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Jüdische Lebenswelten

Von der Antike bis zur Gegenwart

Series:

Ernst Baltrusch and Uwe Puschner

Dieses Buch stellt die Vielfalt jüdischen Lebens in Europa von der Antike bis zur Gegenwart dar. Ausgewiesene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Judaistik, Geschichte, Kunstgeschichte, Literaturwissenschaft und Katholischer Theologie beschreiben und untersuchen, wie sich Juden und jüdische Gemeinschaften in einer fremden Umwelt behaupteten: Wie sie sich in die sie umgebende Gesellschaft politisch, wirtschaftlich, kulturell einbringen wollten und konnten, wie sich ihr alltägliches Leben gestaltete, welchen Bedrohungen, Gefahren und Diskriminierungen sie ausgesetzt waren und wie sich der sie umgebende Staat und die nichtjüdische Mehrheitsgesellschaft positionierten. Um die Vielfalt der jüdischen Lebenswelten ideal präsentieren zu können, ist das Buch chronologisch angelegt. Hierzu gehört auch die singuläre Katastrophe, die Ermordung der europäischen Juden. Das entstandene Panorama jüdischen Lebens in Europa zeigt aber, dass die vielfältige jüdische Geschichte mehr als nur Konflikte, Diskriminierung und Antisemitismus bietet.
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„Getaufte Juden“ im westgotischen Spanien. Die antijüdische Politik König Chintilas zum Jahreswechsel 637/638 und ihre Hintergründe

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Stefan Esders

„Getaufte Juden“ im westgotischen Spanien Die antijüdische Politik König Chintilas zum Jahreswechsel 637/638 und ihre Hintergründe

Innerhalb einer Geschichte jüdischer Lebenswelten und bürgerlicher Rechte des Judentums erscheint die Stellung der Juden im westgotischen Spanien als ein besonderer Tiefpunkt. Im 7. Jahrhundert kam es auf der iberischen Halbinsel zu mehreren Verfolgungswellen. Sie endeten häufig in der Flucht und Vertreibung zahlreicher Juden, doch ihr offizielles Ziel war die erzwungene Assimilation der jüdischen Bevölkerung, indem man diese zu Christen machte. Es ging dabei um die zwangsweise Taufe von Juden oder genauer gesagt: um die Ausübung staatlichen Bekehrungszwanges gegenüber der jüdischen Bevölkerung des Westgotenreiches. Zwar sind seit der Spätantike vereinzelte Versuche bezeugt, im lokalen Kontext jüdische Gemeinden zwangsweise zu bekehren – auf Menorca im Jahr 418 beispielsweise,1 oder in Nordafrika im Gefolge der justinianischen Reconquista um das Jahr 535.2 ← 53 | 54 →Doch hat man in der Forschung schon immer und mit Recht betont, dass die Systemhaftigkeit und Beharrlichkeit, mit der im spanischen Westgotenreich auf der Ebene eines gesamten Reiches die Konversion von Juden zum Christentum betrieben wurde, ohne Vorbild oder Parallele gewesen seien: Weder im spätrömischen Reich noch in den neuen Reichen, die auf dem Boden der einstigen Provinzen des weströmischen Imperium im 5. und 6. Jahrhundert entstanden, habe es etwas Vergleichbares gegeben.3

Dies war jedoch nicht von Beginn an so gewesen. Noch aus dem frühen 6. Jahrhundert...

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