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Teaching the Bard Today – Shakespeare-Didaktik in Forschung und Lehre

von Maria Eisenmann (Band-Herausgeber:in)
Konferenzband 218 Seiten

Zusammenfassung

Der vorliegende Band setzt sich mit der didaktischen Implementierung Shakespeares Werk auseinander. Im Fokus stehen dabei die in jüngster Zeit radikal veränderten medialen sowie literatur- und kulturwissenschaftlichen Bedingungen unter Berücksichtigung neuester didaktischer Erkenntnisse. Darüber hinaus verfolgt der Band das Ziel, neue interdisziplinäre Einblicke in verschiedene aktuelle Themen und Ansätze der Lehre Shakespeares im (Hoch-) Schulunterricht zu ermöglichen. Der Fokus ist darauf gerichtet, Theorie und Praxis zu verbinden, um so Studierenden, Wissenschaftler/innen und auch Lehrer/innen grundlegendes Wissen im Bereich der heutigen Shakespeare-Rezeption sowie praktische Beispiele, die sich in verschiedenen Unterrichtssituationen bewährt haben, zu vermitteln.
This volume deals with the methodological implementation of Shakespeare's work. The focus is on the recently radically changed media, literary and cultural studies conditions, taking into account the latest research findings in EFL methodology. In addition, the volume aims to provide new interdisciplinary insights into various current topics and approaches for teaching Shakespeare to all ages. The focus is on combining theory and practice to transmit profound knowlegde to university students and lecturers as well as to teachers. The essays in this collection try to account for both perspectives by giving an overview of contemporary Shakespeare scholarship as well as practical examples that have proven successful in a wide range of classroom situations.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Title Page
  • Copyright Page
  • About the author
  • About the book
  • Citability of the eBook
  • Contents
  • Einleitung: Shakespeare im Englischunterricht
  • Shakespeare in the EFL Classroom – a Current Overview
  • From Shakespeare didaktisch (2006) to Teaching Shakespeare in 2019 – a Sea Change
  • Dwarving the Literary Giant? The Challenge of New and Traditional Approaches to Shakespeare in the Language Class
  • Shakespeare in der Sekundarstufe I: wie es euch gefällt oder verlorene Liebesmüh?
  • Wild Laughter? Comic Approaches to Shakespeare
  • “Imagine that You See the Wretched Strangers” – Teaching William Shakespeare in the Context of the Refugee Crisis
  • Of Ghosts and Daggers: Using Comic Adaptations of Macbeth in the EFL Classroom
  • Romeo and Juliet Goes Pop: Developing Literature-Related Competences through Illustrated Texts, Videos, and Songs
  • Taking Romeo and Juliet to the British Seaside. Exploring a Contemporary Short Film Adaptation with Language Learners
  • Contributors

Maria Eisenmann

Einleitung: Shakespeare im Englischunterricht

Die Neudefinition und Vereinheitlichung der Bildungsstandards sowie die Idee der Kompetenzorientierung sind kennzeichnend für einen tiefgreifenden Reformprozess in schulischen und universitären Bildungsinstitutionen. Die Einführung der Standardorientierung hat die Fremdsprachenforschung und insbesondere die fachdidaktischen Ansätze zum Literaturunterricht in Bezug auf die Definition von Kompetenzniveaus in jüngster Zeit in Frage gestellt. Generell wird diese Entwicklung kontrovers diskutiert, dabei werden insbesondere die Ausrichtung der schulischen Bildung auf den engen Bereich überprüfbarer Standards sowie die Festlegung von empirisch nicht überprüften Regelstandards kritisiert (cf. Delanoy 2015, pp. 24–25). Einer regelrechten Missbilligung der Standardorientierung im Kontext des Literaturunterrichts steht die pragmatische Bereitschaft gegenüber, Aspekte der sogenannten Outputorientierung in Ansätze der Literaturdidaktik zu integrieren (cf. Volkmann 2015, pp. 50–51). Dies wirft die Frage auf, was literarisches Lernen beinhaltet und wie es gefördert werden kann. Noch wichtiger ist jedoch, dass dies jenseits des pragmatisch-utilitaristischen Denkens zu einem Prozess der Neudefinition und Neupositionierung der Rolle von Literatur im Klassenzimmer führen muss. Wenn die Literaturdidaktik bundesweit ihre Rolle in den Lehr- und Bildungsplänen halten will, muss sie sich ganz bewusst auf das standardorientierte Denken einlassen. Nur auf diesem Weg kann sie zeigen, dass der Lernzuwachs über ästhetisch-literarische Texte und gehaltvolle Themen höher ist als mit rein expositorischen Texten.

