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Kollokationen

Theoretische, forschungspraktische und fremdsprachendidaktische Überlegungen. In Zusammenarbeit mit Juliane Niedner

von Elmar Schafroth (Band-Herausgeber:in) Fabio Mollica (Band-Herausgeber:in) Carmen Mellado Blanco (Band-Herausgeber:in)
Konferenzband 310 Seiten

Zusammenfassung

Publikationen über Kollokationen sind zwar Legion, dieser Band möchte jedoch – aus kontrastiver Sicht – einen aktuellen Überblick über angewandte und theoretische Aspekte kollokativer Einheiten geben. Dabei rücken folgende Aspekte in den Vordergrund: die Diskussion des Kollokationsbegriffs (auch im Hinblick auf den Fremdsprachenunterricht), die morphosyntaktisch-semantisch relevanten Gebrauchseigenschaften von Kollokationen, ihre Behandlung in der Fremdsprachendidaktik (auch in Lehrwerken sowie anhand möglicher Übungstypologien) und in Wörterbüchern. Weitere Themen sind die Schnittstellen zwischen Kollokationen und verbalen Idiomen sowie die Frage der Valenzfähigkeit dieser beiden Phrasentypen.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Title
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhaltsverzeichnis
  • Kollokationen – kontrastiv, didaktisch, theoretisch: ein kurzer Überblick
  • Wissenskonstitution in Fußballtexten anhand von Farbbezeichnungen: „visuelle Kollokationen“ im Deutschen und im Italienischen1
  • La adquisición de las colocaciones léxicas españolas. El caso de los discentes italófonos1
  • Wird eine Reise storniert oder annulliert? Kollokationen und weitere mehr oder weniger feste Wortverbindungen in deutsch-italienischen Online-Wörterbüchern
  • Kollokationen in Lehrwerken für DaF-Lernende: ein didaktisches Paradox
  • Kollokationen in DaF für Spanischsprechende1
  • Lehren und Lernen mit Sprachkorpora im DaF-Unterricht am Beispiel temporaler präpositionaler Wortverbindungen1
  • Hör endlich auf, den Mond anzubellen – è una vergogna scimmia. Lexemkombinationen und metasprachliche Kompetenzen italienischer DaF-Studierender
  • Las combinaciones usuales de estructura [PREP + S] en la fraseología contrastiva alemán-español: un estudio de corpus de al principio y a principios de y sus correspondencias al alemán1
  • Valenz, interne und externe Syntax bei Phrasemen. Konstruktionsgrammatische und begriffstheoretische Überlegungen anhand des Deutschen und Italienischen
  • Die Vermittlung kollokativer Kompetenz in der Ausbildung von Literaturübersetzern: Didaktische Vorschläge
  • Das Nachschlagen von Phrasemen in Online-Wörterbüchern und Wörterbuch-Apps. Oder: Warum suchen Fremdsprachenlernende immer noch nach einzelnen Wörtern und was wir dagegen tun sollten
  • Reihenübersicht

←6 | 7→

Carmen Mellado Blanco (Santiago de Compostela)/Fabio
Mollica (Mailand)/Elmar Schafroth (Düsseldorf)

Kollokationen – kontrastiv, didaktisch,
theoretisch: ein kurzer Überblick

Der vorliegende Band vereint die Schriftfassungen von neun Vorträgen, die vom 8. bis zum 10. Dezember 2016 im Rahmen der Tagung Kollokationen und Phrasem-Konstruktionen im Fremdsprachenunterricht an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf gehalten wurden. Die Veranstaltung wurde von den Herausgebern organisiert und mit Unterstützung des DAAD (Programm Hochschuldialog mit Südeuropa) finanziert. Zusätzlich enthält der Band die Beiträge von Carolina Flinz sowie Fabio Mollica und Elmar Schafroth, die nicht auf der Tagung präsentiert wurden.

Der Sammelband ist das Ergebnis der Zusammenarbeit von Italianisten und Germanisten aus Deutschland, Italien und Spanien1. Die Autoren vereint das Interesse an phraseologischen Fragestellungen, insbesondere aus kontrastiver und didaktischer Sicht.

