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Literaturvermittlung im 19. und frühen 20. Jahrhundert

Vorträge des 1. Siegener Symposions zur literaturdidaktischen Forschung

Series:

Hermann Korte and Marja Rauch

Dieser Band widmet sich der Literaturdidaktik in historischer Perspektive und veranschaulicht die Komplexität der kulturellen Konstellationen, unter denen schulische und universitäre Bildungsanstalten ihre Praxis der Literaturvermittlung im 19. Jahrhundert organisierten. Er wendet sich gegen aktuelle Trends in der Literaturdidaktik, die sich als empirische Unterrichtsforschung oder Praxisberatung definieren und Applikationsvorlagen für den Deutschunterricht entwickeln. Literaturvermittlung in der Schule war im 19. und frühen 20. Jahrhundert nicht zu trennen vom Selbstverständnis und kulturellen Handeln anderer literaturvermittelnder Institutionen. Prozesse der literarischen Kanon- und Traditionsbildung vollzogen sich ebenso im Konnex von Schule und Öffentlichkeit wie der Aufbau literarischen Wissens und der Erwerb des kulturellen Kapitals in der bürgerlichen Gesellschaft zwischen 1800 und 1900.
Aus dem Inhalt: Elisabeth Stuck: Die Kluft zwischen der Postulierung und Implementierung eines literarischen Kanons. Institutionsgeschichtliche Befunde zu einem universitären Lektürekanon aus dem Jahr 1805 – Elisabeth K. Paefgen: (Zu) viel und (zu) früh. Kanondidaktische Überlegungen zwischen 1842 und 1925 – Marja Rauch: «Ausbildung der Reflexion». Zur Genese des Literaturunterrichts im Zeichen der Romantik – Ingo Stöckmann: Die naturwissenschaftlichen Grundlagen der Poesie und ihr Text. Wilhelm Bölsches Vermittlungen. Für ein kulturalistisches Vermittlungskonzept – Sigrid Thielking: «Ob wir just Collegia lesen...». Lehrerkollegien und Literaturvermittlung unter neuen Kulturverhältnissen – Carsten Gansel: «Lebensideal der tätigen Energie». Gotthold Ephraim Lessing als Kanonautor im ‘Kulturraum Schule’ zwischen 1800 und 1900 – Rolf Selbmann: «Goethe als solcher». Literaturvermittlung in Aufsatzthemen vom Kaiserreich zum Dritten Reich – Jelko Peters: «Dieß Heldengedicht muß in allen Schulen gelesen und erklärt werden». Zur mittelalterlichen Literatur im Deutschunterricht des 19. Jahrhunderts – Martin Leubner: Literatur als Vermittlerin von Weltwissen. «Robinson Crusoe» als Herbartianische Schul- und Privatlektüre in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts – Günter Häntzschel: Anthologien politischer Lyrik im historischen Wandel vom Vormärz bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs in Schule und Öffentlichkeit – Špela Virant: Theater als Medium der Literaturvermittlung in Slowenien im Zeitraum von 1867 bis 1914 oder «Was soll und kann das Theater leisten?» – Jana Mikota: «Es giebt ja so viele schöne Lieder, die für junge Mädchen geeigneter sind und Dir besser gefallen werden.» Lektüreerziehung von Mädchen und jungen Frauen in Romanen des ausgehenden 19. Jahrhunderts – Helmut Schanze: Tendenzen der Literaturvermittlung im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Vom «Lyrischen Volksbuch» zum «Kinderbuch».