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Jüdische Lebenswelten

Von der Antike bis zur Gegenwart

Series:

Ernst Baltrusch and Uwe Puschner

Dieses Buch stellt die Vielfalt jüdischen Lebens in Europa von der Antike bis zur Gegenwart dar. Ausgewiesene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Judaistik, Geschichte, Kunstgeschichte, Literaturwissenschaft und Katholischer Theologie beschreiben und untersuchen, wie sich Juden und jüdische Gemeinschaften in einer fremden Umwelt behaupteten: Wie sie sich in die sie umgebende Gesellschaft politisch, wirtschaftlich, kulturell einbringen wollten und konnten, wie sich ihr alltägliches Leben gestaltete, welchen Bedrohungen, Gefahren und Diskriminierungen sie ausgesetzt waren und wie sich der sie umgebende Staat und die nichtjüdische Mehrheitsgesellschaft positionierten. Um die Vielfalt der jüdischen Lebenswelten ideal präsentieren zu können, ist das Buch chronologisch angelegt. Hierzu gehört auch die singuläre Katastrophe, die Ermordung der europäischen Juden. Das entstandene Panorama jüdischen Lebens in Europa zeigt aber, dass die vielfältige jüdische Geschichte mehr als nur Konflikte, Diskriminierung und Antisemitismus bietet.
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Jüdische Geschichte im ‚langen’ 19. Jahrhundert. Deutschland und Italien im Vergleich

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Ulrich Wyrwa

Jüdische Geschichte im ‚langen’ 19. Jahrhundert Deutschland und Italien im Vergleich

Obgleich die italienische Geschichtswissenschaft immer deutlicher die Entwicklung des Antisemitismus im faschistischen Italien herausgearbeitet hat und in der Literatur gelegentlich gar von „endogenen Wurzeln“ des italienischen Antisemitismus gesprochen wird,1 ist in der historischen Forschung noch immer nur unzureichend untersucht, wo die Anfänge des Antisemitismus in Italien lagen, welche spezifischen Formen er angenommen hat und in welchem Verhältnis dieser zu dem bemerkenswerten sozialen und politischen Aufstieg italienischer Juden im vereinigten Nationalstaat stand.2

Ziel dieses Beitrages ist es erstens, den Ursprüngen des italienischen Antisemitismus unter deutsch-italienisch vergleichender Perspektive nachzugehen und die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Entwicklung des Antisemitismus in beiden Ländern herauszuarbeiten.3 Ausgehend von der These, dass der Antisemitismus keine bloße Fortsetzung des überlieferten christlichen Judenhasses ist, son ← 243 | 244 →dern ursächlich mit den gesellschaftlichen Umwälzungen des 19. Jahrhunderts zusammenhängt, den sozialen Erschütterungen durch Industrialisierung und den Verwerfungen durch die Entstehung der Konsumgesellschaft und der damit zusammenhängenden Kommerzialisierung des Alltagslebens,4 sowie der Forderung nach bürgerlicher und rechtlicher Gleichstellung der Juden, vorausgesetzt ferner und dass der Antisemitismus in erster Linie als politische und soziale Bewegung in Erscheinung getreten ist, die dezidiert gegen die Emanzipation der Juden gerichtet war,5 ist auch die Emanzipationsgeschichte beider Länder in die vergleichenden Betrachtungen einzubeziehen. So geht es zweitens darum, die Besonderheiten der Erfahrungen von deutschen und italienischen Juden im 19. Jahrhundert zu...

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