Publikationen über Kollokationen sind zwar Legion, dieser Band möchte jedoch einen aktuelleren Überblick über angewandte und theoretische Aspekte kollokativer Einheiten wie die Diskussion des Kollokationsbegriffs (auch im Hinblick auf den Fremdsprachenunterricht), ihre morphosyntaktisch-semantisch relevanten Gebrauchseigenschaften, ihre Behandlung in der Fremdsprachendidaktik (auch in Lehrwerken sowie anhand möglicher Übungstypologien) und in Wörterbüchern verschaffen. Und dies geschieht stets aus kontrastiver Sicht. Je nach Ziel der Untersuchung werden von den Autoren ein oder mehrere Aspekte fokussiert, denn die Kontrastivität spielt eine wichtige Rolle, um den idiosynkratischen Charakter einer Wortverbindung in einer gegebenen Sprache zu erkennen. Dadurch können nämlich eindeutigere Kriterien herangezogen werden, um zu definieren, was aus didaktischer bzw. lexikographischer Sicht ←7 | 8→als Kollokation zu gelten hat (vgl. hierzu auch Konecny 2012: 300–301; Herbst/Klotz 2003: 138).

Man unterscheidet innerhalb der Kollokationsforschung zwei grobe Richtungen: eine statistisch-quantitative und eine semantisch- syntaktische.2

Im Rahmen der Schule des britischen Kontextualismus beweisen Jones/Sinclair (1974) und Sinclair (1991) in ihren statistischen, korpusbasierten Arbeiten, welche Wörter ko-okkurrieren, wie häufig sie zusammen auftreten und welche Bedeutungen sie dabei repräsentieren. In dieser Hinsicht spielt das idiom principle eine wichtige Rolle, nach dem Wörter stabile und idiosynkratische Beziehungen untereinander etablieren, sodass Sprecher auf bereits präfabrizierte Wörter zurückgreifen (können); in einigen Fällen ist der Rückgriff auf solche Wortverbindungen sogar die einzige mögliche Wahl. Der statistische Ansatz vertritt demnach anhand von Kookkurrenzanalysen einen „weiten“ Kollokationsbegriff, nach dem Kollokationen benachbarte Wörter sind, die in Korpora häufig vorkommen, und deren Bedeutung ziemlich transparent ist. Das ist auch der Ausgangspunkt von Steyers (2000) empirischer und korpusbasierter Forschung zu den „usuellen Wortverbindungen“ des Deutschen, der zufolge Kollokationen „binäre, usuelle Wortverbindungen3 [sind], die aus zwei Autosemantika bestehen“ (Steyer 2000: 109). Es handelt sich dabei um Wörter, die unabhängig von ihrer internen Bindung in Korpora signifikant vorkommen. Die Autorin nennt z. B. als Kollokationspartner von Hund Verben wie bellen, beißen, streunen, Nomina wie Katze, Herrchen, Leine, und Adjektive wie hart, gefährlich, freilaufend. Weitere Studien, die auf einem ←8 | 9→weiten Kollokationsbegriff basieren, sind Kolečková (1997), Dörr (2005), Quasthoff/Schmidt (2010) und Häcki Buhofer (2014). In diese statistische Richtung gehen auch die aktuellen Kollokationswörterbücher des Deutschen (Quasthoff 2010 und Häcki Buhofer et al. 2014) und Spanischen4 (Bosque 2004).5

Im vorliegenden Band basiert der Aufsatz von Mansilla auf dem Kollokationsbegriff der usuellen Wortverbindungen im obigen Sinne. Diese werden hierbei in doppelter Hinsicht kollokationell untersucht: Einerseits auf den Kohäsionsgrad der Bestandteile der usuellen Wortverbindung hin, indem die Festigkeit der Kookkurrenzpartner u.a. durch das Vorkommen oder Fehlen von internen Slotfüllern bestimmt werden kann, andererseits lässt sich das syntagmatische Profil der usuellen Wortverbindungen durch Kookkurrenzanalysen beschreiben, wodurch die häufigsten Kollokatoren meistens in Verbindung mit spezifischen Gebrauchskontexten der Wortverbindungen aufgedeckt werden (vgl. Steyer 2018 und Stefanowitsch/Gries 2004 bezüglich der sogenannten collostructions). Auf diese Art und Weise werden Wortverbindungsmuster identifiziert, in denen die Wortverbindungen eingebettet sind. Die korpuslinguistische Methode erweist sich hierbei nicht nur für die monolinguale, sondern auch für die interlinguale ←9 | 10→Kollokationsanalyse in der Fremdsprachenforschung als unabdingbar, um mögliche Interferenzen in der Sprachproduktion seitens der Nichtmuttersprachler zu vermeiden (vgl. Mellado Blanco/Steyer 2018).

