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Jüdische Lebenswelten

Von der Antike bis zur Gegenwart

Series:

Ernst Baltrusch and Uwe Puschner

Dieses Buch stellt die Vielfalt jüdischen Lebens in Europa von der Antike bis zur Gegenwart dar. Ausgewiesene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Judaistik, Geschichte, Kunstgeschichte, Literaturwissenschaft und Katholischer Theologie beschreiben und untersuchen, wie sich Juden und jüdische Gemeinschaften in einer fremden Umwelt behaupteten: Wie sie sich in die sie umgebende Gesellschaft politisch, wirtschaftlich, kulturell einbringen wollten und konnten, wie sich ihr alltägliches Leben gestaltete, welchen Bedrohungen, Gefahren und Diskriminierungen sie ausgesetzt waren und wie sich der sie umgebende Staat und die nichtjüdische Mehrheitsgesellschaft positionierten. Um die Vielfalt der jüdischen Lebenswelten ideal präsentieren zu können, ist das Buch chronologisch angelegt. Hierzu gehört auch die singuläre Katastrophe, die Ermordung der europäischen Juden. Das entstandene Panorama jüdischen Lebens in Europa zeigt aber, dass die vielfältige jüdische Geschichte mehr als nur Konflikte, Diskriminierung und Antisemitismus bietet.
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Völkischer Antisemitismus

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Am 21. Januar 1913 fand im Hohenzollern-Festsaal des Marinehauses am Köllnischen Park im Berliner Bezirk Mitte – es gehört heute zum Berliner Stadtmuseum – eine der ersten völkischen Großveranstaltungen statt. Dazu eingeladen hatten die Berliner Ortsgruppen des Reichshammerbundes und des Deutschvölkischen Studentenverbandes. Die Veranstaltung sollte den Auftakt zu „einer allgemeinen Mobilmachung der deutschbewußten Kreise gegenüber fremdvölkischen Herrschaftsbestrebungen bilden“. Der nationalistischen und völkischen Presse zufolge war sie ein „volle[r] Erfolg der deutschvölkischen Arbeit in Berlin“ und sie strahlte weit über die Reichshauptstadt hinaus. Den beiden völkischen Organisationen war es gelungen, neben mehreren Reichstagsabgeordneten, „alle auf nationaler und völkischer Grundlage stehende[n] Verbände der Studenten und Bürgerschaft Groß Berlins“ zu mobilisieren, so daß der Saal und seine Galerien mit 2000 Personen überfüllt waren. Die Hälfte der Anwesenden waren Studenten. Der Andrang war so groß, daß – schenkt man der völkischen Presse Glauben – „Hunderte“ keinen Einlaß fanden. Der große Zulauf, der auch einen Hinweis auf das völkische Potential am Vorabend des Ersten Weltkriegs gibt, verdankte sich zum einen der umfangreichen, infolge der Wahlgewinne der Sozialdemokratie bei den Reichstagswahlen 1912 forcierten völkischen Propaganda – es waren an die 10000 Flugblätter insbesondere an der damaligen Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität und an der Technischen Hochschule in Charlottenburg verteilt worden –, zum anderen dem aus Weimar angereisten Hauptredner des Abends: dem im radikalnationalistischen Milieu populären Literaturhistoriker und völkischen Ideologen, Multifunktionär und Agitator Adolf Bartels (1862-1945).1...

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