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Der Lehrer – ein (un)möglicher Beruf

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Gerd-Bodo von Carlsburg and Marian Heitger

Kaum eine andere Frage hat die wissenschaftliche Pädagogik der letzten Jahre so beschäftigt, wie die nach den Qualifikationen des Lehrers und in dessen Folge die Frage nach einer den Erfordernissen der Praxis entsprechenden Ausbildung. Die Erfordernisse der Pädagogik sind bestimmt von dem Telos, das in diesem Tun leitend ist: ob der Sinn pädagogischer Praxis sich darin erschöpft, Menschen als brauchbare Bürger für die Zwecke von Wirtschaft und Politik zu qualifizieren, oder ob man den Menschen auch als «Zweck seiner selbst» sieht, seine Persönlichkeitsentfaltung fördert. Die Beantwortung dieser Frage zeigt eine Vielzahl von Meinungen. Die Pluralität der theoretischen Aussagen macht sie für die Praxis wenig hilfreich. Das ist um so bedenklicher, je mehr pädagogische Praxis zur Profession wird, je mehr Bereiche des alltäglichen Lebens der pädagogischen Hilfe bedürfen, und je mehr diese Hilfe auf eine ausdrückliche Reflexion angewiesen ist. Daraus ergibt sich eine weitere Problematik des schwierigen Lehrberufs: Kann denn Wissenschaft überhaupt die Praxis anleiten? Jene ist universal und allgemein, abstrakt und formal; diese ist konkret und einmalig. Wird hier nicht ein Widerspruch deutlich, der die Wissenschaft als Regenten der Praxis ungeeignet erscheinen lässt? Werden nicht vielmehr jene psychischen Faktoren maßgeblich, die man häufig mit dem eher vagen Begriff Intuition umschreibt?
Aus dem Inhalt: Marian Heitger: Wer regiert die pädagogische Praxis? Intuition und Rationalität - ein Widerspruch? – Alfred Schirlbauer: Pädagogik und Anthropotechnik. Oder: Hat Peter Sloterdijk der Pädagogenzunft etwas zu sagen? – Winfried Böhm: «Unus magister vester». Über die Anmaßung, sich Lehrer eines anderen nennen zu wollen – Annette Scheunpflug: Job oder Berufung? - Gibt es eine Berufsethik für Lehrkräfte? – Jürgen Rekus: Intuition - die Ausrede des unvorbereiteten Lehrers? – Axel Gruhlke: Erlebnispädagogik - Lernen zwischen Reflexion und Emotion? – Lutz Koch: Der Lehrer zwischen Urteilskraft und Methode – Alfred Schirlbauer: Die Moralpredigt - Invektiven zum Ethikunterricht – Alfred Schirlbauer: Distanz als didaktische Kategorie. Bemerkungen zum Mußecharakter von Schule – Jörg Petersen: Der Lehrer im Regelwerk - Skizzen zu einer unterrichts- und erziehungstheoretischen Begründung «guten» Lehrerhandelns – Gerd-Bodo von Carlsburg/Sabine Heyder: Der «gute» Lehrer: Impressionen zur Lehrerpersönlichkeit als tragender Determinante der Lehrer-Schüler-Beziehung. Eine Alltags-Studie – Rolf Göppel: Was muss man wahrnehmen und verstehen, um erziehen zu können? - Emotionale Intelligenz als Kultivierung der Intuition und als Voraussetzung für pädagogischen Takt – Ewald Kiel: Lehrer/innen - Über die Gegenwart, den Anfang und das Ende eines Berufslebens – Peter Strasser: Der Lehrer als Erzieher - Zur Krise eines sozialen Charakters – Gerd-Bodo von Carlsburg/Sabine Heyder: Aspekte der Psychohygiene im Schulalltag. Oder: Seelische Gesundheit lässt sich nicht beim Hausmeister deponieren! Über das «Innenleben» von Lehrern und die Ambivalenzen von Persönlichkeitsfaktoren – Helmut Wehr: Lehrer lehren und lernen Stille. Ein Plädoyer für die Entschleunigung des Lehrens und Lernens.