Während sich dieser Ansatz eher auf die statistische Relevanz der Kollokationen in Texten konzentriert, zielt das syntaktisch-semantisch orientierte Modell mehr darauf ab, die interne Struktur der Kollokationen zu untersuchen. Der prominenteste Vertreter dieses Modells ist Hausmann, der Kollokationen als „Halbfertigprodukte der Sprache“ (Hausmann 1985: 118) bezeichnet. Nach Hausmann handelt es sich bei den Kollokationen um idiosynkratische, nicht vorhersehbare i.d.R. semantisch transparente Kombinationen von meist zwei Wortformen (von Lexemen und/oder Funktionswörtern). Sie sind also zur Sprachnorm gehörende konventionalisierte Wortverbindungen. Demnach sind Beispiele für Kollokationen z. B. dt. sich die Zähne putzen, it. lavarsi i denti, sp. lavarse los dientes. Kollokationen bestehen nach Hausmann aus einer Basis und einem Kollokator (Hausmann 1985, 2007). Die Basis ist ein semantisch autonomes, „ein spontan abrufbares Element“ (Schafroth 2003: 402) (dt. Zähne, it. denti, sp. dientes), während der Kollokator von der Basis abhängt (dt. putzen, it. lavarsi, sp. lavarse).6 Zwischen den Kollokationspartnern besteht laut dem Autor eine hierarchische Relation, denn „[e];in Partner [Basis] determiniert, ein anderer [Kollokator] wird determiniert“ (Hausmann 1985: 119).7 Als Basis kommen überwiegend Substantive infrage. Diese Auffassung wird als „engere“ Kollokationskonzeption bezeichnet.

Dieser zweite Ansatz findet eine große Verbreitung vor allem in der Fremdsprachendidaktik (s. u.a. Reder 2006a, 2006b; Konecny 2010). Die Idee, „dass die semantisch autonome Kollokationsbasis aus einer Gruppe möglicher Kollokationspartner einen bestimmten Kollokator selegiert“ (Targońska 2018: 51), kann im Unterricht die lexikalischen Restriktionen bei festen bzw. idiosynkratischen Wortverbindungen deutlich zum Ausdruck bringen. Nach Targońska (2018: 55) nimmt die Basis sowohl bei der Sprachproduktion als auch bei der Rezeption eine wichtige kognitive ←10 | 11→Rolle ein, denn sie trage als hierarchisch übergeordnetes Element die Hauptbedeutung der Fügung und sei für eine normgerechte Aktualisierung der Wortverbindung verantwortlich.

Auch die Autoren dieses Bandes verstehen Kollokationen überwiegend im engeren Sinne, wobei sich Flinz und Nicklaus in ihren Studien jeweils über die lexikographische Verbuchung von Kollokationen in Internet-Wörterbüchern bzw. über die Komplexität bei der Übersetzung kollokativer Wortverbindungen in literarischen Texten eher auf den weiteren Kollokationsbegriff berufen. Holzinger, der sich in seinem Beitrag mit der Didaktisierung von kollokationellen Einheiten auseinandersetzt, führt aus, dass der statistische Ansatz aufgrund der Kompositionalität der Wortverbindungen besonders für Anfänger geeignet ist, wohingegen Hausmanns Kollokationsbegriff vor allem bei fortgeschrittenen Lernenden von Relevanz ist, denn idiosynkratische Wortverbindungen stellen auch bei höheren Niveaus häufige Fehlerquellen in der Sprachproduktion dar.