Dies gilt insbesondere für William Shakespeare, dessen Werk in den meisten Lehr- und Bildungsplänen eine fest verankerte Rolle spielt. William Shakespeare ist nicht nur auf gesellschaftlicher Ebene ein kulturelles Phänomen und einer der meist gespielten Autoren auf Bühnen weltweit, sondern auch ein fester Bestandteil des heutigen Englischunterrichts. Stärker als jeder andere englischsprachige Autor ist und bleibt er ein kultureller Referenzpunkt, d.h. eine Auseinandersetzung mit seinem Werk ist eine sehr wichtige Voraussetzung für eine aktive Teilhabe am kulturellen Leben (cf. Eisenmann/Lütge 2014, pp. 7–8).

Vor diesem Hintergrund setzt sich der vorliegende Band mit der didaktischen Implementierung Shakespeares Werk auseinander. Im Fokus stehen dabei die in jüngster Zeit radikal veränderten medialen sowie literatur- und kulturwissenschaftlichen Bedingungen unter Berücksichtigung neuester ←7 | 8→didaktischer Erkenntnisse. Das Anliegen des Bandes ist es, die Lücke zwischen literaturwissenschaftlicher Shakespeare-Forschung auf der einen Seite und Shakespeare in der Lehre auf der anderen Seite zu schließen, woraus sich konsequenterweise ein Interesse an der didaktischen Umsetzung von Shakespeares Werk ergibt. Darüber hinaus verfolgt der Band das Ziel, neue interdisziplinäre Einblicke in verschiedene aktuelle Themen und Ansätze der Lehre Shakespeares im (Hoch-) Schulunterricht zu ermöglichen. Der Fokus ist darauf gerichtet, Theorie und Praxis zu verbinden, um so Studierenden, Wissenschaftler/innen und auch Lehrer/innen grundlegendes Wissen im Bereich der heutigen Shakespeare-Rezeption sowie praktische Beispiele, die sich in verschiedenen Unterrichtssituationen bewährt haben, zu vermitteln. So werden moderne und innovative Methoden der Shakespeare-Didaktik dargelegt und kritisch diskutiert. Die Beiträge liefern eine große Bandbreite an Möglichkeiten für den Umgang mit Shakespeare in der Lehre. Es handelt sich dabei um analytische, kreative und performative Ansätze, um so tiefgreifende Erkenntnisse für Studierende, Hochschullehrende sowie Englischlehrer/innen zu gewährleisten.

