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Salz – Weißes Gold oder Chemisches Prinzip?

Zur Entwicklung des Salzbegriffs in der Frühen Neuzeit

Jürgen Hollweg

Salz: Was verbarg sich hinter diesem Allerweltsbegriff? Handelte es sich um ein Gewürz und Konservierungsmittel, das mit Gold aufgewogen wurde? War es ein Symbol für das Bündnis Gottes mit seinem auserwählten Volk? Wurde damit ein Wirkprinzip bezeichnet, das allem Stofflichen seine Eigenschaften verleiht? War es der Ursprung aller Dinge oder ein chemisches Element? Klassifiziert der Begriff eine Stoffgruppe? Oder erhält man es als Ergebnis einer chemischen Reaktion? Wegen ihrer wirtschaftlichen Bedeutung in Handel, Handwerk und aufkommenden Manufakturen sowie in der Medizin waren die Salze in der Frühen Neuzeit ein wichtiger Forschungsgegenstand. Die Entwicklung des Begriffes in dieser Zeit und seine vielfältigen Veränderungen werden anhand von Beispielen untersucht und dargestellt.
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2. „Das vornehmste Stück der Chemie“

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2.   „Das vornehmste Stück der Chemie“

„Die Erkänntnis der Saltze ist das vornehmste Stück der Chemie“.1 Nicht umsonst finden wir diesen Satz in Zedlers Universallexikon von 1732. Als er geschrieben wurde, waren die Salze einer der wichtigsten Forschungsgegenstände in der Chemie; sie waren neben den Metallen die wichtigste Gruppe von Stoffen. Die wirtschaftliche Bedeutung des Kochsalzes befand sich auf ihrem Höhepunkt, Abbau und Handel versprachen Bedeutung und Reichtum. Aber auch die anderen Salze wurden in der Medizin sowie in den Handwerken und den aufkommenden Manufakturen immer wichtiger. Die chemische Forschung in den Labors konnte einen entscheidenden Beitrag zur Unterstützung und Weiterentwicklung leisten. Die Suche nach pharmazeutischen Wirkstoffen beschränkte sich nicht mehr nur auf Pflanzenextrakte, sondern entdeckte die anorganische Chemie, die Salze fanden ihren festen Platz in den Apotheken.2 In der gewerblichen Wirtschaft bei der Herstellung und Weiterverarbeitung vielfältigster Gebrauchsgegenstände wurden die Wirkmechanismen hinterfragt, um Produkte und Verfahren zu optimieren. Die Reindarstellung von Salzen bekam ein immer höheres Gewicht. Und nicht nur auf wissenschaftlich-technischem Gebiet zeigt sich die überragende Bedeutung der Salze, sie hatten bereits seit dem 16. Jahrhundert in einer „Alchemikerdichtung“ Eingang in die Dichtkunst gefunden3 und waren damit einem breiteren Publikum geläufig.

Die Chemie befand sich auf dem Wege zu einer eigenständigen Wissenschaft. Sie versuchte, sich von der alchemistischen Suche nach dem Stein der Weisen und von der betrügerischen Goldmacherei zu trennen. Die Veränderungen von Stoffen wurden systematisch untersucht und...

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