Die Didaktisierung von Kollokationen und die Kontrastivität sind die gemeinsamen Nenner der Beiträge des vorliegenden Bandes. Mehrere Studien heben die Bewusstmachung dieser Erscheinung bei Fremdsprachenlernenden hervor (u. a. Corda/Marello 2004; Hausmann 1984, 2004; Herbst 1996; Konecny 2010; Konecny/Bradl-Albrich 2012; Lütge 2002; Reder 2002, 2006; Ďurčo 2016; Ďurčo/Vajičková 2016; Targońska 2018). Denn ohne adäquates kollokationelles Wissen sind Fremdsprachenlernende häufig nicht imstande, ihre Gedanken auszudrücken bzw. über normale alltägliche Erfahrungen zu berichten. Das ist wohl darauf zurückzuführen, dass Kollokationen in der Sprache allgegenwärtig sind: Ihre Zahl in den europäischen Sprachen liegt laut Hausmann (1999) bei ca. 100.000 (zitiert nach Forkl 2010: 50). Sie treten in praktisch allen Bereichen des Lexikons auf, zur Benennung von alltäglichen Vorgängen und Tätigkeiten (das Bett machen), im abstrakten Bereich (Hilfe leisten) und in allen Fachsprachen (Berufung einlegen).

Insbesondere kann die Wahl des zutreffenden Kollokators Probleme bereiten, weil er „bei der Bedeutungserschließung ,unauffällig‘ zu sein vermag“ (Targońska 2018: 52). Dies liegt daran, dass Kollokationen aufgrund ihrer unauffälligen Form und semantischer Transparenz nicht sofort als idiosynkratische Einheiten erkannt und als solche memorisiert ←11 | 12→werden (Targońska 2014: 130–131; Steyer 2000: 104). Während sie sich bei der schriftlichen oder mündlichen Decodierung als relativ kompositionell und transparent erweisen, stellen Kollokationen vor allem für die Sprachproduktion eine Hürde dar. In diesem Sinne behauptet Forkl (2010: 2), dass die Aneignung der Kollokationen in einer Fremdsprache „eine der schwierigsten Aufgaben auf dem Weg zur vollen Beherrschung einer Sprache“ bildet. Das erklärt u.a., dass Reden wie ein Muttersprachler von einigen Sprachwissenschaftlern als „reine Utopie“ bezeichnet wird (Kolečková 1997: 507).

Neuere Studien bemängeln jedoch, dass Lehrwerke häufig das kollektive Potenzial der Lexeme nicht hinreichend gut repräsentieren (vgl. u. a. Reder 2006b; Steyer 2008; Targońska 2018). Mit dieser Thematik beschäftigt sich Giacoma in ihrem Aufsatz, und Nicklaus hebt die Relevanz vom Kollokationswissen und dessen Förderung auch bei der Übersetzung literarischer Texte hervor. Laut Kösters Gensini müssten Lernende auch über gutes (metasprachliches) Wissen in ihrer Muttersprache verfügen, um Kollokationen in der Fremdsprache adäquat zu erlernen bzw. zu verwenden. Iglesias Iglesias legt besonderen Wert auf die Korpusarbeit im DaF-Unterricht als Werkzeug zum Erwerb von Kollokationen. Ihrer Meinung nach sollen Sprachlernende praktisch jeden Niveaus für den Korpusgebrauch sensibilisiert werden, und das nicht nur in der Fremd- sondern auch in der jeweiligen Muttersprache. Ein adäquater Umgang mit monolingualen, Parallel- bzw. vergleichbaren Korpora begünstigt tatsächlich die Wortschatzerweiterung, fördert die produktive Kollokationskompetenz und hilft somit dabei, distributiven und Interferenzfehlern vorzubeugen (vgl. auch Fellbaum (ed.) 2007; Reznicek 2008, 2011; Stuyckens/Bröne 2009; Wallner 2016).

Die Interferenzgefahr im kollokativen Bereich ist in der Tat ziemlich hoch, denn Lernende könnten die Wortverbindungen aus ihrer Muttersprache in der Fremdsprache entweder wörtlich wiedergeben (Konecny 2010: 79), oder die morphosyntaktischen Eigenschaften (z. B. den Valenzrahmen) der muttersprachlichen Kollokation auch auf die fremdsprachliche übertragen (u. a. Mollica 2017: 159–160; vgl. auch Siepmann 2002). Dies impliziert für den Fremdsprachenunterricht die Notwendigkeit der Bewusstmachung für dieses Phänomen bei den Lernenden. Dabei müssen ←12 | 13→nicht nur Form und Bedeutung der Wortverbindung, sondern auch weitere Aspekte wie ihr Valenzverhalten oder ihr Register fokussiert werden.