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Der Band beginnt mit Maria Eisenmanns Beitrag, der sich mit dem Stellenwert Shakespeares im heutigen Englischunterricht auseinandersetzt und die vielschichtigen Gründe für eine pointierte Hinwendung zum Werk und Wirken William Shakespeares aufführt. Es folgt ein Überblick über den aktuellen Stand der Shakespeare-Rezeption und fachdidaktischen Forschung. Dabei liegt der Fokus auf dem Umgang mit den Texten im Englischunterricht in Zeiten der Outputorientierung einerseits und universeller Shakespeare-Themen andererseits. Aufgeführt werden u.a. internetbasierte Quellen, verschiedene Adaptionen sowie postkoloniale Rewrites, die zeigen, wie Shakespeares Texte gerade durch ihre Komplexität dazu beitragen, vielfältige Fähigkeiten und Kompetenzen zu erwerben. Roland Petersohn und Laurenz Volkmann betonen die große Bedeutung aktueller Methoden zur Einführung von Shakespeare im Englischunterricht. Zur Implementierung dieser Ansätze werden zehn Prinzipien genannt, mit früheren Methoden verglichen und in einem weiteren Schritt mit einer aktualisierten Perspektive auf eine radikal veränderte Lehr-/Lernumgebung diskutiert. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei dem Einsatz Shakespeares für junge Lernende, interdisziplinären Projekten und szenischem Spiel sowie Unterrichtskonzepten über verschiedene analoge und digitale Medien. Jan Eschbach hinterfragt in seinem Beitrag moderne Ansätze der Literaturdidaktik und propagiert den desktop approach, eine traditionelle Unterrichtsform, in der unter der Anleitung der Lehrkraft ein Stück Shakespeares gemeinsam in ←8 | 9→der Klasse gelesen wird und damit kritische Würdigung erfährt. Dieser Ansatz kann durch zahlreiche weitere aktive Unterrichtsmethoden ergänzt werden, die Möglichkeiten bieten, sich mit Shakespeare gemäß der individuellen Disposition vertraut zu machen. Obwohl Shakespeare und sein Werk nicht in den Curricula für das Fach Englisch in der Sekundarstufe I verankert ist, zeigt Jessica Nowoczien, dass sich eine Erstbegegnung mit Shakespeare durchaus auch mit jüngeren Schülern vor der Oberstufe lohnen kann. Dazu werden methodische Beispiele für mögliche Herangehensweisen vorgestellt und diskutiert, die hauptsächlich aus der Theater- und Dramapädagogik stammen und durch ihren performativen Charakter schüleraktivierend angelegt sind. Michael Mitchell setzt sich mit dem Komödiantischen in Shakespeares Werk und diversen Adaptionen auseinander. Dabei wird das Lachen als Motivationsfaktor gesehen, was aufgrund der Komplexität häufig nicht per se durch die Stücke selbst erzeugt werden kann. Stattdessen werden Unterhaltung und Lachen häufig erst durch das Komprimieren und Adaptieren der Texte erreicht oder über die Vorstellung, wie Shakespeare sie geschrieben haben könnte. Um dies konkret zu veranschaulichen, dienen als Beispiele der Film Shakespeare in Love sowie die TV-Sitcom Upstart Crow. Claudia Deetjen setzt sich in ihrem Artikel mit William Shakespeares Beitrag zu dem Theaterstück Sir Thomas More (1603) auseinander, das von einem fremdenfeindlichen Aufstand in London handelt. Der Beitrag geht der Frage nach, wie Shakespeares Text, die Filmadaption The Strangers’ Case (2018) und der vom Internationalen Rettungskomitee und Shakespeares Globe veröffentlichte Kurzfilm The Strangers’ Case. Shakespeare’s Rallying Cry for Humanity (2018) Prozesse des literarischen und globalen Lernens fördern können. Christian Ludwig und Frank Erik Pointner diskutieren die Rolle, die Comics bei der Beschäftigung mit Shakespeares Werk im Englischunterricht spielen können. Sie konzentrieren sich dabei exemplarisch auf ausgewählte Panels verschiedener Comic-Adaptionen von Macbeth, bei denen sie narratologische und ikonographische Mittel analysieren sowie deren Aussagekraft im Gesamtkontext der jeweiligen Adaption erläutern. Die Ausführungen werden von Unterrichtsvorschlägen abgerundet, die sowohl zum Verständnis Shakespeares Drama als auch dessen Adaptionen beiträgt. Im Zentrum von Theresa Summers Artikel steht Shakespeares Drama Romeo and Juliet und auch hier geht es um den Stellenwert diverser Adaptionen für den Englischunterricht. Anhand von Graphic Novels, Filmen und Songs werden methodische Ansätze aufgezeigt, die für die Entwicklung literaturbezogener Kompetenzen gewinnbringend sind. Handlungsorientierte Ansätze werden diskutiert und ein Leitfaden für die Entwicklung literaturbasierter Aufgaben vorgestellt, um Shakespeares Drama Romeo and Juliet lebendig werden zu ←9 | 10→lassen. Auch Grit Alter und Max von Blanckenburg konzentrieren sich auf Shakespeares Drama Romeo and Juliet, in dem sie Intertextualität und Adaptionsprozesse am Beispiel des Kurzfilms Star Cross’d (2016) erforschen. Eine detaillierte Filmanalyse dieser modernen Nacherzählung von Romeo and Juliet bietet eine solide Basis für die nachfolgenden aufnahmebezogenen, analytischen und kreativen Aufgabenstellungen.

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Ohne die Mitwirkung einer Vielzahl von engagierten Lehrern aus Schule und Hochschule hätte dieser Band nicht entstehen können. Deshalb möchte ich mich bei allen Autorinnen und Autoren für die konstruktive und kooperative Zusammenarbeit herzlich bedanken. Für die sorgfältige Durchsicht, Bearbeitung und Einrichtung des Manuskripts danke ich ganz herzlich Carmen Alles, Alexander Hemmerich und Jennifer Meier. Großer Dank gebührt außerdem dem Stiftungsfond des Deutschen Hochschulverbandes für die großzügige finanzielle Unterstützung bei den Druckkosten.

Maria Eisenmann
Würzburg, April 2019

Literatur

Delanoy, Werner: “Literature Teaching and Learning: Theory and Practice.” In: Delanoy, Werner/Eisenmann, Maria/Matz, Frauke (eds.): Learning with Literature in the EFL Classroom. Lang: Frankfurt am Main 2015, pp. 19–47.

Eisenmann, Maria/Lütge, Christiane (eds.): Shakespeare in the EFL Classroom. Winter: Heidelberg 2014.

Volkmann, Laurenz: “Literary Literacy and Intercultural Competence: Furthering Students’ Knowledge, Skills and Attitudes.” In: Delanoy, Werner/Eisenmann, Maria/Matz, Frauke (eds.): Learning with Literature in the EFL Classroom. Lang: Frankfurt am Main 2015, pp. 49–66.

Biographische Angaben

Maria Eisenmann (Band-Herausgeber:in)

Maria Eisenmann ist Professorin für Fachdidaktik – Moderne Fremdsprachen an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Maria Eisenmann is Professor of Professor of Foreign Language Education at the Julius-Maximilians-University Würzburg.

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