Show Less
Restricted access

Salz – Weißes Gold oder Chemisches Prinzip?

Zur Entwicklung des Salzbegriffs in der Frühen Neuzeit

Jürgen Hollweg

Salz: Was verbarg sich hinter diesem Allerweltsbegriff? Handelte es sich um ein Gewürz und Konservierungsmittel, das mit Gold aufgewogen wurde? War es ein Symbol für das Bündnis Gottes mit seinem auserwählten Volk? Wurde damit ein Wirkprinzip bezeichnet, das allem Stofflichen seine Eigenschaften verleiht? War es der Ursprung aller Dinge oder ein chemisches Element? Klassifiziert der Begriff eine Stoffgruppe? Oder erhält man es als Ergebnis einer chemischen Reaktion? Wegen ihrer wirtschaftlichen Bedeutung in Handel, Handwerk und aufkommenden Manufakturen sowie in der Medizin waren die Salze in der Frühen Neuzeit ein wichtiger Forschungsgegenstand. Die Entwicklung des Begriffes in dieser Zeit und seine vielfältigen Veränderungen werden anhand von Beispielen untersucht und dargestellt.
Show Summary Details
Restricted access

8. Salzige Verwandtschaften

Extract

8.   Salzige Verwandtschaften

Diese Abhandlung soll mit dazu beitragen, die vorhandene Wissenslücke über die Entwicklung des Salzbegriffs zu schließen. Sie beschäftigt sich allerdings ausschließlich mit den Salzen als solchen, verwandte Konzepte sind nicht untersucht worden. Diese sollen im Folgenden kurz angedeutet werden. Dabei handelt es sich zunächst um die Säure-Alkali Theorie, die als weiteres Konzept der Renaissance neben den „tria prima“ von Paracelsus entwickelt wurde. Die Luftsalpetertheorie nimmt hauptsächlich nur auf ein einziges Salz oder besser eine einzige Gruppe von Salzen Bezug, auf die Nitrate. Die Tabelle stofflicher Beziehungen von Etienne François Geoffroy (1672–1731) wird als Beginn des chemischen Affinitätsbegriffs bezeichnet und beschreibt zur einen Hälfte die Salze und ihre Umwandlungen. Die vielleicht wichtigste Diskussion im 17. und 18. Jahrhundert betrifft die korpuskulare Struktur der Materie und es lassen sich mannigfache Querverbindungen zu den Definitionsbestrebungen für die Salze vermuten.

Ausgehend von der Definition Rouelles ergibt sich im Rückblick die interessante Fragestellung, inwieweit die Säure-Alkali-Theorie zu der Entwicklung des Salzbegriffs beigetragen hat. Diese wurde zunächst von Johann Baptist van Helmont (1579–1644) als medizinische Hypothese formuliert, und von seinen Nachfolgern, insbesondere von Sylvius de le Boë (1614–1672) und Otto Tachenius (1610?–1680?), weiter ausgebaut und als Materietheorie in Konkurrenz zu den „tria prima“ von Paracelsus formuliert. Aus Säure und Alkali soll die gesamte Natur entstanden sein.1 In ihrer Weiterentwicklung beschreibt die Theorie dann die Reaktion zwischen Säure und Alkali...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.