Bei der Beschreibung bzw. beim Erlernen von Kollokationen – sowie von anderen Phraseologismen – spielt nicht nur die Valenz der Wortverbindung eine Rolle, sondern auch ihre weiteren wendungsinternen und -externen Eigenschaften sind von Relevanz; daher plädieren Mollica und Schafroth in ihrem Beitrag für eine Behandlung sowohl interner (also valenzbedingter) als auch externer Faktoren. Auch wenn der Beitrag nicht explizit in der Fremdsprachendidaktik zu verorten ist, können die abschließenden Überlegungen für den Fremdsprachenunterricht nutzbar gemacht werden.

Die Interferenzfehlergefahr ist noch drastischer, wenn die erlernten Sprachen miteinander verwandt sind; Opfer eines integrativen Transfers können nicht nur Fremdsprachenlernende niedriger Sprachniveaus, sondern auch angehende Dozenten werden. Mit dieser Thematik beschäftigt sich Dal Maso, indem die Autorin das kollokative Wissen angehender italophoner Spanischlernender anhand ihrer schriftlichen Sprachproduktion testet.

Kollokationen stellen aber nicht nur für die Fremdsprachendidaktik eine Herausforderung dar. Auch Wörterbücher müssen versuchen, den Bedürfnissen der nicht muttersprachlichen Nutzer bei der Suche nach der richtigen Kollokation sowohl in Rezeptions- als auch in Produktionssituationen gerecht zu werden. Dieser Thematik widmen sich Flinz und Nied Curcio anhand des Sprachenpaares Italienisch-Deutsch. Die Adäquatheit der lexikographischen Beschreibung von Kollokationen wird häufig infrage gestellt (Cantarini 2018; Giacoma 2013, 2014; Mollica 2017; Wiegand 2010), daher untersucht Flinz die Verbuchung von Kollokationen in Online-Wörterbüchern, während Nied Curcio der Problematik aus der Sicht der Wörterbuchbenutzungsforschung nachgeht (u. a. Bergenholtz/Nielsen/Tarp 2009; Müller-Spitzer 2014; Wiegand 1998; Wolfer et al. 2018).

Im Folgenden sollen die Beiträge kurz zusammengefasst werden.

Marina Brambilla und Valentina Crestani zeigen anhand von deutschen und italienischen Adjektiv-Substantiv- bzw. Substantiv-Adjektiv-Kollokationen in Online-Texten über Fußball, wie die Farbadjektive gelb und rot in „visuellen Kollokationen“ (gelbe/rote Karte, cartellino ←13 | 14→giallo/rosso) neben ihrer physikalischen Referenz einen Zugang zu einer spezifischen, konventionellen Bedeutung im Fußballspiel ermöglichen und somit neben ihrem direkten Bezug zur Realität (als Symbole), ihrer Funktion in den Texten und ihrer unterschiedlichen Verwendung über dasselbe Ereignis in deutschen und italienischen Zeitungstexten zur Wissenskonstitution in der Fußball(fach)sprache beitragen.

Elena Dal Maso behandelt in ihrem Aufsatz „La adquisición de las colocaciones léxicas españolas. El caso de los discentes italófonos“ die Interferenzgefahr von Kollokationen bei fortgeschrittenen italophonen Spanischlernenden bzw. angehenden -lehrenden. Die Autorin kommt zum Schluss, dass kollokative Einheiten eine verstärkte Berücksichtigung im Unterricht finden müssten, da sie gerade bei eng verwandten Sprachen wie Italienisch und Spanisch eine große Fehlerquelle auch für Sprachbenutzer mit vertieften Kenntnissen der Fremdsprache darstellen.

Carolina Flinz setzt sich in ihrem Beitrag „,Wird eine Reise storniert oder annulliert?‘ Kollokationen und weitere mehr oder weniger feste Wortverbindungen in deutsch-italienischen Online-Wörterbüchern“ im Rahmen des Projekts Tourlex mit der lexikographischen Registrierung von Kollokationen auseinander. Die Autorin stellt fest, dass die Internetlexikographie noch keine adäquate, nutzerorientierte Darstellung von kollokationellen Einheiten bietet, wobei Unterschiede der Verbuchung nicht nur in den unterschiedlichen Wörterbüchern, sondern auch innerhalb desselben Werkes festzustellen sind.

