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Interpretationskulturen

Literaturdidaktik und Literaturwissenschaft im Dialog über Theorie und Praxis des Interpretierens

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Edited By Marie Lessing-Sattari, Maike Löhden, Almuth Meissner and Dorothee Wieser

Der Sammelband «Interpretationskulturen» versammelt Beiträge aus Literaturdidaktik und Literaturwissenschaft, zu deren Kerngeschäft das Interpretieren literarischer Texte gehört. Bisher finden sich aber kaum Ansätze zur gemeinsamen Reflexion von Praktiken, theoretischen Modellierungen und Normen in den jeweiligen Praxisfeldern. Die entsprechenden Diskurse in Literaturwissenschaft und Literaturdidaktik berühren sich kaum. Der Band unternimmt deshalb den Versuch, Fragen nach Zielen und Funktionen des Interpretierens, nach dem Verhältnis von Theorien und Methoden, dem Zusammenhang von Rationalisierbarkeit und Vermittelbarkeit und dem Potenzial eines praxeologischen Forschungszugangs aus literaturwissenschaftlicher und literaturdidaktischer Perspektive zu diskutieren.
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Vorwort

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Das Interpretieren literarischer Texte gehört zum Kerngeschäft sowohl der Literaturwissenschaft als auch des Literaturunterrichts. Gleichwohl finden sich bisher kaum Ansätze zur gemeinsamen Reflexion von Praktiken, theoretischen Modellierungen und Normen in den jeweiligen Praxisfeldern. Die entsprechenden Diskurse in Literaturwissenschaft und Literaturdidaktik, so sie denn überhaupt stattfinden, berühren sich kaum. Dies ist vor allem hinsichtlich der gemeinsamen Aufgaben im Rahmen der Lehramtsausbildung als ein großes Manko zu betrachten.

Im literaturwissenschaftlichen Diskurs haben methodologische Fragen im Kontext der Interpretation derzeit Konjunktur. Das Spektrum der diskutierten Aspekte ist dabei äußerst breit und reicht von praxeologischen Fragestellungen über die Kategorisierung von Interpretationshandlungen und -begriffen bis zu Versuchen der Formulierung von Analysekriterien (z. B. Kindt/Köppe 2008, Zabka 2008, Bunia 2011, Sittig/Standke 2013, Albrecht et al. 2015).

In der Literaturdidaktik hingegen haben sich die Fragen und Perspektiven sehr gewandelt: Ende der 1990er Jahre wurde vor allem diskutiert, welche Konsequenzen für den Literaturunterricht aus den theoretischen Annahmen des Konstruktivismus und des reader response criticism zu ziehen seien. Der Versuch, das Verhältnis von subjektiven und objektiven Bedeutungen bzw. Bedeutungszuweisungen und die Rolle der Interpretationsgemeinschaft näher zu bestimmen, bildete hier einen Fokus der Debatte. Durch die zunehmend empirische Ausrichtung der Literaturdidaktik in den letzten fünfzehn Jahren und durch die aus den PISA-Ergebnissen resultierenden Bemühungen, literarisches Verstehen überprüfbar bzw. testbar zu machen, ergaben sich neue Perspektiven auf Interpretationsprozesse. Insbesondere die Rezeption von kognitionspsychologischen Studien zum Leseprozess, aber auch die Auseinandersetzung mit Umberto...

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