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Jüdische Lebenswelten

Von der Antike bis zur Gegenwart

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Edited By Ernst Baltrusch and Uwe Puschner

Dieses Buch stellt die Vielfalt jüdischen Lebens in Europa von der Antike bis zur Gegenwart dar. Ausgewiesene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Judaistik, Geschichte, Kunstgeschichte, Literaturwissenschaft und Katholischer Theologie beschreiben und untersuchen, wie sich Juden und jüdische Gemeinschaften in einer fremden Umwelt behaupteten: Wie sie sich in die sie umgebende Gesellschaft politisch, wirtschaftlich, kulturell einbringen wollten und konnten, wie sich ihr alltägliches Leben gestaltete, welchen Bedrohungen, Gefahren und Diskriminierungen sie ausgesetzt waren und wie sich der sie umgebende Staat und die nichtjüdische Mehrheitsgesellschaft positionierten. Um die Vielfalt der jüdischen Lebenswelten ideal präsentieren zu können, ist das Buch chronologisch angelegt. Hierzu gehört auch die singuläre Katastrophe, die Ermordung der europäischen Juden. Das entstandene Panorama jüdischen Lebens in Europa zeigt aber, dass die vielfältige jüdische Geschichte mehr als nur Konflikte, Diskriminierung und Antisemitismus bietet.
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„… schreibet dem contract öffentlich auff dem freyen mark[t], und unterschreibet ihm auff der freye[n] straße.“. Christlich-jüdische Handlungsräume und Lebenswelten im Deutschland der Frühen Neuzeit

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Claudia Ulbrich

„… schreibet dem contract öffentlich auff dem freyen mark[t], und unterschreibet ihm auff der freye[n] straße.“

Christlich-jüdische Handlungsräume und Lebenswelten im Deutschland der Frühen Neuzeit1

1. Geschichte vor Ort: Abraham Jacob aus Steinbiedersdorf

Nach den Kriegen des 17. Jahrhunderts, in denen große Teile des deutschfranzösischen Grenzgebietes zerstört worden waren, versuchten viele Menschen, sich in den verwüsteten Landstrichen eine neue Existenz aufzubauen. Unter ihnen waren Christen und Christinnen verschiedener Konfessionen ebenso wie Juden und Jüdinnen. Die jüdischen MigrantInnen wanderten nicht nur nach Metz, wo sich unter dem Schutz der französischen Könige eine angesehene jüdische Gemeinde entwickelt hatte, sondern auch in die umliegenden Kleinstädte und Dörfer, die zur Généralité de Metz, zum Herzogtum Lothringen oder zur Reichsgrafschaft Kriechingen gehörten. Der Finanz- und Handelsbedarf des Militärs, der kleineren Orts- und Landesherren und der kleinbäuerlich-ländlichen Bevölkerung begünstigte ihre Ansiedlung. In einer dieser Gemeinden, in Steinbiedersdorf, wurde Abraham Jakob 1715 zum Vorsteher oder, wie es in den westjiddischen und deutschsprachigen Quellen oft heißt, Barnas, Barnes bzw. Parnes gewählt. Der „reiche Jude Abraham“, der seinem Landesherrn und dessen Bedienten erhebliche Summen Geld geliehen hatte, war als Gemeindevorsteher mit dem Einzug und der Umlage der Abgaben betraut. Er hatte „Policeyaufgaben“ wahrzunehmen und war, ähnlich wie der Vorsteher der christlichen Gemeinde, Ansprechpartner der Herrschaft und dieser durch einen besonderen Amtseid verbunden. 57...

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