Luisa Giacoma geht in ihrem Beitrag „Kollokationen in Lehrwerken für DaF-Lernende: ein didaktisches Paradox“ der Frage nach, wie Kollokationen in zwei in Italien im DaF-Unterricht (Delfin, Ideen) und einem internationalen Lehrbuch (Begegnungen) verwendeten Lehrwerken behandelt werden bzw. welche Übungen vorzufinden sind. Die Autorin bemängelt eine systematische Darstellung und schlägt eine Didaktisierung von Kollokationen vor, die kontrastive Aspekte und eine Progression beim Erlernen der Wortverbindungen berücksichtigt. DaF-Lehrwerke sollten also Kollokationen ganz explizit behandeln, sodass Lehrkräfte und Lernende beim Wortschatzerwerb für deren strategischen Wert sensibilisiert werden.

Herbert J. Holzinger geht in seinem Beitrag „Kollokationen in DaF für Spanischsprechende“ davon aus, dass ein expliziter kontrastiver Ansatz ←14 | 15→mit einem kontinuierlichen Verweis auf die Muttersprache der Lernenden das kollokative Wissen in der Fremdsprache fördern kann. Die vom Autor vorgeschlagene Kollokationsdidaktik basiert auf folgenden Prinzipien, die auch in den Sprachenunterricht Eingang finden müssten: Bewusstmachung, kontrastive Darstellung, formbezogene Behandlung, Themen- und Lehrwerkbezug sowie Systematisierung und Erweiterung.

In ihrem Beitrag „Lehren und Lernen mit Sprachkorpora im DaF-Unterricht am Beispiel temporaler präpositionaler Wortverbindungen“ plädiert Nely M. Iglesias Iglesias für die Nutzung korpuslinguistischer Methoden im universitären DaF-Unterricht als Grundlage nicht nur für die Entwicklung von Lehr- und Lernmaterialien, sondern auch für datengesteuerte Aufgabenstellungen. Anhand des Deutschen Referenzkorpus (DeReKo) sowie des Korpus German Web 2013 (deTenTen13) von Sketch Engine werden drei Fallbeispiele mit praktischen Übungen zu präpositionalen Wortverbindungen für spanische Deutschlerner präsentiert, die eventuellen Interferenzfehlern – meistens durch negativen Transfer aus der L1 verursacht – von Anfang an entgegenwirken können.

In Sabine E. Koesters Gensinis Beitrag „Hör endlich auf, den Mond anzubellen- è una vergogna scimmia. Lexemkombinationen und metasprachliche Kompetenzen italienischer DaF Studierender“ werden anhand einer Reihe von Tests mit Wörterbüchern die Schwierigkeiten im phraseologischen Bereich mit (metasprachlichen) Mängeln in der Muttersprache in Verbindung gebracht. Die Autorin plädiert zum Schluss u.a. für eine verstärkte Fokussierung in der Didaktik auf feste Wortverbindungen und auf eine gezielte Wörterbuchdidaktik, die den Lernenden einen bewussteren Umgang mit Wörterbüchern ermöglichen soll.

Den Untersuchungsgegenstand von Ana Mansillas kontrastiv orientiertem Aufsatz „Las combinaciones usuales de estructura [PREP + S] en la fraseología contrastiva (alemán-español): un estudio de corpus de al principio y a principios de y sus correspondencias al alemán“ bilden usuelle Wortverbindungen temporaler Bedeutung im Deutschen und Spanischen. Anhand der Sketch Engine-Korpora deTenTen13 und eseuTenTen11 sowie DeReKo sollen die usuellen Wortverbindungen des Spanischen al principio bzw. a principios de und deren Äquivalente am Anfang und zu Beginn auf ihren Lexikalisierungsgrad bzw. ihr syntagmatisches Profil hin „bottom up“ untersucht werden. Das Hauptziel besteht darin, ←15 | 16→durch Frequenzanalyse die häufigsten Kollokatoren in den prototypischen Gebrauchskontexten und die Wortverbindungsmuster jeder Wortverbindung kontrastiv zu vergleichen.

