transformation

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Abschließend möchte ich knapp auf einige Aspekte eingehen, die mir im Bezug auf Bildungspraxen wichtig erscheinen, die die „Minimierung der Beschränkungen jemand zu sein“ (Mecheril/Plößer 2012: 143) und die Förderung von rassismuskritischen Reflexionen und kritischer Handlungsfähigkeit, von Transformationen des Modus der Informationsverarbeitung und der Welt- und Selbstverhältnisse zum Ziel haben.

Wenn rassifizierte Andere ihre Subjektivierungen in Positionen herstellen, in denen sie als konstitutives Außen oder Verwerfung dienen, dann ist, wie wir gesehen haben, ihre Position und ihr Selbstentwurf fragil und prekär. Sie sind umkämpft und Internalisierungen und Umgangsmodi, wie auch Handlungsfähigkeit und Widerstand dagegen, sind Folgen dieser Verhältnisse. Nehmen wir also an, dass der Selbstentwurf Anderer auf Akten des Othering basiert, „…die mit der Illusion einer in ihrer Kohärenz und Konsistenz anerkennbaren Identität“ und Erfahrungen machtvoller Praxen gepaart sind (ebd.). Erfahrungen des Alltagsrassismus sind Normalität, sie werden durch das soziale Umfeld aber häufig bagatellisiert, in Abrede gestellt, totgeschwiegen, übergangen oder auch fortgesetzt. Diejenigen, die gewaltvolle Dimensionen thematisieren, werden zu Täter_innen, die „Unfrieden stiften“, die „Beschuldigungen aussprechen“, „Probleme erzeugen“. Die von Astrid Messerschmidt (2010) dargelegten postnationalsozialistischen Abwehrmuster haben die Wirkung, dass eine Täter-Opfer-Umkehr stattfindet, in der die Benennung von Rassismus als Skandal gilt und nicht eine rassistische Handlung selbst. Diese Abwehr sieht Messerschmidt als spezifisch deutsch insofern, als häufig darauf Bezug genommen wird, dass man andauernd für etwas beschuldigt werde, das man nicht getan habe...

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