Fabio Mollica und Elmar Schafroth analysieren in ihrem Beitrag „Valenz, interne und externe Syntax bei Phrasemen. Konstruktivistische und begriffstheoretische Überlegungen anhand des Deutschen und Italienischen“ Kollokationen und verbale Idiome des Deutschen und Italienischen sowohl aus valenzgrammatischer als auch konstruktivistischer Sicht. Da sich das Konzept der internen und externen Valenz als problematisch erweist und da auch weitere Faktoren für das phraseologische Wissen von Relevanz sind, plädieren die Autoren in Anlehnung an konstruktionsgrammatische Studien für die Konzeption einer internen und externe Syntax, die es erlaubt, alle rekurrenten und häufigen syntagmatischen Modifikationen und alle typischen Kotexte eines Phrasems zu erfassen. Wichtig für diese Herangehensweise ist ein erweiterter Valenzbegriff und die konsequente korpusbasierte Ausleuchtung des Modifikationsbereichs und Modifikationspotenzials innerhalb und außerhalb von Phrasemen. In einem abschließenden Kapitel werden Argumente präsentiert, die auch eine gewinnbringende fremdsprachendidaktische Nutzung dieses Ansatzes unterstreichen.

Martina Nicklaus präsentiert in ihrem Aufsatz „Die Vermittlung kollokativer Kompetenz in der Ausbildung von Literaturübersetzern: Didaktische Vorschläge“ einige didaktische Vorschläge zu Kollokationen im Übersetzungsunterricht. Es handelt sich dabei um eine induktive Methode für fortgeschrittene FremdsprachenlernerInnen, nach der die Studierenden darum gebeten werden, Kollokationen aus einer vorbereiteten Auswahl von Korpora-Auszügen, Wörterbuchartikeln und vorhandenen literarischen Übersetzungen herauszufiltern, um ihre kollokationale Intuition sowohl in der Ziel- als auch in der Ausgangssprache zu schulen. Damit wird versucht, den Prozess des Herauslesens durch gezielt zusammengestelltes Belegmaterial zu unterstützen und damit den Blick für kollokative und verwandte Formen phraseologischer Festigkeit zu schärfen.

Martina Nied Curcios Beitrag „Das Nachschlagen von Phraseologismen in Online-Wörterbüchern und Wörterbuch-Apps. Oder: Warum suchen Fremdsprachenlernende immer noch nach einzelnen Wörtern und was wir dagegen tun sollten“ ist in der Wörterbuchbenutzungsforschung ←16 | 17→zu verorten. Zunächst werden Ergebnisse der Wörterbuchbenutzungsforschung aus benutzerorientierten, insbesondere phrasemorientierten Studien präsentiert. Da neuere Studien belegen, dass Fremdsprachenlernende im Wörterbuch eher nach einzelnen Wörter (statt Wortverbindungen) suchen, schlägt die Autorin ein Modell für eine implizite und explizite Wörterbuchdidaktik vor, die den Wörterbuchgebrauch bzw. das phraseologische Wissen der Lernenden fördern soll, in dem auch Paralleltexte und Korpora eine Rolle spielen. Es wird deutlich, dass in der heutigen digitalen Welt auch beim Erlernen einer Fremdsprache eine gute Medienkompetenz, aber auch der Einsatz adäquater Strategien und Recherchen von großer Bedeutung sind.

Literatur

Autelli, Erica/Konecny, Christine (2015): “Combining Lexicography with Second-Language Didactics: The Case of the Bilingual Collocations Dictionary Kollokationen Italienisch-Deutsch.” In: Karpova, Olga M./Kartashkova, Faina I. (eds.): Life Beyond Dictionaries. Cambridge: Cambridge Scholars Publishing, 185–198.

Bergenholtz, Henning (2008): „Von Wortverbindungen, die sie kollokationen nennen.” In: Lexicographica: International Annual for Lexicography / Revue Internationale de Lexicographie / Internationales Jahrbuch für Lexikographie 24, 9–20.

Bergenholtz, Henning/Nielsen, Sandro/Tarp, Sven (eds.) (2009): Dictionaries and Encyclopedias Today, Lexicographical Tools Tomorrow. Frankfurt am Main: Lang.

Biographische Angaben

Elmar Schafroth (Band-Herausgeber:in) Fabio Mollica (Band-Herausgeber:in) Carmen Mellado Blanco (Band-Herausgeber:in)

Elmar Schafroth ist Inhaber des Lehrstuhls für Romanische Philologie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und zuständig für Französische und Italienische Sprachwissenschaft. Fabio Mollica ist Professor für deutsche Sprachwissenschaft an der Università degli Studi di Milano. Carmen Mellado Blanco ist Professorin für Deutsche Linguistik und Deutsche Sprachgeschichte an der Universität Santiago de Compostela (Spanien).

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Titel: Kollokationen